WIRTSCHAFT
27/11/2015 06:01 CET | Aktualisiert 27/11/2015 13:14 CET

Gegen Lebensmittelverschwendung: Ikea ändert etwas in seinen Restaurants radikal

dpa

Ikea will seinen Möbel-Bad-Boy-Ruf loswerden. Grüner werden. Und nachhaltiger produzieren. "Wir haben verstanden, dass es keinen anderen Weg gibt, als unsere Geschäfte auf nachhaltige Weise zu führen", schreibt Peter Betzel, Geschäftsführer von Ikea Deutschland, im Nachhaltigkeitsbericht.

Ikea hat da schon mal vorgelegt.Allein in den vergangenen Jahren hat der Konzern insgesamt 1,5 Milliarden Euro in Maßnahmen gegen den Klimawandel investiert und sich jetzt zu weiteren Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro verpflichtet. Das Unternehmen ist Partner bei der Weltklimakonferenz in Paris, die kurz bevorsteht. Vom 30. November bis 11. Dezember verhandeln die Regierungschefs von 195 Ländern über eine neue internationale Klimaschutz-Vereinbarung - und Ikea will auch seinen Teil beitragen.

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Außerdem packt Ikea das Thema so an, dass es die Kunden wirklich merken werden. Bisher ist Ikea im Bereich Lebensmittel vor allem für das extrem günstige Essen in seinen Restaurants bekannt:

Warum das Essen bei Ikea so günstig ist

Nun aber startet Ikea eine Initiative, die vorbildlich ist:

Innerhalb der kommenden zwei Jahren will Ikea die Lebensmittelabfälle um die Hälfte reduzieren. "Da fast ein Fünftel aller Treibhausgase mit unserer Ernährung zusammenhängt, haben wir uns für das Thema Klimaschutz und Essen entschieden", sagt Ulf Wenzig, Sustainability Manager bei Ikea Deutschland, in einer Pressemitteilung. Deshalb verpflichtet sich der Konzern, den Abfall aus Lebensmitteln in allen deutschen Häusern bis 2017 zu halbieren.

Wie will Ikea das erreichen?

1. Halbe Portionen zum halben Preis: Ab sofort und unbefristet gilt laut Wenzig das Angebot "Halbe Portion, halber Preis" in allen Restaurants der 50 Einrichtungshäuser in Deutschland. "Alle Kunden haben die Möglichkeit, bei allen warmen Speisen eine halbe Portion zu verlangen. An der Kasse zahlen sie dann auch nur die Hälfe des Essenspreises."

"Wir haben festgestellt, dass ein großer Teil unserer Lebensmittelabfälle von den abgeräumten Tellern im Restaurant stammt", sagt Stavroula Ekoutsidou, Food-Managerin bei Ikea Deutschland.

2. Abläufe im Restaurant und im Einkauf verbessern: Der Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt, den Einkauf und die Verarbeitung der Lebensmittel besser zu steuern. "Wir haben einige Best-practice-Beispiele unter unseren Einrichtungshäusern, sodass wir diese gute Ideen auch flächendeckend umsetzen werden", erklärt Ekoutsidou.

3. Kooperation mit Tafeln: An einigen Standorten arbeitet Ikea bereits erfolgreich mit den örtlichen Tafeln zusammen, die Essen an Bedürfte verteilen. Das will das Unternehmen nun auch flächendeckend für Deutschland ausbauen.

4. Denkanstöße für die Kunden: Ikea möchte nicht nur in den Restaurants das Bewusstsein der Kunden dafür schärfen, weniger Lebensmittel zu verschwenden. Ab jetzt liegen dort und in der Küchenabteilung Postkarten mit Rezeptideen aus, mit denen Reste weiterverarbeitet und schlappes Gemüse und Obst, das oft in der Tonne landet, verkocht werden kann.

Der Naturschutzbund Deutschland begrüßt das Engagement seines Kooperationspartners Ikea in Sachen Klimaschutz. "Wir setzen uns bei der Klimakonferenz dafür ein, dass die schlimmsten Folgen des Klimawandels verhindert werden, indem der Anstieg der globalen Mitteltemperatur auf höchstens 2 Grad Celsius begrenzt wird", sagte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Dies sei nur zu erreichen, indem Ressourcen und Energie effizient eingesetzt und eingespart würden. "Dass auch Unternehmen in der Pflicht stehen und Maßnahmen ergreifen müssen, ist dabei unerlässlich. Ikea als großer Systemgastronom setzt mit der Vermeidung von Lebensmittelabfällen ein wichtiges Signal in Richtung Klimaschutz."

Ikea setzt mit der Initiative ein wichtiges Signal. Denn: Unsere Ernährung hat einen massiven Einfluss auf das Klima. Allein 20 Prozent der Treibhausgase in Deutschland werden durch Lebensmittel verursacht. Diese klimaschädlichen Gase entstehen beim Anbau, bei der Verarbeitung und beim Transport von Lebensmitteln, aber auch im Haushalt.

Dennoch: Bisher hat das mit der Nachhaltigkeit bei Ikea nur halb gut funktioniert. Das FSC-Zeichen, das Ikea für Holz aus "nachhaltigeren Quellen" als Gütekriterium anführt, ist umstritten. "Wir sind der Meinung, dass der deutsche Verbraucher hier getäuscht wird", sagt etwa Reinhard Behrend vom Verein "Rettet den Regenwald" der Huffington Post. Es sei zwar möglich, dass das FSC-Siegel in Europa seine Berechtigung habe, aber in den Tropen würden auch ursprüngliche Urwälder mit dem Siegel zertifiziert sowie Monokulturen, die die Artenvielfalt und den Boden zerstören würden, kritisiert Behrend.

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