LIFE
18/11/2015 13:32 CET | Aktualisiert 19/11/2015 05:18 CET

"Lieben lassen": Ariane Sommer und Roman Libbertz über die größten Herausforderungen der Liebe

Ariane Sommer und Roman Libbertz im Interview
Manfred Baumann Sarah Rebellato
Ariane Sommer und Roman Libbertz im Interview

In einer Zeit, in der Scheidungsraten in die Höhe schießen und Online-Singlebörsen boomen, hat sich Liebe enorm verändert und steht vor bisher nicht gekannten Herausforderungen.

Gibt es noch Beziehungen, die ein Leben lang halten? Gibt es überhaupt noch so etwas wie die wahre Liebe?

Mit diesen Fragen haben sich die Autoren Ariane Sommer und Roman Libbertz in ihrem neuen Roman "Lieben Lassen" auseinandergesetzt. Im Gespräch mit der Huffington Post erklären sie, vor welchen Schwierigkeiten Beziehungen heute stehen.

Ein Interview über die Liebe.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Huffington Post: Was seht ihr als die größten Herausforderungen, die heutzutage an die Liebe gestellt werden?

Ariane: Wir verwechseln meiner Meinung nach die Idee der wahren Liebe mit der “Ware Liebe”, die zum Konsumprodukt geworden ist. Durch unsere Wegwerfgesellschaft geben wir der Liebe deswegen keine echte Chance, zu wachsen.

Roman: Durch die Werbung und verstärkt durch das Internet wird uns gesagt, dass wir keine Kompromisse mehr eingehen sollen, müssen und vielleicht auch dürfen. Die Liebe ist ein ganz großer Kompromiss, nichts anderes. Sonst kann sie nicht überdauern.

HuffPost: Liegt das daran dass man mehr vergleichen kann und deswegen mit dem Anderen nicht mehr zufrieden ist?

Ariane: Ich denke, es ist vor allem der Vergleich mit falschen Idealen. In den Medien wird ja alles bis zum Gehtnichtmehr gephotoshopped. Dabei haben wir komplett vergessen, dass Imperfektion die wahre Perfektion ist. Und selbst ein Topmodel wie Adriana Lima sieht im echten Leben zwar bezaubernd aus, aber nicht wie die Adriana Lima, die man als “Idealtyp” kennt.

HuffPost: Ist wahre Liebe in der heutigen Welt überhaupt noch möglich?

Ariane: Ja. Das weiß ich, weil ich sie gerade lebe. Und ich glaube, das geht dir ähnlich oder? (schaut zu Roman)

Roman: Klar. Ich habe überhaupt nichts mit der Kirche oder anderen Religionen am Hut, aber ich glaube an das “In Guten wie in schlechten Zeiten”. Wenn man das gefunden hat und weiß, wir bleiben zusammen, egal was passiert, dann hat man die wahre Liebe.

HuffPost: Warum fällt es vielen Leuten so schwer, sich auf die Liebe wirklich einzulassen?

Ariane: Ich denke, für viele ist das heute schwierig, weil das Gefühl besonders stark ist, dass man alle anderen Lebensmöglichkeiten vergibt, wenn man sich für einen Menschen entscheidet. Dadurch nehmen wir uns selbst die Chance, uns weiterzuentwickeln.

HuffPost: Denkt ihr, dass Liebe auch Arbeit ist? In Hollywoodfilmen wird ja meistens leider nur das Happy End gezeigt und nicht, was danach kommt.

Ariane: Ich glaube, dass Liebe eher eine Entwicklung ist. Und zwar eine Weiterentwicklung der beiden Partner und der Liebe selbst. Wenn man versucht, die Liebe immer an einem Punkt zu halten, kann sie nur sterben.

Roman: Ich würde nicht sagen, dass Liebe Arbeit ist, sondern Disziplin. Und die größte Disziplin ist, jeden Mensch jeden Tag neu kennenzulernen. Nur so kann man verhindern, dass sich diese Irritationen aufbauen, wenn der eine zum Beispiel seine Socken immer liegenlässt und du durchdrehst. (beide lachen) Das wäre das Ideal, aber das schafft leider niemand komplett.

HuffPost: Wie wichtig ist Treue als Grundsatz in Beziehungen?

Ariane: Ich persönlich fühle mich nur in einer monogamen Beziehung wohl, aber kenne einige Leute, die das viel freier gestalten. Bei den meisten klappt es nicht, aber bei einigen geht es seit Jahrzehnten extrem gut. Auch bei ihnen funktioniert das allerdings nur, weil die Beziehung auf Aufrichtigkeit und Respekt basiert. Treue hört da auf, wo man ein Versprechen bricht, das man gegeben hat, aber diese Versprechen muss jedes Paar selbst definieren.

HuffPost: Besonders in Romanen wird oft dargestellt, dass Frauen Männern hinterherrennen. Woher kommt dieser Gedanke eurer Meinung nach?

Ariane: Ich denke, die Idee, dass Frauen Männern hinterherrennen, hat speziell etwas mit unserem Kulturkreis zu tun. Im Großen und Ganzen waren Väter, besonders hier in Deutschland, lange Zeit emotional eher unerreichbar und unterkühlt. Deswegen suchen Frauen auch nach einem unerreichbaren Mann, der dann eben meist “Badboy” oder schlicht ein “Arschloch” ist, weil sie gelernt haben, dass Liebe nie ganz warm und immer da ist. Das gilt aber natürlich nicht für alle Frauen.

HuffPost: Hätte euer Buch auch mit einem gleichgeschlechtlichen Paar funktioniert, oder sind wir dafür noch nicht bereit?

Ariane: Ich denke, es hätte funktioniert, vermutlich hätte es allerdings eine andere Zielgruppe erreicht. Aber ich hoffe, dass es so ein Buch bald geben wird. Ich würde es gerne lesen.

Roman: Wir sind dafür bereit, aber es wäre ein ganz anderes Buch geworden. Und es wäre natürlich schwieriger gewesen, weil uns das Thema nicht so naheliegt und sofort der Authentizitätsvorwurf entstanden wäre.

HuffPost: Am Ende eures Klappentextes stellt ihr die Frage: “Lieben, sich lieben lassen oder das Lieben lassen?” Was sagt ihr selbst dazu?

Ariane: Lieben und sich Lieben lassen.

Roman: Du wirst nie lieben, ohne dich lieben zu lassen. Aber ohne Liebe verenden wir irgendwann.

"Lieben Lassen" erschien am 24.09.2015 im ars vivendi Verlag.

2015-11-18-1447845535-586215-cover.jpg

Das sollte jeder wissen: Warum Frauen die Männer verlassen, die sie lieben

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite