NACHRICHTEN
24/11/2015 12:32 CET

"Je brutaler desto besser": So rekrutiert der IS massenhaft Terroristen in Europa

dpa

Mit gesundem Menschenverstand ist nicht zu fassen, wie jemand die Taten von Paris gutheißen kann. Man sollte meinen, dass brutale und schlicht willkürliche Anschläge junge Menschen davon abschrecken, einer Terror-Miliz wie dem IS beizutreten. Doch oftmals ist genau jetzt das Gegenteil der Fall.

Nach den Anschlägen in Paris erwarten Experten erhöhten Zulauf für die Terror-Miliz. Wer vor den Anschlägen von Paris bereits mit den Ideen des IS sympathisierte, ist jetzt besonders gefährdet, selbst aktiv zu werden. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk warnte Terror-Experte Peter R. Neumann, dass der Anreiz für die Terroristen genau darin liege, dass der Rest der Gesellschaft die Taten so schrecklich finde.

Paris wird in terroristischen Kreisen als Erfolg gefeiert. Nachdem der IS in Syrien in letzter Zeit Rückschläge zu verkraften hatte, geben die Taten von Paris potenziellen Terroristen wieder Mut, erklärt der Terror-Experte. Neumann warnt vor den Denkweisen der Unterstützer, die für uns kaum nachvollziehbar ist: "Die wollen ja, dass der Islamische Staat Schreckliches tut, Brutales tut. Je brutaler desto besser. Insofern ja, er hat absolut wieder an Enthusiasmus und Unterstützung gewonnen."

Besonders anfällig ist jetzt eine Personengruppe. Im Interview erklärte Neumann, dass es die Terroristen oft auf junge Menschen abgesehen haben, die sich von unserer Gesellschaft ausgeschlossen fühlen. Ein kluger Schachzug. Milo Rau, Schweizer Regisseur und Journalist, hat 2013 im belgischen Problemviertel Molenbeek recherchiert, in dem die Attentate von Paris geplant worden sein sollen. Im Interview mit "Zeit Online" bestätigt er: "Viele dschihadistischen Karrieren beginnen mit einer pubertären Krise."

Dass junge Menschen zu Terroristen werden, ließe sich oft verhindern. Neumann ist sich sicher: Präventionsarbeit könnte viele zukünftige Terroristen retten. "Man muss die Leute ansprechen, bevor es die Extremisten tun." Es gehe den Jugendlichen vor allem darum, ernst genommen zu werden.

Die Ausbildung zum Terroristen findet meist im Nahen Osten statt. Milo Rau geht deshalb noch weiter. Neben Chancengleichheit und Bildung für Jugendliche aus Problemvierteln fordert er außerdem ein Umdenken unserer Gesellschaft. Anstatt Flüchtlinge auszusperren: "Man müsste den Stacheldraht nach innen kehren, damit unsere terroristischen Mitbürger nicht in den Nahen Osten ausreisen können", sagte Rau im "Zeit Online"-Interview.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Terror in Paris: Das sagt der Vater des Drahtziehers von Paris

Hier geht es zurück zur Startseite