POLITIK
24/11/2015 02:41 CET | Aktualisiert 24/11/2015 02:46 CET

3 überraschende Gründe, warum im November so viele Flüchtlinge kamen wie nie

Im November kamen so viele Flüchtlinge nach Deutschland wie in keinem Monat zuvor seit Beginn der Flüchtlingskrise
dpa
Im November kamen so viele Flüchtlinge nach Deutschland wie in keinem Monat zuvor seit Beginn der Flüchtlingskrise

Es war ein spektakulärer Protest: Gestern haben hunderte Flüchtlinge auf ihre Abweisung an der griechisch-mazedonischen Grenze bei Gevgelija reagiert und sich die Münder zugenäht. Andere Männer präsentierten mit nackten Oberkörpern in der Kälte.

Mazedonien lässt seit mehreren Tagen nur noch Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan ins Land. Die anderen Asylsuchenden werden an der Grenze pauschal abgewiesen. Und dennoch: Im November könnten so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, wie in keinem Monat seit Beginn der Flüchtlingskrise. 180.000 Flüchtlinge hat die Bundespolizei seit Monatsbeginn registriert, berichtet die "Bild"-Zeitung. Täglich kommen Tausende weitere über die Grenzen. Im bisherigen Rekordmonat Oktober geht die Bundespolizei von 181.000 Flüchtlingen aus.

Hier sind drei Gründe für den neuen Rekordwert:

1. Der Krieg in Syrien verschärft sich

Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, gehen die deutschen Behörden davon aus, dass die Flüchtlingszahlen in diesem Winter noch steigen werden. Der Grund: Durch das Eingreifen Russlands, Frankreichs und die Geländegewinne der Assad-Armee in Syrien werden dort immer mehr Gebiete unsicher. Das drängt derzeit wieder mehr Menschen zur Flucht nach Europa.

2. Die Versorgung der Flüchtlinge in Jordanien und dem Libanon verschlechtert sich

In den Nachbarländern Syriens leben mittlerweile mehrere Millionen Flüchtlinge. Allein im kleinen Libanon sind es etwas mehr als eine Million. Das Problem: Die Länder haben kaum eigene Mittel, um die Flüchtlinge zu versorgen. Die Wirtschaft im Libanon befindet sich in einer Krise. Und das Flüchtlingshilfswerk der UN klagt, dass die zugesagten finanziellen Hilfen anderer Staaten nicht ausbezahlt werden. Je hoffnungsloser die Situation aber in den Flüchtlingslagern im Libanon und Jordanien, je mehr Menschen machen sich auf den Weg nach Europa.

3. Die Türkei arbeitet in der Flüchtlingskrise immer noch nicht mit der EU zusammen

Die Türkei ist das Land, durch das die meisten Flüchtlinge nach Europa reisen. Zwar verhandelt die EU derzeit mit der Türkei über eine Lösung in der Flüchtlingsfrage. So soll das Land einen geordneten Zuzug von Flüchtlingen aus Syrien ermöglichen und einen geordneten Weiterzug nach Europa garantieren. Nur noch bestimmte Kontingente an Flüchtlingen sollen nach Europa weiterreisen dürfen. Dafür erhält die Türkei Finanzhilfen, um die Flüchtlinge besser versorgen zu können.

Doch wann dieser Plan greift, ist ungewiss. Deshalb lässt die Türkei die Flüchtlinge noch ungehindert weiterreisen. Das Ziel der meisten Syrer: Deutschland.

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