POLITIK
27/11/2015 09:21 CET | Aktualisiert 27/11/2015 09:39 CET

Waren die Paris-Attentäter unter Einfluss von Captagon? 11 erschreckende Fakten über die "Dschihadisten-Droge"

dpa

Kaltblütig schossen die Attentäter von Paris ihre Opfer mit Kalschnikows nieder. Laut Augenzeugenberichten sollen sie bei den Angriffen völlig ruhig und gefasst gewirkt haben. Französische Medien spekulieren, die Killer hätten unter Drogeneinfluss gestanden.

Das französische Magazin “Le Point” hatte vor einigen Tagen ein Video auf seine Seite gestellt, das das Hotelzimmer zeigen soll, in dem der noch immer flüchtige Attentäter Salah Abdeslam und seine Komplizen vor den Paris-Anschlägen geschlafen haben sollen. Auf dem Tisch sind Spritzen und kurz Nadeln zu erkennen.

Die Droge Captagon soll im Spiel gewesen sein, so die Vermutung. Aber warum griffen die Attentäter mutmaßlich genau zu dieser - in Europa bisher wenig verbreiteten - Droge?

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Hier sind 11 Fakten über die “Dschihadisten-Droge” Captagon:

1. Captagon ist ein synthetische Droge, die stimulierende Wirkung hat. Die chemische Bezeichnung für das Mittel lautet Fenetyllin, Captagon ist der Handelsname. Es handelt sich dabei um ein Amphetamin-Derivat.

Im Video seht ihr, welche Wirkung Captagon auf den menschlichen Körper hat:

2. Captagon kam in den 60ern in Deutschland auf den Markt. Ab 1961 war das Mittel unter dem offiziellen Namen Fenetyllin erhältlich. In den 70ern waren die so genannten “Cappies” wegen ihrer aufputschenden Wirkung unter Teenagern beliebt. Als Alternative zu Amphetamin setzten es Ärzte es unter anderem zur Behandlung von ADHS ein. Außerdem wurde es, wenn auch weniger häufig, zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.

3. Seit den 80ern ist Captagon in vielen Ländern jedoch illegal. Weil das Mittel sehr stark abhängig macht, nahmen Mediziner schon bald Abstand davon. 1986 setzte das United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) Captagon auf die Liste der gefährlichen Drogen. Seither ist es in vielen Ländern als illegaler Suchtstoff eingestuft. In Deutschland ist es seit 2003 nicht mehr im Handel.

4. Das Mittel steht außerdem auf der Liste der Welt-Doping-Agentur (WADA). In den 80ern wurden deutsche Fußballer auf die Wirkung von Captagon aufmerksam. Viele von ihnen putschten sich vor Spielen damit auf. Die WADA verbot es daraufhin. Laut dem früheren Bundesliga-Trainer Peter Neururer war das Mittel damals “gang und gäbe”. “Viele Spieler waren verrückt danach”, sagte er 2007 der “Sport Bild”. Das sei nicht nur in der zweiten Liga so gewesen.

5. Die synthetische Droge erhöht die Konzentration. Außerdem kurbelt Captagon den Blutdruck an und sorgt somit dafür, dass der Körper nicht so schnell müde wird. Bei Einnahme des Mittels werden aber die Energiereserven des Körpers schneller aufgebraucht.

6. Captagon verringert Furcht und Risikobewusstsein. Auch andere Gefühle wie Hunger und Schmerz dämpft die Droge. Das Bedürfnis nach Schlaf nimmt stark ab. Wie bei Amphetamin stellt sich ein Gefühl der Stärke und der Unbesiegbarkeit ein.

7. Die Risiken der Droge sind hoch. Bei einer Überdosierung von Fenetyllin werden große Mengen der Neurotransmitter Noradrenalin und Dopamin im zentralen Nervensystem freigesetzt. Das kann zu Krämpfen und einem Herz-Kreislauf-Zusammenbruch führen. Ähnlich wie bei Metamphetamin (Crystal Meth) sorgt der Konsum über einen langen Zeitraum außerdem für eine schleichende Zersetzung der Psyche.

8. Captagon ist heute vor allem im Nahen Osten verbreitet. Seit die synthetische Droge in den meisten westlichen Ländern verboten wurde, ist sie hier nahezu völlig veschwunden. In Ländern wie Libanon, Syrien, Jordanien und Saudi Arabien ist sie aber sehr beliebt.

9. Das Mittel ist attraktiv für Terroristen. Die gefühlsbetäubende Wirkung hat dem Mittel die Bezeichnung “Dschihadisten-Droge” eingebracht. Sie sorgt wohl bei Attentätern dafür, die Hemmschwelle des Tötens leichter zu überwinden. Angesichts der berechnenden Grausamkeit der Taten schließen Experten nicht aus, dass auch die Attentäter von Paris Captagon im Blut hatten.

10. Der Handel von Captagon in Syrien ist massiv gestiegen. Schon 2014 hatte das eine Nachforschung der Nachrichtenagentur Reuters und des “Time”-Magazins ergeben. In dem Bericht, über den unter anderem der britische “Guardian” schrieb, hieß es, durch den Handel mit der Droge seien Millionen Dollar ins Land gekommen.

11. Das gleiche gilt für den Konsum in Syrien. Aus dem Bericht ging damals auch schon hervor: IS-Dschihadisten und auch ihre Gegner setzen die Droge ein, um die Kraft zum Weiterkämpfen zu haben. Es ist also keinesfalls auszuschließen, dass auch IS-Kämpfer in Europa zu Captagon greifen.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite