POLITIK
27/11/2015 05:05 CET | Aktualisiert 27/11/2015 05:42 CET

Nahost-Experte: "Erdogan hat mit dem Abschuss einen fatalen Fehler begangen"

Getty

Nach dem Abschuss eines russischen Jagdbombers durch die türkische Luftwaffe eskaliert die Situation. Der russische Präsident Wladimir Putin hat ein Kriegsschiff in die Region entsandt. Außerdem sind mittlerweile Luftabwehrraketen in Syrien stationiert, um russische Flugzeuge zu schützen. Bisher schaut die Welt deshalb vor allem auf die Reaktion von Putin. Aber was ist eigentlich mit der Türkei? Wie wirkt sich der Abschuss der russischen Bombers auf das Land aus?

Der Nahost-Experte und Publizist Abdel Mottaleb El Husseini warnt jetzt vor harten Konsequenzen für die Türkei. Er glaubt, dass die Türkei mit dem Abschuss "einen fatalen Fehler begangen" hat. In einem Interview mit "Focus Online" sagte er weiter:

"Putin wird zwar keine massive militärische Reaktion einleiten. Aber er hat einige sehr starke Karten (gegen die Türkei) in der Hand." Putin, glaubt Husseini, kann das Land auf vielfältige Weise treffen - auch wenn er nicht militärisch reagiert:

1. Er kann türkische Importe nach Russland verbieten. Die Türkei hatte bisher stark von den Sanktionen der EU gegen Russland profitiert und viele Waren geliefert, die aus Europa nicht mehr kamen. Die türkische Wirtschaft würde das hart treffen.

2. Außerdem könnte Putin den Tourismus seiner Landsleute in der Türkei schwächen. Tausende Russen machen mittlerweile am Schwarzen Meer und an der türkischen Mittelmeerküste Urlaub. Für die Türkei sind die russischen Touristen mittlerweile ein Milliardengeschäft.

3. Die Position in der Türkei in der Region wird geschwächt. Putin rüstet jetzt massiv in Syrien auf, bombardiert die Grenznahe Region zwischen Syrien und der Türkei. Das schwächt den türkischen Einfluss vor allem in den Kurdengebieten. Und das kann die Position Erdogans, der sich inzwischen wieder in einem quasi Bürgerkrieg mit den Kurden befindet, massiv schwächen.

Im Extremfall könnte Putin die Kurden sogar mit Waffen ausstatten, glaubt Husseini. Dann erwiese sich der Abschuss der russischen Kampfjets endgültig als Desaster für Erdogan. Putin kann das Land also dort treffen, wo es am verwundbarsten ist.

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