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17/11/2015 18:41 CET | Aktualisiert 17/11/2015 19:15 CET

Nach abgesagtem Länderspiel: Wie Bundesinnenminister de Maizières die Terrorangst nur noch weiter anheizt

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Der Terror von Paris hat am Dienstagabend endgültig seinen Schatten über Deutschland geworfen. 90 Minuten vor dem Testspiel gegen die Niederlande raunten Polizisten Fans und Reportern zu, das Spiel sei abgesagt. Kurz darauf wurden die Zuschauer auch per Lautsprecher-Durchsagen informiert: „Bleiben Sie bitte ruhig! Es ist keine Gefahr im Anmarsch oder sonst irgendwas. Gehen sie einfach ganz normal nach Hause!“

De Maizière sagt, dass er nichts sagen will

Nicht viel mehr hatte dann später Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in einer Pressekonferenz zu sagen. Dass das Spiel abgesagt wurde, war seine Entscheidung. Aber das Ausmaß der Gefährdung könne er nicht kommentieren. Auf Fragen zu den Hintergründen und Gründen der Absage wollte er nicht eingehen: "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern." Er bat die "deutsche Öffentlichkeit um einen Vertrauensvorschuss".

Das Statement des Bundesinnenministers im Video. Der Text geht darunter weiter

Das Problem dabei war nur: Die Verunsicherung nahm er den Bürgern mit diesen Worten ganz und gar nicht. Eher erreichte er das Gegenteil. Wie gefährdet ist Deutschland wirklich, wenn der Bundesinnenminister so sparsam ist mit Informationen? Vor allem, da es weder Festnahmen gab noch Sprengstoff gefunden wurde, wie der niedersächsische Innenminister auf der Pressekonferenz sagte?

Statt dem Minister werden nun andere Antworten geben

All diese Fragen ließ de Maizière offen – und überlässt es jetzt Verschwörungstheoretikern und Angstmachern, sie mit möglichen Erklärungen aufzuladen. Die, die sich ohnehin schon von den Bildern aus Paris verunsichert haben lassen, werden sich jetzt sicher nicht beruhigt haben.

Dabei sollte das Spiel das genaue Gegenteil erreichen. Es sollte nach den Anschlägen in Paris ein Zeichen gegen den Terror werden - gegen Hass, Gewalt und Verunsicherung. Das sportliche Prestige des Duells der Erzrivalen? Nebensache.

"Das Spiel hat eine klare Botschaft und ist ein klares Symbol für Freiheit und Demokratie", sagte etwa Bundestrainer Joachim Löw vor dem Spiel. Den Terror hatte er in Paris selbst miterlebt. Und die Kanzlerin wollte gemeinsam mit ihrem Kabinett das Spiel verfolgen, um der Bevölkerung zu demonstrieren: Ihr seid sicher. Lasst euch von den Terroristen nicht verunsichern - und habt Spaß.

Dieses Zeichen hat sich ins Gegenteil verkehrt. Und daran hat der Bundesinnenminister einen gehörigen Anteil. Wenn es das Ziel der Terroristen war, Europa in einen Kontinent der Angst zu verwandeln, dann sind sie dem jetzt einen Schritt nähergekommen.

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