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23/11/2015 11:00 CET | Aktualisiert 23/11/2015 11:01 CET

Eine Frau trennt sich von ihrem gewalttätigen Ehemann. Dann schreibt ihr Sohn diese berührende Nachricht

Yellow Dog Productions via Getty Images
Eine Frau trennt sich von ihrem gewalttätigen Ehemann. Dann schreibt ihr Sohn diese berührende Nachricht

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Frauen, die in ihrer Ehe häusliche Gewalt erleben müssen, schaffen es oft sehr spät, sich von ihrem Partnern zu trennen. Wurden in der Ehe Kinder geboren, erschwert das die Situation zusätzlich.

Nach einer Scheidung überwiegen bei den Elternteilen oft Missgunst und Wut - doch es kann auch anders sein. Diese berührende Geschichte eines Anwalts und seiner Klientin haben wir bei Tickld.com gefunden:

"Ich bin ein Scheidungsanwalt. Manchmal denke ich, dass ich bereits alles gesehen habe. Doch als vor zehn Jahren eine Frau meine Praxis betrat, war für mich nichts mehr wie zuvor.

Ihr Name war Barbara. Als man sie in mein Büro geleitete, trug sie ein sehr unauffälliges Outfit. Ich schätzte sie auf 19 Jahre. Sie wirkte sehr unschuldig.

Ich lag falsch. Sie war 32 und hatte vier Kinder zwischen drei und neun Jahren. Ich habe bereits viele brutale Geschichten gehört, aber den körperlichen, psychischen und sexuellen Missbrauch, den sie durch die Hände ihres Ehemanns ertragen musste, schockte mich zutiefst.

Am Ende des Gesprächs sagte sie: "Herr Concolino, sie müssen wissen, das war alles meine Schuld. Ich und meine Kinder verharrten in dieser Situation, weil ich es wollte. Ich übernehme dafür volle Verantwortung. Ich wusste, nur wenn ich entscheiden würde, dass ich genug gelitten habe, kann ich meinem Leid entkommen. Diesen Schritt bin ich nun gegangen. Ich habe den Kreis durchbrochen."

Ich war bereits seit vier Jahren in meinem Beruf tätig und ich muss zugeben, dass ich mich sehr darauf freute, den Kerl fertig zu machen.

"Glauben Sie an Vergebung, Herr Concolino?" fragte sie mich.

"Ja, natürlich," entgegnete ich. "Ich glaube an Karma und, dass wenn wir versuchen, das Richtige zu tun, uns auch Gutes widerfahren wird. Meine Klienten, die nicht vergeben wollten, schadeten sich damit am Ende nur selbst."

Diese Worte hatte ich schon so oft gesagt, dass sie wie von allein aus meinem Mund kamen. Und dennoch - wenn irgendjemand Rachegefühle haben dürfte, dann Barbara.

"Ich glaube auch an Vergebung," sagte sie leise. "Ich glaube, wenn ich an dem Zorn gegen meinen Mann festhalte, verschlimmert es den Konflikt und am Ende leiden nur meine Kinder."

Sie lächelte ängstlich: "Das Problem ist, Kinder sind sehr intelligent. Sie spüren es, wenn du ihrem Vater nicht hundertprozentig vergeben hast...wenn du nur die Wörter sagst. Also habe ich mich von meiner Wut komplett gelöst. Und jetzt kommen sie ins Spiel."

Ich lehnte mich nach vorne. "Ich will keine hässliche Scheidung. Ich will nicht, dass ihm all die Schuld gegeben wird. Was mir am wichtigsten ist, ist dass ich ihm wirklich verzeihe und dass Sie und ich uns auch so verhalten." Sie pausierte und blickte mir tief in die Augen: "Und ich will, dass sie mir versprechen, mich stets daran zu erinnern."

Ich muss zugeben, dass dieser Wunsch meinen Prinzipien als Anwalt widersprach. "Ich werde mein Bestes geben", sagte ich.

Es war nicht einfach. Barbaras Mann zeigte keine guten Willen. Immer wieder versäumte er es, Unterhalt zu zahlen. Es gab Zeiten, da hätte Barbara ihn deswegen hinter Gittern bringen können - das würde sie aber nie tun.

Nach einer erneuten Gerichtsverhandlung fing sie mich im Korridor ab und lachte: "Sie haben ihr Versprechen gehalten. Ich muss zugeben, dass ich sie manchmal dafür verflucht habe, dass sie mich an meinen Wunsch erinnert haben. Ich frage mich manchmal, ob es das alles wert war. Aber danke."

Ich wusste, was sie meinte. In meinen Augen zeigte ihr Ex-Mann nicht das Mindeste an Respekt. Trotzdem blieb sie stets höflich. Barbara lernte danach die Liebe ihres Lebens kennen. Sie heiratete erneut. Auch nachdem die Scheidung abgewickelt war, freute ich mich immer über Weihnachtskarten und zu hören, wie es der Familie geht.

Eines Tages bekam ich einen Anruf: "Bob, ich bin es, Barbara. Ich muss kurz vorbei kommen und Ihnen etwas zeigen."

Die Frau, die mein Büro betrat, hatte so viel mehr Selbstbewusstsein als noch vor zehn Jahren. Ihr dramatisches Schicksal konnte ihr nichts anhaben.

Als ich sie begrüßte, zeigte sie mir ein Foto ihres Sohnes. Er trug eine Football-Uniform und sein Vater stand steif und distanziert neben ihm. Der Junge blickte stolz zu Barbara, die dicht neben ihm stand, mit einem sanften Lächeln im Gesicht. Ich wusste von ihren Weihnachtskarten, dass ihr Sohn seinen Abschluss an einer sehr guten Highschool machte.

"Das war, nachdem er den entscheidenden Punkt für sein Team geholt hatte", sagte sie lächelnd. "Habe ich erwähnt, dass sie nach diesem Spiel auf dem ersten Platz lagen?"

"Ich glaube, ich habe davon gehört", sagte ich. "Lesen Sie die Zeilen auf der Rückseite", sagte sie. Ich drehte das Foto um und las, was ihr Sohn darauf geschrieben hatte:

Mama,

ich will dich wissen lassen, dass ich die beste Mutter habe, die sich ein Kind wünschen kann. Ich weiß es, weil Papa so hart daran gearbeitet hat, unser Leben zur Hölle zu machen. Immer, wenn er wieder nicht für unsere Schule bezahlte, hast du mehr gearbeitet, um sicherzugehen, dass es uns an nichts fehlt. Ich denke, das Beste was du je getan hast, war nichts zu tun. Du hast niemals schlecht über Papa gesprochen. Du hast mir nie gesagt, dass er jetzt "neue" Kinder finanziell unterstützen müsste - das ha er aber.

Von Herzen danke ich dir dafür, dass du uns nicht in einem Haus großgezogen hast, in dem der andere Elternteil der Böse ist. So wie bei meinen Freunden, die auch geschiedene Eltern haben. Papa ist und war ein Idiot, das weiß ich. Nicht deinetwegen, sondern weil er das so will. Ich liebe euch beide (du würdest wahrscheinlich immer noch mit mir schimpfen, wenn ich sagen würde, dass ich Papa nicht liebe), aber ich liebe und respektiere dich mehr als irgendjemanden auf diesem Planeten.

In Liebe,

John

Barbara sah mich an und in diesem Moment wussten wir beide, dass sich alles gelohnt hatte."

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