POLITIK
17/11/2015 02:14 CET | Aktualisiert 17/11/2015 10:12 CET

Putin hat in Syrien etwas vollbracht, das der Westen nie für möglich gehalten hätte

Der russische Präsident Wladimir Putin
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Der russische Präsident Wladimir Putin

Westliche Kommentatoren lassen nichts Gutes an Wladimir Putins Syrien-Einsatz. Gewöhnlich stellen sie ihn als riesigen Fehlschlag dar: Die Zusammenarbeit mit der Armee des syrischen Diktators Baschar al-Assad laufe schlecht. Dessen Truppen seien demoralisiert, schlecht ausgerüstet und unmotiviert. Die Aufklärung klappe nicht und die russischen Piloten wüssten gar nicht, was genau sie bombardieren sollten, heißt es.

Obama warnte Putin schon im Oktober. Der Einsatz werde in einem "Schlamassel" enden. Das Vorgehen des russischen Präsidenten nannte er ein "Rezept für ein Desaster". Und der Chef der US-Geheimdienste, James Clapper, fragt sich, ob Putin "irgendeine Form von langfristiger Strategie hat oder einfach tagtäglich nur opportunistisch ist". Zuvor hatte Putin in einer Rede vor der UN-Vollversammlung heftige Spitzen in Richtung Washington geschossen - allerdings auf eine für Putin typische subtile Art und Weise, wie das folgende Video belegt:

Eine ganze andere Sicht auf Putins Einsatz in Syrien dagegen hat Josh Cohen. Der frühere Projektmanager der Entwicklungshilfeorganisation USAID schreibt in der "Moscow Times", dass die Amerikaner eine ganz falsche Sicht auf den Militäreinsatz hätten. Tatsächlich sei Putin dabei, den größten Teil seiner Ziele zu erreichen.

Nach Ansicht von Cohen an Putin drei entscheidende Ziele erreicht:

Erstes Ziel: Die Reste von Assads Regime erhalten

Es geht Putin gar nicht darum, einen vereinten und funktionierenden Staat wiederherzustellen - sondern vielmehr darum, überhaupt einen syrischen Staat zu erhalten. Am besten einen, der die Interessen Russlands im Nahen Osten vertritt. Daher hätten sich die Russen in den ersten Wochen darauf konzentriert, mit Luftschlägen den Vormarsch in wichtigen Regionen des Regimes zu stoppen.

Dabei geht es um das Gebiet der Alawiten entlang der Küste und einen Streifen entlang der Straße M5, die Damaskus mit Homs, Hama und Nordsyrien verbindet. Zwar hätten Assads Truppen keine Gebiete hinzugewonnen - aber ein Kollaps seines Regimes wurde verhindert. Das sei ein Erfolg für Putin.

Zweites Ziel: Wieder zu einer bedeutenden Militärmacht im Nahen Osten werden

Auch sein zweites Ziel habe Putin erreicht - russischen Einfluss im Nahen Osten sicherzustellen. Russland besitzt nun eine Reihe von Militärbasen in Syrien und konnte seinen einzigen Marinestützpunkt im Mittelmeer erhalten. Außerdem konnte es Verbindung zu schiitischen Mächten im Nahen Osten herstellen - dem Iran, der irakischen Regierung, der Hisbollah im Libanon und dem, was von Assads Regime noch übrig ist.

Diese Achse habe zwei Kommandozentren in Bagdad und in Damaskus eingerichtet, von denen aus sie gemeinsame Einsätze planen. Damit sei Russland wieder zu einer Militärmacht im Nahen Osten geworden.

Drittes Ziel: Auf Augenhöhe ins Gespräch mit dem Westen kommen

Mit dem Syrien-Einsatz hat Putin es geschafft, vom Bürgerkrieg in der Ukraine abzulenken. Zudem hat er den Westen gezwungen, wieder mit ihm zu reden. In Wien diskutieren russische Diplomaten mit ihren Kollegen über die Zukunft Syriens.

Gleichzeitig müssen sich russische und amerikanische Militärs bei Einsätzen in Syrien absprechen, um unbeabsichtigte Auseinandersetzungen ihrer Soldaten zu verhindern. Auch wenn sie den russischen Einsatz nicht gerne sehen - er hat dazu geführt, dass amerikanische und russische Militärs und Politiker ständig miteinander sprechen.

Es könnte sogar sein, das Putin den Syrien-Einsatz benutzen könnte, um eine Aufhebung der Sanktionen zu erreichen. Sicherlich würden die USA dies ablehnen - aber in Europa ist man sicherlich dazu bereit, zumindest darüber nachzudenken.

Video: Seltene Offenbarung: Wladimir Putin verrät, mit wem er bis zwei Uhr nachts telefoniert

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