POLITIK
13/11/2015 04:47 CET | Aktualisiert 18/01/2016 11:57 CET

Flüchtlingskrise: Viele Deutsche verschweigen die unheimliche Wahrheit

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Es ist lange her, dass ein Thema die Deutschen so sehr gespalten hat wie die aktuelle Flüchtlingskrise. Was im Sommer noch wie ein zweites Sommermärchen aussah, entwickelt sich immer mehr zu einem gesellschaftlichen Pulverfass. Die Deutschen sind offenbar doch nicht so flexibel, wie es noch vor einigen Monaten aussah, viele Kommunen überlastet und auf Anti-Merkel-Kurs.

Jetzt hat die Demoskopin und Chefin des Umfrageinstituts Allensbach, Renate Köcher, überraschend offen über die Ängste der Deutschen gesprochen. Sie beobachtet eine "tiefe Beunruhigung in der Bevölkerung", sagte sie der "Welt".

"Dann schaffen wir es mit Sicherheit nicht"

Was in der öffentlichen Diskussion derzeit fehle, sei eine detaillierte Erklärung, wie die aktuellen Herausforderungen aussähen und was in der Gesellschaft vermittelbar sei. "Denn wenn die Gesellschaft nicht mitgeht, dann schaffen wir es mit Sicherheit nicht", sagte Köcher in Anlehnung an die optimistische Haltung von Kanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingskrise ("Wir schaffen das").

Zuletzt hatte das Allensbach-Institut herausgefunden, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung mittlerweile kritisch sieht. Rund jeder zweite Deutsche hat demnach den Eindruck, dass die Interessen der deutschen Bevölkerung nur unzureichend berücksichtigt werden.

Köcher berichtet von Hemmungen der Deutschen, ihre wahre Ansicht zur Flüchtlingskrise preiszugeben. Noch vor zwei, drei Monaten sei ihr Institut überrascht gewesen, wie gelassen die Reaktionen bei den Umfragen zum Thema Migration waren, berichtet die Demoskopin.

"Irgendwas stimmt an den Antwortmustern nicht"

"Bis wir dann plötzlich das Gefühl hatten, irgendwas stimmt an den Antwortmustern nicht, und tiefer gebohrt haben. Dieselben Leute, die uns mehrheitlich sagten, sie fänden es gut, wenn in ihrer Region weitere Flüchtlinge aufgenommen würden, sagten zu rund 70 Prozent, in ihren privaten Gesprächen sei völlig klar, dass die meisten dagegen seien, mehr Flüchtlinge aufzunehmen", sagt sie.

Dann habe ihr Institut geprüft, wieweit die Bürger Hemmungen haben, ihre Meinung offen zu sagen, ob sie den Eindruck haben, man müsse in Deutschland vorsichtig sein, sich zur Flüchtlingsfrage zu äußern, berichtet Köcher.

Das besorgniserregende Ergebnis: "Da hatten wir 45 Prozent der gesamten Bevölkerung, die sagten, man muss vorsichtig sein. Und bei denjenigen, die sich große Sorgen über die Entwicklung machen, waren es annähernd 60 Prozent."

Auch auf der HuffPost:

Vor Parteitag: Strenger als das Grundgesetz: CSU sendet klare Botschaft an Flüchtlinge

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite