LIFESTYLE
26/11/2015 06:46 CET | Aktualisiert 13/12/2015 13:14 CET

Sie war Jana Bach: Jetzt packt der Pornostar über die Praktiken der Branche aus

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Jana Bundfuss hat eine beeindruckende Karriere hingelegt. Nur wenige Monate nach ihrem Berufseinstieg wurde ihr bereits eine der größten Auszeichnungen ihrer Branche verliehen. Jana Bundfuss wurde zur besten Newcomerin gekürt. Von der Pornobranche.

Unter dem Namen Jana Bach drehte sie dann sechs Jahre lang sehr erfolgreich Pornofilme, war eine der bekanntesten und beliebtesten Darstellerinnen in der Szene.

Doch dann verkündete sie ihren Ausstieg. “Da kam so vieles zusammen, dass ich die Reißleine ziehen musste”, sagt sie im Interview mit der Huffington Post.

Sie wollte den Kopf freikriegen von der Pornobranche, die nichts für sensible Menschen ist. “Wer nicht körperlich und physisch stabil ist und keinen soliden Hintergrund hat, der lebt gefährlich.”

Pornodarsteller brauchen ein stabiles Umfeld

Denn bei Pornos werde das Intimste gezeigt, was ein Mensch machen könne. Man müsse sich in allen Punkten auf den Arbeitgeber, das Team verlassen können. Doch oft werde man ausgenutzt: “Die Pornoindustrie funktioniert halt auch nach dem kapitalistischen Grundprinzip: Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.”

Viele Produzenten hätten Probleme, mit Darstellern zu arbeiten, die einen eigenen Kopf hätten. Jana Bundfuss sagt, sie habe von Anfang an darauf geachtet, Grenzen zu setzen. Bei den Dingen, die sie vor der Kamera tut. Bei Kollegen, mit denen sie dreht. Wie sie sich vermarkten lässt. Bei ihr habe das funktioniert, aber es sei oft versucht worden, sie umzustimmen.

jana bundfuss

“Ich bin eine große Ausnahme in der Branche. Meine Privatwelt ist auch so anders. Ich habe nie Alkohol getrunken, nicht geraucht, nie Drogen genommen. Bei vielen gehört das dazu. Für mich war das nie akzeptabel.” Porno sei Arbeit, kein Lifestyle.

Pornoindustrie: Große Brüste als Standardmodell?

Als Frau mit eigenem Kopf werde man oft kritisch beäugt. Man habe zu kuschen und möglichst nichts in Frage zu stellen. Bei Drehs würden oft schon zu Beginn die Sektflaschen reingereicht, damit “die Damen funktionieren”.

Dagegen hat sich Jana Bundfuss immer gewehrt. Wie auch gegen einen anderen Branchenstandard: die Schönheitsoperation.

Jana Bundfuss ist eine schöne Frau. Aber sie sieht nicht aus, wie man sich gemeinhin eine Pornodarstellerin vorstellt. Zierlich, brünett und Körbchengröße A. Ein Bekannter wollte ihr erst gar nicht glauben, dass sie Pornos dreht: “Deine Brüste sind doch gar nicht groß genug”, sagte er.

Und auch ihr ehemaliger Produzent schlug ihr einmal vor, auf seine Kosten ihre Brüste vergrößern zu lassen. “Da war ich beleidigt, ich war so wütend”, sagt Jana Bundfuss. Die Männer hätten ja auch nicht mit den Konsequenzen zu leben: Verkapselungen, Silikon-Austausch. Sie schlug das Angebot sofort aus. Obwohl sie wusste, dass das in der Branche nicht üblich ist.

“Ich bin ja nicht nur Brust oder Arsch. Ich bin ein ganzer Mensch. Und ich muss am Ende des Tages wieder ich selber sein dürfen.”

"Ich habe viel gelernt"

Doch man werde als Pornodarstellerin eben anders wahrgenommen. Nachdem sie ihren letzten Porno abgedreht hatte, ging Jana Bundfuss auf Jobsuche. Nach einem “normalen Beruf”. Nach ihrem ersten Vorstellungsgespräch gab ihr der Arbeitgeber die Hand und sagte: “Ich habe Sie nur eingeladen, weil ich Sie mal live sehen wollte.”

Jana Bundfuss war schockiert. Doch sagt über diesen Moment auch: “Die größten Schweine sind halt in normalen Berufen.”

Die Jahre in der Pornoindustrie haben Jana Bundfuss abgehärtet. Aber sie hat auch vieles gelernt. Über sich, über Moral und natürlich über Sex.

jana bundfuss

“Ich würde mir nie wieder einen Mann an Land ziehen, der schlecht im Bett ist. Je mehr Erfahrungen man gemacht hat, desto anspruchsvoller wird man.” Schlechter Sex sei Sex ohne Leidenschaft. “Man spürt es einfach. Entweder es passt, oder nicht.”

Derzeit arbeitet Jana Bundfuss als Moderatorin und Reporterin für einen Live-Strip-Kanal. Und ihre Zukunft? “Ich weiß, was ich will, und ich will jeden Tag etwas anderes. Wahre Erfüllung finde ich im Umbruch. Ich entdecke mich ständig neu.” Mein Opa hat immer gesagt: “Wenn du eines Morgens aufstehst und merkst, du willst gar nicht mehr zur Arbeit. Dann ist die Leidenschaft weg. Dann kannst du auch aufhören.” Und Jana Bundfuss möchte diese Leidenschaft gegen nichts eintauschen.

Anmerkung zu dem Video: Auf dem Pornoportal Woodrocket erzählen Pornostars von ihren Horror-Erlebnissen am Set.

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