WIRTSCHAFT
28/11/2015 13:49 CET | Aktualisiert 30/11/2015 04:49 CET

Vier-Tage-Woche: 11 wissenschaftliche Gründe, warum das Wochenende einen Tag länger sein sollte

Thomas Barwick via Getty Images
Group of laughing architects discussing project plans at conference table in office

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In den 1930er Jahren sagte der Ökonom John Maynard Keynes etwas voraus, das überaus vielversprechend klang: Schon 2030 sei die technische Entwicklung so weit fortgeschritten, dass die Menschen nur noch 15 Stunde pro Woche arbeiten müssten.

Jetzt, 15 Jahre vor besagtem Zeitpunkt, ist die Situation eine völlig andere. Heute arbeiten wir nicht weniger als damals. Im Gegenteil. Der Ökonom Lawrence Mishel rechnet vor: 2007 verbrachten die Menschen im Schnitt fast vier Wochen mehr in ihrem Job als 1979.

Warum um Himmels Willen arbeiten wir mehr statt weniger?

Fakt ist also: Wir arbeiten immer mehr - ohne uns zu fragen, ob das überhaupt sinnvoll ist und welche Folgen eine derartige Belastung für uns haben kann.

Ökonomen und Psychologen machen seit langem auf die Vorteile einer kürzeren Arbeitszeit aufmerksam und fordern eine Vier-Tage-Woche. Einige Länder wie Schweden experimentieren inzwischen mit alternativen Arbeitszeitmodellen. In Deutschland hat sich in dem Bereich aber noch sehr wenig getan.

Dabei gibt es eine Reihe an guten - wissenschaftlich belegbaren - Gründen, warum das Wochenende einen Tag länger sein sollte. Hier sind 11 davon.

1. Wer weniger arbeitet, ist kreativer

Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes ist die Arbeitsbelastung in den letzten zehn Jahren noch einmal stark gestiegen. Dem Arbeitgeber aber nützen überarbeitete Angestellte überhaupt nichts. Viele Unternehmen haben das inzwischen verstanden und versuchen, ihren Mitarbeitern Freiräume zu schaffen. “Zufriedene Mitarbeiter sind kreativer”, sagte etwa der Personalchef von Bosch, Christoph Kübel, in einem Interview mit der “Stuttgarter Zeitung”.

2. Es bleibt mehr Zeit, die eigenen Talente und Träume auszuleben

Wenn wir fünf Tage in der Woche damit beschäftigt sind, dem Job nachzugehen, bleibt zu wenig Zeit, unsere Talente auszuleben, sagt Wirtschaftsprofessor David Spencer. “Die meisten Menschen stecken so tief in ihrer Arbeit, dass sie gar keine Energie und keine Zeit mehr für sich selbst haben. Kurz: Unsere Fähigkeit, unsere Talente und unser Potential auszuleben leidet unter dem beruflichen Druck”, schreibt Spencer in einem Beitrag für die “Daily Mail”.

3. Angestellte arbeiten produktiver

Spencer sagt auch: Wer zu viel arbeitet, ist nicht produktiv und somit für das Unternehmen nicht profitabel. Die Ergebnisse diverser Studien geben ihm recht. Vergangenes Jahr stellte der Ökonom John Pencavel von der Stanford University fest, dass Angestellte nicht unbedingt mehr schaffen, wenn sie mehr arbeiten. Seine Studie kam zu dem Schluss: Ab einer bestimmten Anzahl an Arbeitsstunden steigt die Produktivität in immer geringerem Maße an.

4. Drei Tage Wochenende sind gesund

Eine hohe Arbeitsbelastung strengt den Körper auf Dauer extrem an. Er ist anfälliger für Krankheiten. Es zeichnet sich ein gefährlicher Trend ab: 2013 waren die Deutschen so oft krank wie seit 1999 nicht mehr. Höchste Zeit, gegenzusteuern: Mitarbeiter, die mit einer Grippe im Bett liegen oder sogar wegen eines Burnouts mehrere Wochen lang ausfallen, nützen dem Arbeitgeber schließlich nichts.

5. Zwei Tage sind nicht genug, um sich zu erholen

Wer einen anstrengenden Job hat, für den reichen zwei Tage Wochenende oftmals nicht aus, um sich zu entspannen und Kraft für die neue Woche zu schöpfen.

6. Weniger Arbeit macht glücklich

“Eine geringere Arbeitszeit verbessert nicht nur die Qualität unserer Arbeit, sondern sorgt auch dafür, dass wir unser Leben mehr genießen”, schreibt Spencer. Sprich: Wer weniger arbeitet, ist glücklicher.

7. Mehr Freizeit beugt psychischen Erkrankungen vor

Druck und Stress wirken sich negativ auf die Stimmung aus und können im schlimmsten Fall sogar Depressionen auslösen. Seelische Leiden wie Angstzustände sind laut einer Studie der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz das zweitgrößte Gesundheitsproblem von Arbeitnehmern in Europa - nach Erkrankungen des Skeletts und des Muskelapparats.

8. Die Mitarbeiter sind motivierter

Wer mehr Freizeit hat, leider weniger stark unter Stress und hat mehr Kapazitäten, die Arbeit mit Hobbies auszugleichen. Wer das Gefühl hat, ausgeglichen und mit einem freien Kopf in die neue Woche zu starten, ist motivierter, sagt Spencer.

9. Sie sehen die positiven Seiten der Arbeit stärker

Wenn die Belastung geringer ist, sind die Mitarbeiter laut dem Wirtschaftswissenschaftler nicht nur entspannter, sie sind auch viel eher dazu bereit, die guten Seiten ihres Jobs zu sehen. Dadurch steigt die Qualität ihrer Arbeit und der Vorschläge, die sie einbringen.

10. Eine Vier-Tage-Woche ist gut für die Wirtschaft

Wer fünf Tage die Woche im Büro verbringt, hat so gut wie keine Zeit, Geld auszugeben. Ein zusätzlicher freier Tag sorgt dafür, dass die Menschen mehr konsumieren. Das mag zwar schlecht für den Geldbeutel sein, lohnt sich aber aus ökonimischer Sicht.

11. Die technische Entwicklung macht eine Vier-Tage-Woche längst möglich

John Maynard Keynes lag zwar aller Voraussicht nach falsch, was die Zahl der durchschnittlichen Arbeitsstunden für 2030 angeht. Doch mit einer Sache hat er durchaus recht: Die technischen Standards würden ein Drei-Tage-Wochenende für alle inzwischen erlauben.

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