LIFESTYLE
20/11/2015 12:34 CET

Labello & Co.: So gefährlich sind Lippenpflegestifte wirklich

NDR
Im Test: Labello, Carmex und Labello

Heute schon eine Lippenpflege benutzt? Besonders im Winter findet er sich in vielen Handtaschen und kommt täglich zum Einsatz. Viele Frauen benutzen ihn aus Gewohnheit. Neue Erkenntnisse werfen Fragen zu den gesundheitlichen Bedenken dieser Produkte auf.

Längst denken wir bei Mineralöl nicht mehr nur an den Treibstoff für unser Auto. Es ist bekannt, dass die kritischen Stoffe Bestandteil von vielen Gesichtscremes, Bodylotions und Körperölen sind. Sie wirken feuchtigkeitsspendend und sorgen dafür, dass trockene Lippen wieder zart-weich werden. Bereits vor Monaten warnte die Stiftung Warentest vor Mineralöl in Kosmetik. Nach einem neuen NDR-Bericht birgt der Einsatz in Beautyprodukten noch weitaus schlimmere Risiken.

Krebserregend und erbgutverändernd

Im Praxistest hat das NDR drei verschiedene Markenprodukte untersuchen lassen, darunter ein Produkt des Marktführers Labello. Alle getesteten Produkte enthielten aromatische (MOAH) und gesättigte (MOSH) Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl. MOAH stehen in Verdacht krebserregend und erbgutverändernd zu sein. MOSH können sich in Organen ablagern. Beide Inhaltsstoffe wurden in Drogerie- und sogar Apothekenprodukten gefunden.

Die Ergebnisse der Labor-Untersuchungen:

lippenpflege

In allen drei Testprodukten wurden die bedenklichen Inhaltsstoffe gefunden. Carmex Lippenpflege enthält 31,7 Prozent MOSH, Blistex 30 Prozent und Labello 15,8 Prozent.

Wie schädlich ist Lippenpflege wirklich?

Über die Haut aufgenommen gelten die Stoffe als relativ unbedenklich. Doch Lippenpflege wird meist über den Tag verteilt mehrfach direkt auf die Lippen aufgetragen, abgeleckt und sogar geschluckt. Die gesamten Inhaltsstoffe der Produkte werden aufgenommen, schädliche Stoffe gelangen über den Mund direkt in den Körper. Im Durchschnitt sind das mehr als vier Lippenstifte pro Jahr. Gesicherte Erkenntnisse über die Langzeitfolgen regelmäßiger Nutzung gibt es nicht.

Die Hersteller halten sich an die gesetzlichen Vorgaben für Kosmetika. Der führende Mineralölexperte Dr. Konrad Grob führt jedoch an, dass Lippenpflege letztlich "gegessen wird". Deshalb müssten Lippenpflegestifte nach den selben Kriterien wie Lebensmittel behandelt werden. Nach der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sollten MOAH in Lebensmitteln überhaupt nicht vorhanden sein. Der Experte hält das Ergebnis für nicht tolerabel und warnt schon vor geringsten Mengen krebserregender Substanzen. Bei vielen Menschen wurden mehr als 5 Gramm MOSH im Körper festgestellt. Da die Stoffe schlecht löslich sind, bleiben sie dort auch. Es kommt vor allem in Leber, Milz und Lymphknoten zu Anlagerungen. Grob vermutet, dass die Substanzen die Funktion der Organe nachhaltig stören könnten.

Wer ganz sicher gehen will, sollte laut Experten Lippenpflege mit Mineralöl vermeiden. Eine gute Alternative sind Produkte mit pflanzlichen Inhaltsstoffen.

Was sagen die Hersteller zu den Vorwürfen?

Die Huffington Post hat bei Carmex, Blistex und Labello nachgefragt.

Eine Sprecherin von Carmex teilt mit: "Wir bedauern sehr, dass der Beitrag der Sendung „Markt“ im NDR zu Verunsicherungen geführt hat. Dennoch können wir die Darstellung des Sachverhaltes in "Markt" und der damit verbundenen Interpretation einer potenziellen Gesundheitsgefährdung nicht nachvollziehen. Bei der Formulierung der Carmex Produkte hält sich der Hersteller streng an die Vorgaben der aktuellen EU-Kosmetikverordnung."

Labello erklärt:Die Sicherheit der Verbraucher steht bei LABELLO an erster Stelle. Alle in kosmetischen Produkten verwendeten Rohstoffe müssen umfangreich geprüft werden und höchste Standards in Bezug auf Reinheit, Qualität und Sicherheit erfüllen. Diese Anforderungen gelten selbstverständlich auch für Kosmetikrohstoffe auf Basis von Mineralöl. Daher können wir versichern: Mineralölhaltige Produkte erfüllen die hohen gesetzlichen Sicherheitsanforderungen. Die Qualitätsvorgaben orientieren sich dabei an Vorgaben aus dem EU-Arzneibuch. Damit haben die von uns verwendeten Mineralöle Pharmaqualität. Das gilt insbesondere für Lippenpflegeprodukte, die nur ausgewählte Mineralöle enthalten, für die von der europäischen Nahrungsmittelsicherheitsbehörde (EFSA) Höchstmengen für die unbedenkliche Aufnahme festgelegt wurden. Zahlreiche Studien bestätigen, dass von Mineralölen in den in Kosmetika verwendeten Qualitäten keine krebserregende Wirkung ausgeht."

Blistex hat bis zur Fertigstellung dieses Beitrags nicht auf unsere Anfrage reagiert.