WIRTSCHAFT
27/11/2015 09:25 CET | Aktualisiert 27/11/2015 10:49 CET

Von wegen reiches Deutschland - drei Gründe, warum die Mittelschicht weiter absteigt

Getty
Viele Rentner leben an der Armutsgrenze

Jahrelang stiegen laut Sozialforschern in Deutschland höhere und mittlere Einkünfte gleichermaßen - gut war das, für den sozialen Frieden und zur Bekämpfung der Altersarmut.

Doch zwei Statistiken zeigen nun eine beängstigende, entgegengesetzte Entwicklung: Die Schreckgespenster Altersarmut und soziale Ungerechtigkeit sind zurück.

Hier sind die beiden wichtigsten Erkenntnisse im Detail:

1. Die soziale Ungerechtigkeit nimmt zu

Grundlage für diese Erkenntnis ist der Gini-Koeffizient: Dieser legt offen, wie groß die Einkommensunterschiede in einem Land sind. Liegt der Koeffizient bei 0, würden alle Bewohner gleich viel verdienen. Der Maximalwert ist 1, hierbei würde eine einzige Person das gesamte Einkommen des Landes beziehen. Ausschlaggebend für die Berechnung ist der Sozio-ökonomische Panel: Hierfür werden regelmäßig etwa 12.000 Privathaushalte zu ihrer Einkommenssituation befragt.

Wie "Spiegel Online" berichtet, ist der Gini-Koeffizient laut laut einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts WSI von 2010 bis 2012 um 2,9 Prozent gestiegen. Lag der Wert im Jahr 2010 noch bei 0,28 lag er zwei Jahre später bereits bei 0,288. Zum selben Ergebnis kommt auch das Statistische Bundesamt.Die Zahlen der Behörde bestätigen, dass die Ungleichheit in Deutschland allein zwischen 2012 und 2013 um 4,95 Prozent angestiegen sei.

2. Die Altersarmut wird schlimmer

Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt die Studie "AXA Themenfokus Finanzielle Flexibilität im Ruhestand". Wie "Focus Online" in Bezug auf die Umfrage der AXA-Versicherung berichtet, hätten drei Viertel aller Rentner mit Geldproblemen zu kämpfen. Zudem würden viele Rentner den Geldbedarf im Alter falsch einschätzen.

Erst im Alter von 75 würden den meisten Menschen bewusst werden, dass ihre Ausgaben mit zunehmendem Alter steigen. Beispielsweise durch die Kosten für ein Pflegeheim. Vier von fünf der Befragten über 80 gaben an, dass sie die Kosten unterschätzt hätten. Um der Armut im Alter vorzubeugen, würden zwei Dritte der befragten Senioren zu sparen beginnen. Ein Viertel würde Geldanlagen verkaufen. Jeder fünfte Befragte gab an, dass er sich schon einmal Geld bei Freunden oder Verwandten leihen musste.

3. Immer mehr Menschen rutschen von der Mittelschicht ins Armenmilieu

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, schreibt in einem Gastbeitrag für die Huffington Post, die Hartz-IV-Quote betrage noch immer 10,1 Prozent, die Armutsquote sogar 15,4 Prozent. Die Quote speist sich auch aus ehemaligen Angehörigen der Mittelschicht. "Auch nach zehn Jahren Kanzlerinnenschaft Merkel bleibt Deutschland ein sozial tief gespaltenes Land, eine zerklüftete Republik“, so Schneider.

Auch auf HuffPost:

Video: Rentner teilt auf Facebook Fotos vom Ekel-Essen aus dem Altenheim

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite