POLITIK
15/11/2015 13:08 CET | Aktualisiert 15/11/2015 14:14 CET

Brüderle fordert nach Anschlägen von Paris: "Wir brauchen eine europäische Armee" (EXKLUSIV)

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FDP-Politiker Brüderle

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Die barbarischen Morde von Paris haben auch Deutschland ins Mark getroffen. "Wir erleben mit diesem Anschlag eine neue Dimension des Terrors", sagt Ex-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) im Gespräch mit der Huffington Post. "Völlig zu recht blicken wir daher fassungslos nach Paris."

Doch Brüderle mahnt, Deutschland müsse sich schnell von dem Schock erholen und "wichtige Entscheidungen treffen: Wir müssen endlich den Mut aufbringen, in Sicherheitsfragen europaweit enger zusammen zu arbeiten". Brüderle meint damit ein klares Bekenntnis zu mehr Europa - in sicherheitspolitischen Fragen.

Gelingt uns dieser Schritt nicht, fürchtet Brüderle, "dann werden wir womöglich bald noch mehr Opfer beklagen".

Europäische Armee und gemeinsame Geheimdienste

"Wir befinden uns in einer Art Krieg mit religiösen Glaubensideologen", sagt er und fordert: "Wir brauchen daher eine europäische Armee". Als Kern einer solchen Entwicklung sollten Frankreich und Deutschland ihre Streitkräfte zusammenlegen. Andere könnten sich dem Verbund dann anschließen.

Aber das ist nur der eine Schritt. "Wir müssen auch die Arbeit der europäischen Geheimdienste zusammenführen, um schnellere Fahndungserfolge zu erzielen", sagte Brüderle der HuffPost.

Das haben Politiker auf EU-Ebene schon öfter diskutiert. Nun sei es die einzige Chance, die wachsende Terrorgefahr in den Griff zu bekommen. "Die Geheimdienste müssen dafür gezwungen werden, sich so eng auszutauschen wie in einem föderativen System", regt Brüderle an. "Vielleicht unterstützt von einem Koordinator oder wenigstens fest vereinbarten Treffen und Telefonkonferenzen."

Klingt nach einem kleinen Schritt. "Aber heute scheitert es oft schon an regelmäßigen Gesprächen", sagt Brüderle. Es gebe immer noch viel zu viel Egoismus und Einzelinteressen bei den Geheimdiensten.

Ruhe bewahren in der Flüchtlingskrise

Denn klar ist für Brüderle auch: "Aus dieser Situation kommen wir in Europa nur gemeinsam".

Bei alledem, so sagt Brüderle, müssen die Parteien in Deutschland jetzt einen kühlen Kopf bewahren. "Wir müssen den Menschen erklären, dass die Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, genau vor der Terrorgefahr geflohen sind", sagt er.

Merkel stünden dennoch ein paar harte Tage bevor. "Der Konflikt in der CDU wird sich wohl noch verschärfen", sagt er. Doch Merkel sei stark genug, die Partei wieder zu einen. "Das muss eine Parteivorsitzende können. Und ich weiß, dass sie das schaffen kann." Politik dürfe sich nicht von Emotionen leiten lassen.

Aber für Emotionen war Angela Merkel tatsächlich noch nie bekannt.

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