POLITIK
20/11/2015 16:51 CET | Aktualisiert 14/11/2016 15:48 CET

Das sind die dunklen Geheimnisse der Pariser Terrorbraut

Hasna Aït Boulahcen.
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Hasna Aït Boulahcen.

Sie soll eine schöne Frau gewesen sein. Eine „sehr schöne Frau“, wie eine frühere Nachbarn über Hasna Aït Boulahcen sagt. Noch bis vor einigen Jahren sei sie gerne feiern gewesen und habe viel Alkohol getrunken. Menschen, die Boulahcen kannten, sagen französischen Reportern, sei eine „extrovertierte“ Frau gewesen. Ein bisschen „verplant“ habe die junge Frau gewirkt.

Es sind viele Details, die französische Reporter in diesen Tagen über Boulahcen zu Tage bringen. Schließlich sei die 26-Jährige die erste Frau, die sich für die Terrororganisation IS in die Luft sprengte. Sie soll sich mit einer von Islamisten gebastelten Bombe getötet haben, so die Sicherheitsbehörden zunächst. Mutmaßlich habe sie auch eine möglichst große Zahl von Terroristen töten wollen.

Am Freitagabend teilten die Ermittler dann mit, Boulahcen habe wohl doch nicht selbst den Sprengstoffgürtel gezündet, durch den sie starb. Die Polizei glaubt nun, dass jemand anderes bei der Erstürmung der Wohnung der Verdächtigen durch die Polizei die Bombe gezündet hatte.

Doch die Frage bleibt. Warum wird eine junge Frau zur Islamistin und mutmaßlich sogar zur Terroristin?

Sie radikalisierte sich wohl im vergangenen Jahr

Boulahcen habe sich mit dem Islam nie befasst, sagt ihre Mutter. Doch klar ist: Es gab Anzeichen, dass die Cousine des Drahtziehers der Paris-Attentate Abdelhamid Abaaoud sich irgendwann radikalisierte – vermutlich, war es irgendwann im vergangenen Jahr, berichten Zeitungen

Einwohner von Creutzwald, einem Ort nahe der deutschen Grenze, wo Boulahcen 1989 zur Welt gekommen ist, sagten der Regionalzeitung "Le Républicain Lorrain", sie hätten sie zuletzt vor etwa fünf Jahren gesehen. Sie erinnern sich an eine „extrovertierte Frau“.

"Wir haben sie Cowboy-Frau genannt"

Damals soll sie noch häufig ausgegangen sein. "Wir haben sie die Cowboy-Frau genannt, weil sie immer einen großen Hut trug", erinnert sich ein anderer. Irgendwann war ihr das Kopftuch lieber.

Die belgische Zeitung "DH" hat ihr inzwischen gelöschtes Facebook-Profil ausgewertet. Demnach veröffentlichte sie in dem sozialen Netzwerk Lobeshymnen auf Hayat Boumedienne, der Lebensgefährtin der Anfang 2015 in einem jüdischen Geschäft in Frankreich vier Menschen umbrachte, bevor er selbst erschossen wurde.

Boumedienne soll ihrem Freund bei der Vorbereitung des Anschlags geholfen haben, nach ihr wird per Haftbefehl gesucht.

“Ich werde bald nach Syrien gehen, so Gott will“

Wie Boulahcen zur Terroristin wurde, ist nicht bekannt. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, sie sei dem französischem Staatsschutz bekannt gewesen, mehrmals habe sie dem französischen Staat im Internet gedroht und ihren Willen kundgetan, in den Dschihad zu ziehen. „“Ich werde bald nach Syrien gehen, so Gott will“, soll sie auf Facebook geschrieben haben.

Sie wurde offenbar abgehört, womöglich kamen die Ermittler über sie auf die Spur der Wohnung Abaaouds. Ihr junges Leben endete am Mittwoch dieser Woche. Das gab die Polizei am Freitag offiziell bekannt gab.

Update, Samstag, 21.11.2015: In einer früheren Version des Artikels hatte es geheißen, Hasna Ait Boulahcen habe sich durch Zündung einer Sprengstoffweste in die Luft gesprengt. Davon gehen die Ermittler nun offenbar nicht mehr aus, wie französische Sicherheitbsbehörden am späten Freitagabend mitteilten.

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