POLITIK
18/11/2015 09:19 CET | Aktualisiert 18/11/2015 09:35 CET

"Sind alle vom Terror beeinflusst": Warum sich Fußball-Deutschland für immer verändert hat

dpa

Den deutschen Fußball hat die Terror-Angst eingeholt.

Nach der Länderspiel-Absage von Hannover ist eine Debatte entbrannt. Sie geht vordergründig um Sicherheit - doch dahinter steckt viel mehr. Müssen Spieler, Trainer und Zuschauer Angst haben - oder können sie den Fußball weiterhin genießen?

Eines scheint jetzt schon klar: Zwar wird der Spieltag nach jetzigem Stand nicht abgesagt. Aber der Fußball wird sich in den nächsten Monaten verändern und lernen müssen, für längere Zeit mit einer latenten Bedrohung umzugehen. Denn hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben.

Wie reagieren die Verantwortlichen bei Sicherheitsbehörden und Vereinen auf die Situation? Wir haben die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Hannover-96-Präsident Kind: „Wird den Fußball für immer verändern“

Unter dem Eindruck der Terror-Angst fordert Präsident Martin Kind von Hannover 96 ein einheitliches Konzept für alle Bundesliga-Vereine unter Federführung der Deutschen Fußball Liga. „Das wird den Fußball verändern und stellt uns vor eine neue Herausforderung“, sagte Kind der Deutschen Presse-Agentur. Das Vormittagstraining des 96-Teams am Mittwoch wurde nach den Ereignissen vom Vorabend abgesagt, die Einheit am Nachmittag sollte aber stattfinden. Zur möglichen Angst vor Anschlägen im Team wollte sich ein Vereinssprecher auf Anfrage der Huffington Post nicht äußern.

Christian Heidel, Manager 1. FSV Mainz 05: „Ein komisches Gefühl“

Auch in Mainz ist man nach den Anschlägen besorgt. Während einer Pressekonferenz antwortete Vereins-Manager Heidel auf die Frage, ob ihn die Anschläge mit Angst erfüllen würden:

„Insbesondere, weil es so nah ist an den Anschlägen in Paris, kann auch ich mich davon nicht freimachen. Das betrifft die Spieler gleichermaßen wie die Zuschauer. Jeder hat da sicherlich ein komisches Gefühl. Ich gehe aber davon aus, dass das während des Spiels ausgeblendet wird. Allerdings, wenn jetzt irgend ein Böller hochgehen sollte, dann denkt man darüber nach. Ich hoffe, dass Fußball-Fans sich sehr sensibel verhalten werden.“

DFB-Chef Koch: „Es besteht eine Gefährdungslage“

Der DFB hat noch keine konkreten Maßnahmen angekündigt, will aber die Sicherheitsmaßnahmen überprüfen. „Für den Fußball in Deutschland gilt das gleiche wie für alle anderen Großveranstaltungen in Deutschland auch. Wir müssen uns unter diesem Aspekt entsprechend aufstellen, wir müssen uns bewusst sein, dass Gefährdungslagen bestehen“, sagte DFB-Interimschef Rainer Koch nach der Absage des Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande wegen einer Terror-Warnung am Dienstagabend.

Volker Fürderer, Sicherheitsdirektor Schalke 04: „Keinen Anlass, Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen“

In Gelsenkirchen sieht man derzeit keinen Anlass, die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen. Der Huffington Post sagte Volker Fürderer, Sicherheits-Direktor von Schalke 04:

„Wir befinden uns wie vor jedem Heimspiel in enger Abstimmung mit der Polizei Gelsenkirchen.

