POLITIK
30/11/2015 06:19 CET | Aktualisiert 18/01/2016 08:54 CET

4 Zahlen zeigen, wie schlecht es um den Ausbildungsmarkt im Osten steht

dpa

Sterbende Städte, pöbelnde Wutbürger, düstere Jobaussichten - auch 26 Jahre nach dem Mauerfall haben viele Deutsche ein schlechtes Bild vom Osten der Republik. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hatte zuletzt sogar ergeben, dass etwa ein Viertel der Deutschen die Wiedervereinigung für einen Fehler hält.

Eine am Montag vorgestellte Studie der Bertelsmann-Stiftung dürfte die Debatte um ein gefährliches Ost-West-Gefälle in Deutschland zusätzlich anheizen.

Demnach bilden in den östlichen Flächenländern immer weniger Unternehmen aus - und noch viel besorgniserregender: Auch die Bewerberzahlen brechen dort dramatischer ein als in anderen Teilen Deutschlands.

Droht dem Osten ein wirtschaftlicher Tod auf Raten? Vier Zahlen aus dem "Ländermonitor berufliche Bildung" verdeutlichen jedenfalls, dass die Zukunftsaussichten in Sachsen, Thüringen & Co. derzeit alles andere als rosig sind:

  • Insgesamt ist das Angebot an Ausbildungsplätzen im Osten zwischen 2007 und 2013 um fast 40 Prozent geschrumpft. Zum Vergleich: Bundesweit waren es im selben Zeitraum rund 13 Prozent.

  • Auch bei der Zahl der Bewerber legt die Studie ein starkes Ost-West-Gefälle offen: Im Osten brach die Zahl der Interessenten um 47 Prozent ein, in den westlichen Bundesländern ging sie derweil lediglich um 13 Prozent zurück.

  • Zudem schlage der demografische Wandel im Osten noch stärker zu als im Westen, erklären die Experten der Stiftung. So sei die Bevölkerung im besonders ausbildungsrelevanten Alter zwischen 15 und 24 Jahren im Osten in den letzten zehn Jahren um ein Drittel geschrumpft, im Westen war der Rückgang mit unter 20 Prozent weniger dramatisch.

  • Im Osten fällt zudem besonders stark ins Gewicht, dass gerade kleine Betriebe sich zunehmend aus der Ausbildung zurückziehen. Von den Unternehmen mit maximal fünf Mitarbeitern haben etwa in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen weniger als fünf Prozent überhaupt noch Lehrlinge. In den westlichen Bundesländern ist die Quote bei den Kleinstbetrieben auch rückläufig - aber immerhin doppelt so hoch.

Den Osten wirtschaftlich abzuschreiben, wäre jedoch falsch. Fakt ist nämlich auch: In Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern leben bundesweit die meisten 20- bis 24-Jährigen mit qualifizierter Schulbildung. Mehr als 80 Prozent haben dort einen Abschluss des Sekundarbereichs II, also mindestens Fachabitur.

Auch Brandenburg und Sachsen-Anhalt liegen über dem Bundesschnitt. Allerdings kommen aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt auch die meisten Hauptschulabbrecher.

Einzelne Städte wie Jena, Potsdam, Leipzig und Dresden haben zudem in den vergangenen Jahren die demografische Trendwende geschafft. Die ländlichen Regionen dagegen schrumpfen weiter, vor allem im Norden und Osten.

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