POLITIK
27/11/2015 16:36 CET | Aktualisiert 28/11/2015 11:46 CET

"Küss alle von mir": So verabschiedete sich der Paris-Attentäter vor dem Anschlag

"Er war ein netter Junge" - ein Bild des Paris-Attentäters Samy Amimour aus glücklicheren Tagen.
Screenshot Twitter
"Er war ein netter Junge" - ein Bild des Paris-Attentäters Samy Amimour aus glücklicheren Tagen.

Samy Amimour war einer der drei IS-Killer, die am Abend des 13. November das Pariser Bataclan Theater stürmten und 89 Menschen niedermetzelten.

In einem Interview mit dem Fernsehsender "CNN" erklärte Anna Aminour*, die ältere Schwester des Attentäters, wie aus ihrem Bruder ein kaltblütiger Terrorist werden konnte.

Der Bruder: fröhlich, freundlich, friedlich

"Mein Bruder war ein netter Mensch, der oft und gerne gelacht hat, ein frecher kleiner Junge eben. Er war einfühlsam, vielleicht ein wenig schüchtern aber man konnte sich jederzeit auf ihn verlassen", erklärte Amimour.

Der 28-jährige hatte in Paris als Busfahrer gearbeitet, ehe er Frankreich vor zwei Jahren in Richtung Syrien verlassen und sich dem Islamischen Staat angeschlossen hatte. Seiner Familie sagte er, dass mit Freunden nach Südfrankreich ziehen werde.

"Sie verpassten ihm eine Gehinrwäsche"

Seine Schwester fragt sich täglich, wie aus ihrem kleinen Bruder ein Massenmörder werden konnte. "Was ist mit ihm passiert? Wir sind zusammen aufgewachsen, wie konnten sich unsere Wege so fundamental trennen?" Die Familie war niemals streng religiös, allerdings blieb es ihnen nicht verborgen, dass sich Samys Verhalten veränderte.

Anna Amimour ist überzeugt, dass ihr Bruder durch falschen Umgang zum Islamist wurde. Samy sei von islamischen Anwerbern in Drancy, einem tristen Vorort von Paris, ins Visier genommen worden. "Sie kamen immer öfter zu ihm und rieten ihm, häufiger zur Predigt in die Moschee zu gehen. Dann nahmen sie ihn mit in Moscheen, in denen radikale Ansichten verbreitet wurden". Sie glaubt, dass ihr Bruder einer Gehirnwäsche unterzogen wurde.

Samy war den Behörden seit 2012 bekannt

2012 wurden die französischen Behörden zum ersten Mal auf ihn aufmerksam. Samy hatte versucht, in den Jemen zu gelangen und wurde wegen terroristischer Aktivitäten gesucht. Die Behörden ordneten eine juristische Beobachtung an. Als er sich vermutlich ein Jahr später auf den Weg nach Syrien machte, wurde er mit einem internationalen Haftbefehl gesucht.

"Wir haben alles versucht, um Hilfe zu bekommen", sagt Anna. Doch die kam nicht. Schließlich reiste ihr Vater im Juni 2014 nach Syrien, um seinen Sohn von der Rückkehr nach Frankreich zu überzeugen. Wie der Vater der französischen Zeitung "Le Monde" berichtete, blieb dieser Versuch erfolglos. Samy nannte sich mittlerweile Abu Hajia und war verheiratet. Die Begegnung mit ihm beschrieb sein Vater als kalt.

Das letzte Lebenszeichen

Die Familie quält die Frage, ob sie vielleicht nicht mehr hätten tun können, um Samy zu helfen: "Natürlich geben wir uns manchmal selbst die Schuld für Samys Lebensweg. Vielleicht haben wir einfach nicht genug getan", sagt Anna.

Das letzte Wort sprach sie mit ihrem Bruder im August, es war eine ganz alltägliche Unterhaltung. "Er sagte mir, dass ich unsere Familie und seine Katze von ihm küssen soll." Außerdem berichtete ihr Samy, dass er aktuell viel um die Ohren habe aber bald wieder anrufen werde.

Doch das nächste und gleichzeitig letzte Lebenszeichen ihres Bruders hörte Anna Amimour am Abend des 13. November. Die Medien berichteten von Samys grausamer Tat und dass er sich im Bataclan Theater in die Luft gesprengt hatte.

*Name von CNN geändert

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