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17/11/2015 12:29 CET | Aktualisiert 17/11/2015 13:32 CET

Kombucha: So gefährlich ist das Kultgetränk wirklich

Kombucha-Flaschen aus China in einem amerikanischen Geschäft.
SAUL LOEB via Getty Images
Kombucha-Flaschen aus China in einem amerikanischen Geschäft.

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Seit Jahrhunderten schwören viele Asiaten auf Kombucha, doch erst in jüngerer Zeit hat das Getränk auch in Europa und den USA eine breite Verbreitung gefunden. Kein Wunder: Dem teeartigen Elixier werden regelrechte medizinische Wunderkräfte zugeordnet.

Anhänger des Getränks schwören darauf, dass es unter anderem bei Herz-Kreislauf-Störungen und der Entgiftung des Körpers helfen soll. Auch für viele Menschen, die Probleme mit ihrer Verdauung haben, gilt es als Geheimtipp.

In den USA hat sich der Absatz des Kultgetränks laut einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ seit 2009 sogar mehr als vervierfacht. Umgerechnet rund eine halbe Milliarde Euro gaben die Amerikaner im vergangenen Jahr für Kombucha aus.

Doch Verbraucherschützer und selbst einzelne Hersteller warnen vor massiven Gefahren, die von dem Getränk ausgehen können. Die Huffington Post zeigt, welche möglichen Risiken das sind – und was Kombucha-Liebhaber sonst noch wissen sollten.

Was ist Kombucha?

Kombucha wird aus dem sogenannten Tee- oder Kombuchapilz hergestellt. Der Pilz ist eine gallertartige Masse, die ein Gemisch verschiedener Bakterien und Hefen enthält. Diese vergären gezuckerten Tee zu einem mostartigen, kohlensäurehaltigen Getränk. „Kombucha war ursprünglich Bestandteil der asiatischen Volksmedizin“, weiß man bei der Verbraucherzentrale Bayern.

In Deutschland gab es das Produkt lange nur in Reformhäusern oder Naturkostläden. Doch mittlerweile haben sich die Flaschen auch in den Regalen von Supermärkten und Drogerien etabliert. Dort wird meist eine sehr stark gezuckerte Variante des Getränks verkauft. Mitunter wird die Blubber-Brause aber auch von Privatleuten auf eigene Faust hergestellt, wobei weit mehr Alkohol entsteht, als im industriell hergestellten Getränk enthalten ist. Kombucha-Liebhaber geben ihr Gebräu dann gerne auch von Hand zu Hand weiter.

Deutsche Kombucha-Getränke enthalten oft extrem viel Zucker

„Anders als beim dem nach dem Originalrezept zubereiteten Kambuchatee hat das industriell hergestellte und im Laden verkaufte Kambucha in der Regel einen sehr hohen Zuckergehalt“, erläutert Heidrun Schubert, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern im Gespräch mit der Huffington Post. Es drohten die bei zu hohem Zuckerkonsum bekannten gesundheitlichen Schäden.

Je nach Zubereitung und Gärdauer enthält das vermeintliche Heilmittel teilweise sogar so viel Zucker wie Limonade - zehn Liter Kambucha enthalten bis zu ein Kilogramm des süßen Gifts. Herzinfarkt, Diabetes, Karies – die Liste, der Schäden, die übermäßiger Zuckerkonsum anrichten kann, sind lang. Sogar für Depressionen und Demenz wird Zucker mittlerweile mitverantwortlich gemacht.

Amerikanische Forscher forderten 2012 sogar, den Verkauf von besonders zuckerhaltigen Lebensmitteln genauso streng zu regulieren wie den von Alkohol. Wie auch bei zahlreichen anderen Lebensmitteln gilt jedoch Gesundheitsexperten zufolge: Die Menge macht das Gift.

Schwangere und Stillende sollten Kombucha meiden

Schwangere und stillende Mütter sollten, um ihr Baby nicht zu gefährden, „keinesfalls selbst aufgesetztes Kombucha trinken“, sagt Konsumentenschützerin Schubert. Denn nicht industriell hergestelltes Kombucha kann bis zu zwei Prozent Alkohol enthalten. Auch industriell gefertigtes Kombucha sollten diese Personengruppen meiden. „Schwangere sollten lieber Buttermilch statt Kombucha trinken“, sagt sie.

