POLITIK
22/11/2015 23:22 CET | Aktualisiert 23/11/2015 07:45 CET

Jagd auf den Salah A. - ist er auf dem Weg nach Deutschland?

In der Nacht kommt die enttäuschende Nachricht. Trotz eines großangelegten Polizeieinsatzes in Brüssel wurde der gesuchte Paris-Attentäter Salah A. nicht festgenommen - er ist nach wie vor auf der Flucht. Die Jagd geht weiter.

Es sollte ein massiver Schlag gegen den Terror werden - doch das Ergebnis ist eher enttäuschend. 19 Durchsuchungen gab es in mehreren Gemeinden der Hauptstadtregion Brüssel und weitere drei Razzien in der wallonischen Industriestadt Charleroi. Es seien dabei weder Waffen noch Explosivstoffe gefunden worden. Die Polizeiaktion begann am Sonntagabend.

Im Brüsseler Stadtteil Molenbeek kam es zu einem Schusswechsel. Als ein Fahrzeug auf Polizisten zufuhr, schossen Beamte zwei Mal, so der Polizeisprecher Michel Van der Sijpt. Der verletzte Fahrer flüchtete, wurde aber später von der Polizei gestellt. Ob dieser Vorfall mit den Anti-Terrorermittlungen zu tun habe, sei noch offen.

salah a terror

Salah A. soll an den Anschlägen in Paris beteiligt gewesen sein

Salah A. ist zurzeit der meistgesuchte Mann Europas. Er soll die Attentäter, in einem Auto zum Tatort gebracht haben. Es gibt auch den Verdacht, dass er direkt an den Anschlägen beteiligt gewesen war und auf Mensche geschossen hat. Nach den Attentaten rief er seine Freunde Hamza Attou und Mohammed Amri an, und bat sie, ihn wegen einer Autopanne abzuholen. Die drei fuhren dann nach Belgien. Während der Fahrt von Paris nach Brüssel wurde das Trio drei Mal von der Polizei kontrolliert - doch durfte jedes Mal weiterfahren.

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht näher zu den Festgenommenen. Auch Fragen von Medienvertretern wurden mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht beantwortet. Ein Untersuchungsrichter soll am Montag im Laufe des Tages entscheiden, ob Festgenommene möglicherweise in Haft bleiben.

Wo ist Abdeslam S.? Nach einem Bericht der Zeitung "La Libre Belgique" entdeckten Sicherheitskräfte einen Verdächtigen in der Region der ostbelgischen Stadt Lüttich. Es könnte sich um Salah Abdeslam gehandelt haben, berichtete das Blatt auf seiner Internetseite.

Die Zeitung meldet Erschreckendes. Als Spezialkräfte der Polizei anrückten, flüchtete der Mann in einem BMW. Möglicherweise sei er auf die E40 gefahren - in Richtung Deutschland. Ob es sich bei dem Verdächtigen tatsächlich um Abdeslam S. handelt, sei jedoch unsicher. Die Staatsanwaltschaft berichtete bei ihrer kurzen Darstellung nicht von einem Einsatz in Lüttich. Auch auf deutscher Seite gab es keine Berichte über einen Polizeieinsatz im Grenzgebiet um Aachen.

Auch nach der spektakulären Polizeiaktion bleibt Brüssel in Alarmbereitschaft. Das Krisenzentrum bestätigte in der Nacht, es gelte weiter die höchste Terrorwarnstufe für die belgische Hauptstadt. Zum Beginn der Arbeitswoche wird deshalb die Metro nicht fahren; Schulen und Universitäten bleiben geschlossen, teilte Belgiens Premier Charles Michel bereits vor der Polizeiaktion mit.

Stufe 4 bedeutet eine "ernste und unmittelbare" Bedrohung. Michel sagte: "Wir fürchten einen ähnlichen Anschlag wie in Paris." Mögliche Ziele solcher Attacken könnten belebte Orte wie Einkaufszentren, Einkaufsstraßen oder der öffentliche Nahverkehr sein.

Seit Samstagmorgen gilt die höchste Terrorwarnstufe für Brüssel. Im Rest Belgiens gilt weiter die Stufe 3. Auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt werden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, doch der Flugverkehr soll wie üblich laufen.

Die Sicherheitsmaßnahmen sind laut belgischen Medien beispiellos. In den Straßen patrouillieren Soldaten. In der Hauptstadtregion leben mehr als eine Million Menschen. Brüssel ist Sitz der Einrichtungen der Europäischen Union und der Nato. Die Treffen der EU-Finanzminister und der EU-Bildungsminister werden am Montag wie geplant stattfinden. Auch die EU-Kommission will normal arbeiten.

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