POLITIK
13/11/2015 01:43 CET | Aktualisiert 25/11/2015 06:11 CET

Neue Hinweise: Wäre das Flugzeug-Drama vom Sinai zu verhindern gewesen?

dpa
Neue Hinweise: Wäre das Flugzeug-Drama vom Sinai zu verhindern gewesen?

Nach jedem Drama, fast jedem, stellt sich die verzweifelte Frage: Hätte man es nicht verhindern können? Nach dem offenbar durch einen Bombenanschlag verursachten Absturz des russischen Ferienfliegers über Nordägypten mit 224 Toten quält diese Frage. Und das Fatale ist: Die Antwort ist jedenfalls nicht eindeutig Nein.

Britische und US-amerikanische Nachrichtendienste haben bereits sieben Wochen vorher vor Attacken im ägyptischen Luftraum gewarnt. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf eine dringliche Meldung vom 9. September an Piloten internationaler Linien, beim Flug zum und vom ägyptischen Flughafen Scharm el-Scheich die Flughöhe von 25.000 Fuß (7620 Meter) auf keinen Fall zu unterschreiten. Allerdings soll der Metrojet-Airbus schon auf etwa 9000 Metern Höhe geflogen sein, als er abstürzte. Dass Piloten deutscher und US-amerikanischer Airlines nicht unter 8500 Metern fliegen sollten, war bereits vor zwei Wochen berichtet worden.

Hintergrund der Alarmmeldung seien befürchtete Raketenangriffe einer Splittergruppe des Islamischen Staats (IS) auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel, die sich auch zu dem Anschlag auf den russischen Airbus vom 31. Oktober bekannt habe, berichtet das Magazin.

Die Abhördienste Großbritanniens und der USA registrierten nach dem Absturz eine erhöhte Kommunikation zwischen dem Sinai und IS-Stützpunkten in Syrien, heißt es in dem Bericht. Bei der Auswertung der Ge­spräche habe sich herausgestellt, dass etliche Personen aus den IS-Kreisen Englisch mit den für London und Birmingham typischen Akzenten sprachen. Alle bekundeten laut "Focus", dass der Massenmord an den Russen sie tief befriedigt habe. Die Tat sei die Rache für Putins Luftangriffe in Syrien.

Die Warnung war längst nicht der einzige Hinweis auf ein Risiko. Wie erst kürzlich bekannt wurde, entkam ein britischer Ferienflieger im August nur knapp einer Rakete, die nach britischen Angaben vom ägyptischen Militär im Rahmen einer Routineübung abgeschossen worden war. Auch diese Maschine war im Anflug auf Scharm el-Scheich gewesen, der Pilot soll die Katastrophe durch ein Ausweichmanöver noch eben verhindert haben - der Abstand zwischen Flugzeug und Rakete soll nur noch 300 Meter betragen haben.

Außerdem scheinen die Sicherheitsvorkehrungen in Scharm el-Scheich mangelhaft gewesen sein. Ein Mitarbeiter hatte über fehlende Kontrollen der Angestellten sowie über defekte Videokameras überall im Flughafen berichtet. Das sehen auch Behörden kritisch. Der "Focus" beruft sich auf Ermittlerkreise, die "zahlreiche Sicherheitslücken" festgestellt hätten. So seien am Schalter aufgegebene Koffer im Gepäckraum nicht überwacht worden. Für Komplizen der Attentäter sei es einfach gewesen, nachträglich Sprengsätze in Koffern zu platzieren. Für ein Trink­geld von 20 Euro hätten junge Ägypter das Gepäck von Urlaubern an den Kontrollen vorbei direkt zu den Flugzeugen gebracht.

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