POLITIK
22/11/2015 08:21 CET | Aktualisiert 22/11/2015 08:38 CET

Warum Tierschützer Kremlchef Putin feiern

dpa
Wladimir im Jahr 2008 inspiziert einen Tiger, den er kurz zuvor mit einem Betäubungsgewehr getroffen hatte. Foto: Getty.

Es war eine beeindruckende Geschichte, von der russische Medien 2008 berichteten. Russlands Präsident Wladimir Putin näherte sich mit Wildhütern einer Falle, in der ein Sibirischer Tiger gefangen war. Doch dann - von einem Moment auf den anderen - gelang es dem Tier auszubüchsen.

Der verängstigte Tiger rannte direkt auf ein in der Nähe stehendes Kamerateam zu. Reaktionsschnell, so berichtet der russische Sender "Rossija", habe Putin mit einem Betäubungsgewehr den Tiger ins Visier genommen und getroffen.

Der Ex-KGB-Spion, der sich gerne als starker Mann inszeniert, half anschließend publikumswirksam, einen Sender am Hals des Tieres zu befestigen. So wollten die Wildschützer, denen sich Putin öffentlichkeitswirksam anschloss, zum Schutz der bedrohten Spezies beitragen.

Gut möglich, wie westliche Medien damals berichteten, dass die Aktion inszeniert war. Doch klar ist seither: Putin hat ein Herz für Tiger. Und das hat er gerade wieder gezeigt: Vor wenigen Tagen hat Moskau ein knapp 1,2 Millionen Hektar umfassendes Gebiet, in dem viele der letzten sibirische Tiger leben, offiziell zum Nationalpark erklärt. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

„Meilenstein im Tierschutz“

Die Fläche wäre damit immerhin ein Drittel so groß wie Deutschland. Umweltschützer jubeln. Die Tierschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) spricht gar von einem „Meilenstein“. Schließlich sei der Nationalpark im Grenzgebiet zu China das „einzige bewaldete Flussbecken der gemäßigten Breiten, das noch nie einem Holzschlag zum Opfer gefallen ist“.

Früher gab es zehntausende sibirische Tiger. Doch bereits in den 1930er Jahr war die Population der auch als Amur-Tiger bekannten Prachttiere auf einige Dutzend zusammen geschrumpft. Schuld war eine intensive Bejagung, massiver Holzeinschlag sowie die Intensivierung der Landwirtschaft. Aktuell leben wieder etwa 500 dieser Raubkatzen in freier Wildbahn. Von den Plänen dürften auch die vom Aussterben bedrohten Amur-Leoparden profitieren.

Wie die SZ berichtet, habe auch eine Klimainitiative des Bundesumweltschutzministeriums geholfen, die Russen von dem Tierschutzprojekt zu überzeugen. Der Kreml war für eine Stellungnahme der Huffington Post nicht zu erreichen.

Lecke Ölleitungen

In der Vergangenheit fiel Russland nicht unbedingt durch eine besonders umweltfreundliche Politik auf. So sollen viele der Rohstoff-Förderbetriebe marode sein, aus lecken Leitungen soll immer wieder Öl auslaufen. Auch bei der Klimaschutzpolitik gehörte der Kreml in den vergangenen Jahren oft eher zum Lager der Bremser.

Anders beim Schutz von Wildtieren. So hat Putin dem Propagandasender "Russia Today" zufolge bereits 2013 einen extra Fonds zur Tigerrettung aufgelegt.

Ob das auch nur geschehen ist, um im Ausland Eindruck zu schinden?

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