POLITIK
19/11/2015 17:25 CET | Aktualisiert 22/11/2015 12:35 CET

Selfies des Grauens: Was Reporter auf dem Handy des Paris-Drahtziehers fanden

RTBF
Das Smartphone des Abdelhamid Abaaoud zeigt seinen irren Weg hin zum Terror

Nach den schrecklichen Terrorattacken in Paris fragen sich viele Menschen: Wie kann es sein, dass ein junger Mann so scheinbar urplötzlich solche Taten begeht? Eine Frage, die auch insbesondere die Geheimdienste umtreibt. Besonders unheimliches Beispiel: Abdelhamid Abaaoud, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge.

Im März des vergangenen Jahres machten die beiden Reporter Stephen Huver und Guillaume Letellier eine besondere Entdeckung: Das Handy des Terroristen. Sie fanden es, als sie im Grenzraum zwischen der Türkei und Syrien recherchierten. Es enthielt Selfies, Fotos und Videos. Eine Dokumentation seines Alltagslebens.

Doch zu dem Zeitpunkt war Abaaoud noch völlig unbekannt. Er ist nur ein Dschihadist von vielen. Erst im Januar diesen Jahres wurde er Sicherheitskreisen bekannt, als er ein Attentat in Belgien plante.

Die Dateien zeigen, wie schnell ein junger Mann von 28 Jahren mit einem ganz alltäglichen Leben, fast über Nacht zu einem Terroristen wird. Sie zeigen, wie aus einem unscheinbaren Mann einer der Hauptdrahtzieher eines großen Terroranschlags wird.

Die ersten Fotos, die auf seinem Handy gespeichert sind, zeigen keinen fanatischen Dschihadisten. Sie zeigen einfach das, was viele Männer seines Alters auf ihren Handy haben: Ein hübsches unbekleidetes Mädchen, protzige Autos, ein Cartoon aus dem Internet.

abaaoud

Doch es tauchen auch Bilder von Autovermietungen auf. Abaaoud suchte nach besonders großen, geländegängigen Fahrzeugen. Möglicherweise um damit nach Syrien zu fahren.

Als er dann in Syrien ist, nimmt er jeden Moment im Leben des Terror-Camps mit seiner Kamera auf. Er macht Selfies mit Waffen, veröffentlicht sie bei Facebook und Twitter. Dadurch wird er schnell zum kleinen Star in Dschihadi-Kreisen, wie David Johnson, ein Experte auf dem Gebiet es beschreibt.

abaaoud

In einem Video, welches wohl das erschreckendste der ganzen Dokumente ist, sieht man wie Abaaoud seine Kameraden befehligt. Sie sollen ein Dutzend Leichen auf einen Anhänger verladen um sie zu einem Massengrab zu bringen.

Abaaoud filmt die ganze Zeit, bis er die Kamera schließlich an einen Kameraden übergibt. Er setzt sich hinter das Steuer, grinst in die Kamera. Er ist offensichtlich glücklich nun ein paar "Abtrünnige", die es wagten für "Säkularismus und Demokratie" zu kämpfen, in einem Massengrab zu verscharren.

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