Die Sicherheitslage erfordert eine aktuelle und für jedes Spiel separate Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen. Erforderlichenfalls werden diese entsprechend erhöht. Bisher gibt es dafür keinen Anlass und es gelten die normalen Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen einer derartigen Großveranstaltung.“

Heribert Bruchhagen, Vorstandschef Eintracht Frankfurt: „Wollen unbedingt spielen“

Die Spiele der Fußball-Bundesliga sollen am Wochenende nach dem Willen von Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen unbedingt stattfinden. Allerdings schränkte er nach der Absage des Länderspiels Deutschland gegen Niederlande aufgrund einer Terrorwarnung auch ein, dass über mögliche weitere Spielabsagen nur die jeweiligen Sicherheitsbehörden entscheiden könnten. „Unser Ziel ist, dass wir am Samstag unbedingt spielen. Aber wir können nicht sagen: Das Spiel findet ohne Wenn und Aber statt. Das steht uns als Verein nicht zu“, sagte Bruchhagen am Mittwoch.

Boris Pistorius, Innenminister Niedersachen: „Keine konkrete Gefährdung“

Trotz der Absage des Länderspiels wegen Terroralarms gibt es nach Ansicht von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius kein generelles Sicherheitsrisiko für Fußballspiele. „Wir können nicht davon ausgehen, dass jeder Bundesligaspieltag konkret gefährdet wäre“, sagte der SPD-Politiker in Hannover. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte. Nach der kurzfristigen Absage des Spiels zwischen Deutschland und den Niederlanden am Dienstagabend sei die Sicherheitslage wieder die gleiche wie vor dem Spiel. In ganz Europa gebe es derzeit eine „allgemeine Gefährdungslage“ durch IS-Terroristen.

Dominik Schmitz, Sprecher FC Augsburg: "Fatales Zeichen, einen Spieltag abzusagen"

In Augsburg hält man nichts davon, Training und Spiel abzusagen. Das wäre eine fatales Zeichen. Der Huffington Post sagte Sprecher Dominik Schmitz:

"In unseren Augen wäre es das falsche Zeichen, jetzt den kompletten Spieltag in Frage zu stellen und abzusagen. Wir werden mit unseren Sicherheitsbeauftragten sowie mit Polizei und Behörden das Gespräch suchen und beraten, ob neben den ohnehin schon hohen Sicherheitsstandards noch weitere Maßnahmen getroffen und umgesetzt werden müssen. Sicherlich werden die Einlasskontrollen entsprechend gründlich und sensibel durchgeführt werden. Trainingseinheiten finden weiterhin statt."

Pal Dardai, Trainer Hertha Berlin "Habe keine Angst"

Ohne besondere Maßnahmen bestreitet Hertha-Trainer Pal Dardai mit seinem Team die Vorbereitung auf das nächste Bundesliga-Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim. "Ich habe keine Angst, das habe ich schon vorher gesagt», erklärte der Chefcoach des Berliner Fußball-Erstligisten am Tag nach der Absage der Länderspiels Deutschland gegen Niederlande. «Würde ich jetzt Angst haben, immer wieder, würde ich nicht mehr zum Fußball gehen."

Peter Görlich, TSG-Hoffenheim Geschäftsführer: "Natürlich sind wir alle vom Terror beeinflusst"

Peter Görlich, Geschäftsführer von TSG Hoffenheim, hat sich klar dagegen ausgesprochen, die Spiele abzusagen. Der Huffington Post sagte er: "Für uns ist es keine Frage, dass die Bundesliga am Wochenende spielt. Wenn man den Spieltag absagen würde, mit welcher Begründung sollte man dann am übernächsten Wochenende spielen oder überhaupt noch ein Event im öffentlichen Raum veranstalten?"

Es gäbe keine Möglichkeit, Terror-Akte vollständig auszuschließen. "Natürlich sind wir alle von der Gewalt und dem Terror beeinflusst. Daher gilt es sich auf die Gefahrenlage einzustellen und mit ihr zu leben.“ Und weiter: "Gerade Großveranstaltungen unterliegen nicht erst seit den Attentaten von Paris einem Sicherheitsrisiko. Das kann mit den entsprechenden professionellen Vorkehrungen minimiert aber nie ausgeschlossen werden."

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