POLITIK
23/11/2015 23:56 CET | Aktualisiert 24/11/2015 00:08 CET

Bizarres Asylgeschäft: Afghanische Flüchtlinge zahlen für Taliban-Drohbriefe

Es ist absurd. Früher gab es für Afghanen nichts Schlimmeres, als eine Todesdrohung der Taliban zu erhalten. Jetzt zahlen sie etwa 1000 Euro, um einen gefälschten Drohbrief zu erhalten.

In Afghanistan floriert der Handel mit gefälschten Morddrohungen der Taliban. Flüchtlinge würden für eine überzeugende Todesdrohung viel Geld zahlen, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Mit den handgeschriebenen Briefen würden sie sich dann bessere Chancen erhoffen, in Europa Asyl zu bekommen.

taliban

Für diese gefälschten Drohbriefe zahlen Afghanen viel Geld

Die Briefe ähneln sich sehr. Die handgeschriebenen Schreiben werden oft an Menschen geschickt, die mit den afghanischen Sicherheitskräften oder den von den USA geführten Truppen zusammenarbeiten. Darin werden ihre "Verbrechen" aufgelistet und sie werden gewarnt, dass eine "Militärkommission" über ihre Bestrafung entscheiden werde. Die Briefe schließen mit dem Hinweise, dass die Aufständischen "keine Verantwortung dafür übernehmen", was in der Zukunft passieren werde.

Doch viele der Todesdrohungen sind nicht echt. "Ich würde sagen, von den Drohbriefen, die Afghanen jetzt europäischen Behörden vorlegen, sind nur ein Prozent echt und 99 Prozent gefälscht", zitiert die AP einen 35-jährigen Mann, der angeblich bereits selbst solche Briefe verkauft hat.

Auch ein Taliban-Sprecher dementierte dem Bericht zufolge. Die Taliban würden nicht massenweise solche Schreiben verschicken. "Wir schicken keine Drohbriefe, das ist nicht unser Stil", wird der Mann zitiert.

Diese Fälschungen sind auch den deutschen Behörden bekannt. Eine Sprecherin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bestätigte gegenüber "Focus Online", dass die Existenz solcher vermeintlicher Drohbriefe bekannt sei, es gebe jedoch keine Statistiken, wie viele es gebe. Ohnehin würden solche Briefe beim Asylentscheid immer nur im Gesamtzusammenhang bewertet.

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