LIFE
30/11/2015 13:40 CET | Aktualisiert 30/11/2015 13:43 CET

Sie wollten nichts mehr mit ihrem Sohn zu tun haben. Dann schrieb er ihnen diesen Brief

Patrick Bradley wurde aufgrund seiner Sexualität von seinen Eltern zurückgewiesen.
Facebook/thegayfoodie
Patrick Bradley wurde aufgrund seiner Sexualität von seinen Eltern zurückgewiesen.

Der Journalist Patrick Bradley aus New York City hat sein Glück gefunden. Er hat einen Mann, den er liebt und geheiratet hat. Patricks Eltern jedoch weigerten sich, zur Hochzeit zu erscheinen und stellten ihre religiöse Überzeugung über ihren eigenen Sohn.

Zwei Jahre später hat Patrick, der auch seinen eigenen Blog namens "The Gay Foodie" betreibt, den Mut gefasst, sich seinen Eltern zu stellen.

Er hat einen offenen Brief an seine Muter und seinen Vater verfasst, den er auf Out.com veröffentlichte.

„Liebe Mom und Dad,

es sind 890 Tage vergangen seit dem Tag, an dem ihr beschlossen habt, beide nicht zu meiner Hochzeit zu erscheinen. Ich weiß nicht, wieso ich so lange gebraucht habe, um etwas dazu zu sagen. Vielleicht hatte ich Angst davor, was die Familie denken und sagen würde. Oder vielleicht hatte ich Angst davor, sogar mehr von meiner wundervollen, großartigen Familie zu verlieren, an die ich jeden Tag und jede Nacht denke.

Aber nun ist die Zeit da, denn ich habe es endlich satt, 890 Tage und Nächte an eure Anwesenheit gedacht zu haben – an eure Abwesenheit, um genau zu sein.

Ich habe es satt Nacht für Nacht von euch zu träumen.

Und heute hatte ich den unangenehmsten aller Träume – bei dem ich im Schlaf aufgeschreckt bin und nicht wieder einschlafen konnte.

Ich schreibe also um 6.22 Uhr diesen Brief an euch, nach etwas mehr als drei Stunden Schlaf. Obwohl ich weiß, dass mir das jede Möglichkeit nimmt, mich vor der Arbeit noch vollständig auszuruhen. Aber ich gehe lieber mit Schlafmangel zur Arbeit als ohne Würde.

Um nicht (noch länger) alle aus der Familie auszuschließen, sende ich diesen Brief an alle, die daran beteiligt sind.

Ich möchte, dass jeder weiß, was mir passiert ist, als ich euch das letzte Mal aufgesucht habe.

Vor meiner wunderschönen, großartigen Hochzeit.

Ich schreibe diesen Brief nicht aus Rache (auch wenn es sich so anfühlt), sondern eher, weil ich es satt habe, in Anwesenheit meiner Geschwister, Patenkinder, Nichten und Neffen einen Eiertanz aufzuführen. Ich habe es satt, dass ich bei euch beiden „zivilisiert“ sein muss, „der Familie zuliebe“. Ich habe auch die ungewollten Feiertags- und Geburtstagsgeschenke satt. Und ich habe es satt, dass ihr die Dreistigkeit besitzt, mit meinem Mann (und mir) so zu sprechen, als wäre nichts passiert. Schämt ihr euch nicht?

Ich glaube es ist Zeit, dass ich der Familie meine Seite der Geschichte erzähle, denn ich bin mir sicher, dass ihr bereits eure Seite erzählt habt.

Ich will, dass alles ans Licht kommt und ich meine Würde wiederbekomme, wenn ich euch auf Familientreffen wiedersehe.

Treffen, die ich heute lieber vermeiden würde, wenn einer von euch da sein würde; ich habe andere Wege, wie ich meine Familie treffen kann.

Am 13. Mai 2013, der Tag nach Muttertag, reiste ich nach New Jersey, um dich zum Essen einzuladen, da ich am vorherigen Tag arbeiten musste. Du hast mich am Zugbahnhof abgeholt und wir haben im Supermarkt vorbeigeschaut, um eine Geburtstagskarte für einen der Jungs zu kaufen. Auf dem Weg dorthin erzählte ich dir von Michaels Großfamilie, die von Georgia über Colorado und weiter gereist ist, um euch zu treffen, und sich sehr auf euch gefreut hat. Du hast lediglich geantwortet, dass ihr beiden nicht zur Hochzeit kommen würdet.

