POLITIK
22/11/2015 21:43 CET | Aktualisiert 21/05/2016 14:31 CEST

"Günther Jauch": "IS-Krieg kann so lange dauern wie der RAF-Terror"

Stefan Aust bei "Günther Jauch"
ARD Mediathek
Stefan Aust bei "Günther Jauch"

In allen Talkshows nach den Anschlägen von Paris gab es nur ein Thema: Terror. Nicht nur Frankreich und Belgien sind im Ausnahmezustand – auch Deutschland ist in erhöhter Alarmbereitschaft: Das Fußball-Länderspiel in Hannover wurde abgesagt, täglich gibt es Polizeieinsätze aufgrund von Terrorwarnungen. "Terrorziel Deutschland - wie groß ist die Gefahr?" lautete der Titel der gestrigen "Günther Jauch"-Sendung.

Das waren die wichtigsten Zitate der Gäste.

Publizist Jürgen Todenhöfer: "Ein Bodenkrieg gegen den Westen ist der Traum des IS"

Der Publizist wiederholte seine lange bekannte Ansicht, dass der Westen selbst am Aufstieg des IS schuld sei - der Krieg der USA im Irak habe zum Erstarken der Terrormiliz geführt. Seine Reise ins IS-Gebiet im Sommer 2014 fasste er mit den Worten "Mit denen kann man nicht sprechen" zusammen. Er riet dem Westen davon ab, nur auf eine militärische Lösung zu setzen - denn die sei genau das, was die Terrormiliz anstrebe. "Der Traum des IS ist es, gegen die USA am Boden zu kämpfen."

Stattdessen stellte er einen Drei-Punkt-Plan auf, mit dem man die Miliz besiegen könne. Erstens ein Stopp der Waffenlieferungen an den IS aus Staaten wie Saudi-Arabien, zweitens müsse die Grenze zwischen der Türkei und dem IS-Gebiet geschlossen werden und drittens müsse der Westen die unterdrückten sunnitischen Stämme stärken, damit diese nicht mehr mit dem IS zusammenarbeiten. Dann wäre die Terrormiliz "erledigt".

WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich: "Nicht Flüchtlinge und Terror vermanschen"

Der Fernseh-Journalistin, die einige Jahre aus Paris berichtet hatte, ist der Ansicht, wir müssten uns mit der neuen Gefahr arrangieren. Wir müssten lernen, mit der Gefahr umzugehen, so wie es die Menschen in Madrid oder London bereits getan hätten. Sie wies darauf hin, wie gefährlich ein falscher Gebrauch der Sprache sein könne. Wort wie "Endkampf" oder "Krieg" hielt sie für unangemessen. An die Adresse von Aust sagte sie, man solle "nicht alles vermanschen" - gemeint war die Flüchtlingssituation und der Terror.

"Welt"-Herausgeber Stefan Aust: "IS-Krieg kann so lange dauern wie der RAF-Terror"

Die Aufforderung von Mikich ignorierte der "Welt"-Herausgeber gleich. Er brach das politische Tabu, die Flüchtlingsfrage mit der Terror-Situation zu vermengen, plädierte für scharfe Grenzkontrollen und schlug Alarm wegen angeblicher Destabilisierung.

Aust, der als einer der deutschen Experten zum RAF-Terror gilt, warnte, dass uns der IS-Terrorismus noch lange begleiten könne. "Die RAF hat es 28 Jahre gegeben, diesen Krieg kann es vielleicht noch länger geben", sagte er. Bei jeder Terror-Bewegung gebe es ein Umfeld aus Sympathisanten, dass sie mit Unterkunft, Pässen oder Geld versorge. So sei die RAF auch erst besiegt worden, als sich diese Unterstützer von ihr abwandten. "Bei der RAF war es erst zu Ende, als dieses Umfeld ausgetrocknet war."

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann: "CDU und CSU schauen jetzt nach vorne"

Der CSU-Politiker schien die ganze Zeit beschäftigt, nichts zu sagen, was die Spaltung zwischen CSU und CDU vertiefen könnte. Jauch versuchte, ihn dazu zu provozieren, Stellung zur Demütigung der Kanzlerin durch CSU-Chef Horst Seehofer auf dem Parteitag in München zu beziehen. Doch es gelang Herrmann immer wieder, seinen Fragen auszuweichen.

"Wir schauen jetzt nach vorn", antwortete auf die Frage, wie die Zusammenarbeit zwischen CDU und CSU jetzt weiter gehen solle. Dabei vergaß aber nicht zu erwähnen, dass die Kanzlerin zuerst das Flüchtlingsproblem zu lösen habe.

+++ Wir halten euch in unserem NEWS-BLOG über alle aktuellen Entwicklungen zum Terror in Europa auf dem Laufenden +++

Nach Anschlägen: Aktion in Frankreich: Muslim fordert Pariser Passanten auf, ihn zu umarmen

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