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24/11/2015 11:11 CET | Aktualisiert 24/11/2015 11:59 CET

Sie fühlte sich immer wie ein Außenseiter - mit diesen Worten ihrer Stieftochter hätte sie niemals gerechnet

Juanmonino via Getty Images
Sie fühlte sich immer wie ein Außenseiter - mit diesen Worten ihrer Stieftochter hätte sie niemals gerechnet

Was ist, wenn man sich in jemanden verliebt, der bereits Kinder hat? Als neuer Partner ist es selten einfach, von allen Familienmitgliedern akzeptiert zu werden.

Auf dem Unterhaltungsportal Hrtwarming.com beschreibt eine Stiefmutter, wie tief sie die Worte ihrer Stieftochter getroffen haben.

"Ich hatte oft das Gefühl, „Stiefeltern“ wäre eine Bezeichnung für Männer und Frauen, die in Familien mit Kindern einheiraten - aus dem einfachen Grund, dass wir sie schließlich irgendwie benennen müssen. Denn man hat oft nicht das Gefühl, dass der Begriff „Eltern“ wirklich zutrifft.

Zumindest fühlte es sich für mich so an, als Stiefmutter der vier Kinder meines Mannes.

Mein Mann und ich waren seit sechs Jahren zusammen. Gemeinsam mit ihm sah ich, wie seine jungen Kinder zu Teenagern heranwuchsen. Obwohl sie in erster Linie bei ihrer Mutter lebten, verbrachten sie auch viel Zeit bei uns.

Im Laufe der Jahre lernten wir, uns anzupassen, uns wohler zu fühlen und uns an die neue Familienkonstellation zu gewöhnen. Wir genossen gemeinsame Urlaube, aßen zusammen, arbeiteten an Hausaufgaben, spielten Baseball, liehen uns Filme aus. Jedoch fühlte ich mich weiterhin ein bisschen wie ein Außenseiter, der fremdes Revier verletzt. Es gab eine klare Grenze, die nicht überschritten werden konnte.

Ein innerer Familienkreis, der mich ausschloss.

Da ich keine eigenen Kinder hatte, beschränkte sich meine Erfahrung in Sachen Erziehung auf die vier Kinder meines Mannes. Oft beklagte ich mich darüber, dass ich nie die besondere Verbindung erfahren würde, die zwischen einem Elternteil und dem Kind besteht.

Als die Kinder in eine Stadt zogen, die fünf Stunden entfernt war, war mein Mann verständlicherweise am Boden zerstört. Um die regelmäßige Kommunikation zu den Kindern beizubehalten, legten wir uns einen Email-Account an und meldeten uns bei einem Chat-Service an. Diese Technologie würde uns, zusammen mit dem Telefon, ermöglichen, die Kinder jeden Tag zu erreichen. Wir verschickten häufig Notizen und Nachrichten, und wir chatteten sogar zusammen, wenn wir mal alle online waren.

Ironischerweise führten diese modernen Kommunikationsinstrumente auch dazu, dass wir uns voneinander distanzierten.

Wir fühlten uns entfremdet und strebten noch mehr nach Kontakt mit den Kindern. Wenn eine Nachricht an „Dad“ adressiert wurde, fühlte ich mich vergessen und vernachlässigt. Wenn mein Name neben seinem erwähnt wurde, verschönerte mir das den Tag und ich fühlte mich als wäre ich trotzdem Teil der Familie. Dennoch musste immer noch eine Distanz überbrückt werden, nicht nur über Telefonkabel.

Eines späten Abends, als mein Mann beim Fernsehen eingedöst war und ich die Emails durchging, tauchte eine Chat-Nachricht auf. Es war Margo, meine älteste Stieftochter. Sie war auch noch spät wach und saß an ihrem Computer.

Wie gewohnt schickten wir ein paar Mitteilungen hin und her und tauschten die neuesten Nachrichten aus.

Bei so einem Chat wusste sie nicht unbedingt, ob gerade ich oder ihr Vater am anderen Ende an der Tastatur saß – außer sie fragte nach. An diesem Abend fragte sie nicht nach und auch ich gab meine Identität nicht preis.

Nachdem ich die neuesten Volleyball Ergebnisse erfuhr, die Details zu ihrem bevorstehenden Tanzabend an ihrer Schule und auch zu ihrem Geschichtsprojekt, an dem sie gerade arbeitete, kommentierte ich, dass es spät wäre und ich ins Bett gehen sollte. Sie antwortete mit: „Okay, reden wir später! Ich liebe dich!“

Als ich diese Nachricht las, überkam mich eine Welle der Traurigkeit.

Ich erkannte, dass sie wohl dachte, sie würde die ganze Zeit mit ihrem Vater schreiben. Sie und ich tauschten nie solche Worte der Zuneigung aus. Ich fühlte mich schuldig, weil ich die Situation nicht aufklärte und ich wollte sie auch nicht in Verlegenheit bringen, also antwortete ich ihr schlicht: „Ich liebe dich auch! Schlaf gut!“

Wieder einmal dachte ich an den Familienkreis, der in sich abgeschlossen ist. Ein Privatbereich, in dem ich ein Eindringling war. Ich spürte wieder den stechenden Schmerz der Leere und Andersartigkeit. Gerade als ich nach der Tastatur griff und den Computer herunterfahren wollte, tauchte Margos letzte Nachricht auf. Sie lautete: „Sag Dad auch gute Nacht von mir.“ Mit feuchten Augen schaltete ich den Computer aus."

Video:Familie: 10 Dinge, die Eltern gerne gewusst hätten, bevor sie Kinder bekommen

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