Ich versuchte mein Bestes, um die Fassung zu behalten.

Ich dachte, ich wäre noch in der Lage, eure Meinung vor dem großen Tag zu ändern.

Noch bevor wir den Supermarkt verließen, hast du angefangen aus der Bibel zu zitieren, während die ahnungslosen Käufer um uns herumwuselten und ihre Nachmittagseinkäufe erledigten. Und bevor wir zurück am Auto waren, hast du deine Angst vor einem Engel angesprochen, dass dieser auftauchen und sagen könnte:

„Hört auf, für Patrick zu beten! Er ist bereits in der Hölle!“

Damals wusste ich, dass es für mich nur den letzten Ausweg gab, indem ich ein Ultimatum stellte, wovon ich nie gedacht hätte, es erfüllen zu müssen.

Ich erklärte ruhig, dass, falls ihr beiden nicht zu meiner Hochzeit kommen solltet, ihr mich nach der Hochzeit nie wieder sehen würdet: keine Feiertage, keine Geburtstage, keine Krankenhausbesuche, keine Beerdigungen. Was ich danach hörte, versetzte mich in einen milden Schock.

Du hast, schnell und sicher, geantwortet: „Wir wissen das! Ich habe gestern Abend mit deinem Vater gesprochen und wir akzeptieren das bereits. Wir sagten, dass wir dich an Gott zurückgeben!“ Ich erinnere mich an weitere Dinge, die gesagt wurden, ich hier aber weglasse.

Als ich schockiert dasaß – schockiert darüber, dass ihr mich lieber nie wieder sehen würdet, als meine Hochzeit zu besuchen – hast du einfach das Thema gewechselt: „Nun, ich glaube, du willst doch nicht mehr Mittag essen gehen.“

Als ich die Autotür öffnete, um wieder zum Zugbahnhof zu laufen, hast du mir angeboten: „Lass mich dich zum Bahnhof fahren. Lass es das Letzte sein, das ich jemals für dich tue.“ Falls es in meinem Kopf nur einen Zweifel gab, dass ich vielleicht missverstanden haben könnte, was du mir zuvor sagtest, hast du in diesem Moment deine Absichten endgültig deutlich gemacht.

Mom und Dad: Indem ihr nicht zu meiner Hochzeit erschienen seid, habt ihr mich zurückgewiesen.

Und ihr habt meinen Mann zurückgewiesen, der meine eigene unmittelbare Familie ist. Ich wiederum weise jeden zurück, der meine Familie zurückweist – aus Würde und Respekt ihr gegenüber. Aber ich biete eine Lösung an.

Ich werde euch beiden vergeben, für das, was ihr getan habt. Wenn ihr vor der ganzen Familie (vom Jüngsten bis zum Ältesten) zugebt, dass das, was ihr getan habt, falsch war. Gebt zu, dass ihr zur Hochzeit hättet gehen sollen. Denn ich denke in der Tat, dass das beschämend war. Ihr habt eine Familie auseinandergerissen.

Aber mir tut im Herzen am meisten weh, was die Sache den Jüngsten in der Familie angetan hat.

Diejenigen, die zu jung waren, um zu verstehen, was passiert war. Bei denen die einzige Schlussfolgerung war: „Patrick muss böse sein“ oder „Er muss wohl etwas falsch gemacht haben, weil Oma nicht bei seiner Hochzeit war.“ In diesem Punkt solltet ihr beiden die Schande ertragen, nicht ich.

Ich will, dass jeder über alles Bescheid weiß. Und vielleicht kann ich heute Abend endlich die ganze Nacht durchschlafen.

Mit den besten Absichten,

Patrick“

Mit dem Brief hat Patrick laut eigner Aussage seine Dämonen begraben können und ist nun in der Lage, endlich nach vorne zu blicken. Wir wünschen ihm weiterhin alles Gute.

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