POLITIK
20/11/2015 17:20 CET | Aktualisiert 18/01/2016 09:10 CET

US-Geheimdienstler: Der IS will vermehrt chemische Waffen entwickeln

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Es sind alarmierende Aussagen: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist nach Angaben von irakischen und amerikanischen Geheimdienstlern zur Entwicklung chemischer Waffen entschlossen.

Demnach baut der IS derzeit sogar eine eigene Untergruppierung auf - die sich mit Hilfe irakischer, syrischer und anderer Wissenschaftler aus der Region auf Forschung und Experimente konzentrieren soll. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Damit könnte der Terror der Extremisten eine neue Dimension erreichen - nicht nur im Nahen Osten. Schließlich haben die Extremisten mit ihren jüngsten Anschlägen in Paris unterstrichen, dass sie auch größere westliche Städte im Fadenkreuz haben.

Wie akut ist die Bedrohung wirklich?

Bisher gibt es nur Hinweise darauf, dass der IS Senfgas gegen irakische kurdische Kämpfer und in Syrien eingesetzt hat. Aber Offizielle in Bagdad haben die Sorge geäußert, dass angesichts der rapiden Ausweitung der vom IS kontrollierten Gebiete im vergangenen Jahr kein Außenstehender genau weiß, wie weit die Programme der Extremisten gediehen sind.

"Sie haben jetzt völlige Freiheit, Orte für ihre Labors und Produktionsstätten auszusuchen, und sie verfügen über eine Vielfalt von militärischen und zivilen Experten, die ihnen helfen können", sagte einer hochrangiger irakischer Geheimdienstbeamter, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AP.

Welche Konsequenzen könnte das haben?

Irakische Stellen haben ganz klar die Befürchtung, dass der IS den Einsatz von Chemiewaffen über Senfgas hinaus ausweiten könnte. So gab das Militär im Sommer Gasmasken an westlich und nördlich von Bagdad stationierte Truppen aus, wie ein General der AP schilderte. Und nach Angaben von Hakim al-Samili, der den Verteidigungsausschuss des Parlaments in Bagdad leitet, erhielten die irakischen Streitkräfte von Russland unlängst 1000 Schutzanzüge.

Wie schafft es der IS überhaupt, so professionell zu operieren?

Al-Samili zufolge ist es dem IS gelungen, eine Reihe von einheimischen und ausländischen Chemie-Experten für sich zu gewinnen, darunter Wissenschaftler, die einst im Dienst des irakischen Diktators Saddam Hussein standen. Zu den ausländischen Helfern zählten Experten aus Tschetschenien und Südostasien, sagen irakische Geheimdienstbeamte.

Nach Angaben von Al-Samili hat der IS kürzlich Forschungslabors, Wissenschaftler und Material aus dem Irak an "gesicherte Orte" in Syrien verlegt - anscheinend aus Sorge, dass es früher oder später einen Befreiungsangriff auf die 2014 von der Terrormiliz eroberte nordirakische Stadt Mossul geben könnnte.

Der IS arbeite "sehr ernsthaft" auf die Produktion von chemischen Waffen, insbesondere Nervengas, hin, sagt Al-Samili. "Das würde nicht nur den Irak bedrohen, sondern die ganze Welt."

Wie schätzt der Westen die Lage ein? Ist die Lage ernst?

US-Geheimdienstbeamte bezweifeln, dass die Extremisten technisch in der Lage sind, Nervengas oder biologische Kampfstoffe herzustellen. Ein europäischer Offizieller mit Zugang zu geheimdienstlichen Erkenntnissen über die IS-Programme sieht das ähnlich. Bisher, so sagt er, habe der IS bisher auch nur Senfgas in kleinen Mengen produziert - und die Qualität sei schlecht gewesen.

Der pensionierte General Richard Zahner, von 2005 bis 2006 amerikanischer Top-Geheimdienstoffizier im Irak, weist darauf hin, dass auch die Terrororganisation Al-Kaida zwei Jahrzehnte lang an der Entwicklung von Chemiewaffen gearbeitet habe - aber vergeblich.

Allerdings, so Zahner, hätten die US-Geheimdienstbehörden den Islamischen Staat ständig unterschätzt. Nicht nur habe sich die Gruppe als fähiger und innovativer erwiesen als Al-Kaida. Sie sei auch reicher. Angesichts dessen und der Unterstützung durch Experten aus der Saddam-Ära sei es eine realistische Möglichkeit, dass der IS ein "begrenztes" Programm für den Einsatz in Kampfgebieten auf die Beine stellen könnte.

Mit Material von AP

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