In der den Drogerien und Supermärkten verkauften Kombucha-Produkten ist der Alkoholholgehalt zwar nicht so hoch wie in den selbst aufgesetztem Tees, doch auch diese sind keinesfalls risikolos. Die Menge an enthaltenem Alkohol variiert, liegt aber oft über 0,5 Prozent. In den USA hatten mehrere Kombucha-Hersteller deshalb jüngst Ärger mit der Justiz. Denn in den Vereinigten Staaten benötigen Firmen, die Produkte mit Alkohol herstellen, selbst bei geringeren Mengen, eine Lizenz.

Erste Kombucha-Hersteller raten nun sogar selbst, Schwangere und Kinder unter vier Jahren sollten kein Kombucha trinken. Klar ist: Prinzipiell empfehlen Mediziner in der Schwangerschaft ein möglichst absolutes Alkoholverbot. Wenn Schwangere Alkohol trinken, kann das lebenslange Behinderungen des Kindes hervorrufen. Dazu zählen kognitive Störungen, Kleinwuchs und in schlimmsten Fällen auch Schäden an den inneren Organen.

Experten schätzen, dass in Deutschland pro Jahr etwa 10.000 Babys zur Welt kommen, die durch den Alkoholkonsum ihrer Mutter Schaden genommen haben. Das Vollbild der Störung, das mit geistiger und körperlicher Behinderung einhergeht, liegt bei mehr als 2000 Neugeborenen vor. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), sagt: "Für die Betroffenen und ihre Familien sind diese Störungen eine große Belastung."

Fragwürdiger Nutzen

Das teeartige Elixier soll den Befürwortern zufolge nicht nur bei Herz-Kreislauf-Störungen und der Entgiftung des Körpers helfen. Es soll auch bei Magen-Darm-Problemen Linderung verschaffen und die körperliche Balance ins richtige Lot bringen. Manche Hobbymediziner sind auch fest davon überzeugt, damit Rheuma oder die Gicht zu bekämpfen. Und selbst bei Krebsvorbeugung scheint Kombucha den Fans zufolge wahre Wunder vollbringen zu können.

Das Problem: Medizinern und Konsumentenschützern zufolge fehlt bislang jeder nachgewiesene Nutzen. Eine Wirkung der Mikroorganismen auf die Darmflora lasse sich feststellen, heißt es in einer Analyse mehrerer deutscher Verbraucherzentralen. Anders als etwa bei einem Joghurt oder der Muttermilch gelte jedoch: „Der Umfang dieser probiotischen Wirkung ist bei Kombucha unbekannt.“ Wissenschaftlich nachgewiesen seien „lediglich leicht abführende und schwach antibakterielle Wirkungen, die auf den Gehalt an Essig- und Milchsäure zurückzuführen sind“.

Industriell hergestelltes Kombucha werde aus Gründen der Haltbarkeit pasteurisiert. „Dies tötet die Mikroorganismen im Gärgetränk ab - sie werden unwirksam.“ Wer auf zusätzliche Wirkungen hoffte, sollte nur Produkte mit lebenden Kulturen kaufen.

Für sämtliche anderen oft geschilderten angeblichen Heilwirkungen fehlt jedoch bislang jeder Beweis. „Kombucha ist bei sachgemäßer Herstellung ein unbedenkliches Erfrischungsgetränk, wobei der Gehalt an Alkohol, Koffein und Zucker beachtet werden muss“, resümieren die Konsumentenschützer in ihrem Papier von Ende 2014. Wer also nicht schwanger ist, stillt oder früher Alkoholiker war, dürfte also bei geringen Meinungen Kombucha seiner Gesundheit zumindest nicht schaden.

Vorwurf der Abzocke

Konsumentenschützerin Schubert rät, sehr genau darauf zu achten, welches Kombucha-Produkt im Einkaufswagen landet. „Dem stolzen Verkaufspreis von bis zu vier Euro und mehr pro Liter steht jedoch ein fragwürdiger Nutzen gegenüber“, heißt es auch in der Analyse der Verbraucherzentralen.

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