LIFE
18/11/2015 16:32 CET | Aktualisiert 04/05/2016 08:48 CEST

Mutter bringt ihr Baby in die Kita - beim Abholen erlebt sie den schlimmsten Anblick ihres Lebens

Amber Scorah hat ihren Sohn Karl verloren
Scorah/Instagram
Amber Scorah hat ihren Sohn Karl verloren

"Wie an jedem anderen der 117 Tage seines Lebens war das Erste, das Karl an diesem Montag Morgen im Juli tat, mir ein strahlendes Lächeln zu schenken. Dieser Morgen, der wie jeder andere anfing, war jedoch ein wenig anders: Es war Mamis erster Tag im Büro."

Mit diesen Worten beginnt Amber Scorah ihren emotionalen Blog, der in der New York Times veröffentlicht wurde. Sie erzählt die tragische Geschichte vom Tod ihres Sohnes Karl an seinem ersten Tag in der Kita und hat damit eine neue Diskussion über Elternzeit in Amerika ausgelöst.

Amber musste nämlich nach drei Monaten Elternzeit wieder arbeiten gehen.

Die junge Mutter aus New York wollte eigentlich zu Hause bei ihrem Baby bleiben, aber in den USA gibt es, anders als in Deutschland, keinen geregelten Mutterschutz.

Sie fühlte sich unwohl dabei, den drei Monate alten Karl in einer Tagesstätte unterzubringen, denn sie wünschte sich mehr Zeit mit ihrem Baby. Jeden Tag hatte Amber beobachtet, wie Karl sich mehr und mehr in dieser Welt orientierte und sie spürte, dass ihre Anwesenheit und Liebe dazu beitrug, dass der Säugling sich dabei sicher und behütet fühlte.

Deshalb bat Amber ihre Firma, noch ein paar Monate mit ihrem Baby verbringen zu können – sie würde auch auf ihr Gehalt verzichten. Aber die Personalabteilung teilte ihr mit, dass das nicht möglich sei.

Friday night flowers #KarlIves #Brooklyn

Ein von Amber Scorah (@amberscorah) gepostetes Foto am

Sie müsste kündigen, um länger bei Karl bleiben zu können.

Bei einer Kündigung wären aber weder sie noch Karl krankenversichert. Und Amber und ihr Partner Lee konnten sich auf eigene Faust keine Krankenversicherung leisten.

Schweren Herzens machte sich Amber also auf die Suche nach einer geeigneten Kita – und fand eine direkt neben ihrer Arbeitsstelle. So konnte sie ihn sogar in der Mittagspause stillen und die Kita hatte auch gute Referenzen von befreundeten Eltern bekommen.

So machten Amber und Lee ihren Sohn für die Kita fertig und brachten das gut gelaunte Baby zu Tagesstätte, wo eine Erzieherin Karl herzlich in Empfang nahm. Trotzdem ließ ihn die junge Mutter nur ungern allein.

Ungeduldig wartete Amber an ihrem ersten Arbeitstag auf die Mittagspause und lief dann in Eilschritten zur Kita, um Karl wieder in die Arme schließen zu können. Sie nahm zwei Treppen auf einmal, bis sie endlich vor der Eingangstür stand, die offen war. Sie wunderte sich.

Warum ließ man die Tür einer Tagesstätte mit Kindern offen?

Amber trat ein und fand dort ihren Sohn Karl bewusstlos am Boden liegend, während ihn die Erzieherin beatmete. Aber es war zu spät - Karl war tot. Die Todesursache ist bis heute nicht geklärt.

Hi guys #KarlIves

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Jetzt klagt Amber die amerikanische Regierung an.

Sie fordert mehr Mutterschutz für junge Eltern. Wenn Karl zu Hause bei ihr gewesen wäre, wäre er vielleicht nicht gestorben, meint die verzweifelte Mutter.

„Ja es ist möglich, dass Karl in einem anderen System keinen Tag länger gelebt hätte“, räumt sie ein. „Aber er wäre bei mir gewesen, wo ich ihn hätte haben wollen. Ich würde nicht hier sitzen mit dieser unerträglichen Qual dieser einen Frage, auf die es keine Antwort gibt“, schreibt sie.

Sie will nicht die Kita oder ihre Firma für den Tod ihres Sohnes zur Verantwortung ziehen – mit drei Monaten Elternzeit war Ambers Firma sogar für amerikanische Verhältnisse großzügig –, sondern das amerikanische System, das keine feste Elternzeit für junge Mütter und Väter vorsieht. Die werdenden Eltern müssen sich selbst darum kümmern – und werden oft mit der Verantwortung alleine gelassen.

„Eine Mutter sollte es nie so ergehen, dass sie keine andere Wahl hat, als ihr drei Monate altes Kind mit einem Fremden alleine zu lassen, wenn sich diese Entscheidung für sie nicht richtig anfühlt. Das gilt auch, wenn es sechs Wochen alt ist. Oder drei Wochen alt. Ich wäre gerne mit Karl länger zu Hause geblieben, aber es schien keinen Weg dafür zu geben“, schreibt sie.

Amber hat zusammen mit ihrem Partner Lee nun die Webseite forkarl.com ins Leben gerufen.

Darin fordert sie andere Eltern dazu auf, von ihren politischen Vertretern eine Regelung für eine feste Elternzeit zu verlangen. "Es gibt viele gute Beispiele dafür, wie man ein geregeltes System für Elternzeit ins Leben ruft, das funktioniert. Unsere Kinder können sich keine Lobbyisten leisten. Es ist an uns Eltern, mehr zu verlangen“, fordert sie.

Somehow I always end up color coordinating with my baby by accident Happy Mother's Day #KarlIves

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Warum es für Babys tödlich sein kann, Wasser zu trinken


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