WIRTSCHAFT
30/11/2015 09:06 CET | Aktualisiert 26/01/2016 06:54 CET

Bei Amazon können Kunden ein vermeintlich harmloses Produkt kaufen. Aber es könnte sie töten

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Amazon

Amazon hat zuletzt mit positiven Nachrichten auf sich aufmerksam gemacht. Kurz vor dem Weihnachtsgeschäft ermöglicht der Online-Riese seinen Kunden maximalen Komfort in vielen deutschen Großstädten: Wer heute bestellt, bekommt noch am selben Tag die Lieferung.

Jetzt muss sich der Online-Händler aber mit schwerwiegenden Vorwürfen auseinandersetzen: Amazon kontrolliere Produkte, die auf der Plattform angeboten werden, nicht ausreichend – und das könne für die Kunden lebensgefährlich werden.

Das behaupten Experten der NDR-Sendung „Panorama 3“. Mit Vor-Ort-Recherchen und Testkäufen haben sie herausgefunden, dass Händler bei Amazon illegale und zum Teil lebensgefährliche Elektronikartikel anbieten.

„Tödlicher Stromschlag“ durch Elektro-Artikel?

Die Reporter haben LED-Lampen und Transformatoren für den LED-Betrieb bei den Online-Händlern Amazon und Ebay eingekauft. Anschließend hat der "Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik" (VDE) die Produkte genauer unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: Keiner der neun gekauften Elektronikartikel dürfte in Deutschland auf dem Markt sein. Die Produkte könnten sogar „im Fehlerfall einen tödlichen Stromschlag verursachen“. Die Liste mit den entsprechenden Artikeln der NDR-Sendung "Panorama 3" könnt ihr hier einsehen. Amazon hat die Produkte inzwischen entfernt.

„Solche Produkte dürfen nicht in den Markt gelangen und müssen wenn sofort vom Markt genommen werden“, sagt Experte Jürgen Ripperger vom VDE.

Denn die meisten der Produkte stammen aus China und entsprechen nicht den in der EU gültigen Vorschriften. Nicht nur vorgeschriebene Hinweise auf den Artikeln fehlten. Es gab auch gravierende technische Mängel, die lebensgefährlich für den Verbraucher sein können.

Amazon und Co. nicht verantwortlich

Aber wer ist dafür verantwortlich, dass solche Artikel überhaupt zum Verkauf angeboten werden?

Online-Händler wie Amazon und Ebay können offenbar nicht belangt werden. „Solange sie als reine Plattform anbieten, also nicht selber Händler sind, sind sie rechtlich im Moment nicht verantwortlich zu machen“, sagt Stefan Pemp vom Gesundheitsministerium Niedersachen in der Sendung „Panorama 3“.

Auf Anfrage der Huffington Post äußerte sich Amazon zu dem Vorwurf, nicht ausreichend auf die Sicherheitsstandards der Händlerprodukte zu achten so:

"Entscheidend für die Teilnahme an Amazon Marketplace ist, dass Händler Amazon-Kunden ein gutes und sicheres Einkaufserlebnis bieten. Selbstverständlich dürfen bei Amazon nur Produkte angeboten werden, die in der EU erlaubt und gehandelt werden dürfen. Die Verantwortlichkeit für die Rechtmäßigkeit des Angebots liegt beim jeweiligen Anbieter – dazu sind Marketplace-Verkäufer per Teilnahmebedingungen verpflichtet."

Amazon geht gegen die Händler vor, sobald entsprechende Hinweise von Dritten bekommen:

"Erlangen wir (wie im dargelegten Fall) Kenntnis über die Leistung verbotener Produkte und damit über einen Verstoß gegen unsere Verkaufsbedingungen, prüfen wir den Fall, entfernen die entsprechenden Produkte umgehend und ergreifen gegebenenfalls weitere Maßnahmen gegenüber den Verkäufern, um sicherzustellen, dass die Teilnahmebedingungen eingehalten werden."

Wie soll das Problem gelöst werden, wenn Online-Händler selbst nicht verantwortlich sind?

Experten der TU Chemnitz haben ein Gutachten vorgelegt, in dem sie konkrete Empfehlungen aussprechen: Plattformbetreiber wie Amazon und Ebay müssen zukünftig in die Verantwortung genommen werden - genauso wie Hersteller und Händler.

Es ist aber nicht abzusehen, dass eine solche Regelungen in naher Zukunft gesetzlich beschlossen wird. Kunden müssen deshalb weiterhin ganz genau hinschauen, was sie im Internet bestellen.

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