POLITIK
13/11/2015 10:52 CET | Aktualisiert 13/11/2015 11:51 CET

ARD-Moderatorin Reschke: So versuchen Hassfratzen, Andersdenkende ruhigzustellen

Screenshot/ARD
Moderatorin Anja Reschke bei ihrem "Tagesthemen"-Kommentar

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Der Kommentar von NDR-Moderatorin Anja Reschke in den "Tagesthemen" vom 5. August war nicht einmal besonders spektakulär: Die Journalistin bilanzierte, dass Hass-Postings im Tonfall von "Scheiß-Kanaken" in den sozialen Medien zunähmen und dass dies eine beunruhigende Entwicklung sei. Spektakulärer war da schon die Reaktion auf Reschkes Äußerung.

Denn die Moderatorin bekam es in voller Wucht mit den Hassfratzen zu tun.

Über 7 Millionen Mal wurde das Video ihres Beitrags auf Facebook abgespielt, fast 6.400 Kommentare haben sich darunter bis heute angesammelt. Darunter viele üble. Im Interview mit dem "Medium Magazin" zog Reschke nun Bilanz über die Online-Pöbler - und zeigt damit, dass manche verbal wirklich vor gar nichts zurückschrecken.

Viele Hass-Schreiber machen Reschkes Geschlecht zum Thema - und nutzen dies, sie aufs Übelste zu beleidigen: "Man versucht gern, uns zu erniedrigen. Es wird einem entweder Vergewaltigung angedroht oder man wird als Schlampe beschimpft", sagt die 43-Jährige.

Dialog? Unmöglich

Gerne, deutet sie an, würde sie mit Verfassern kritischer Äußerungen in Dialog treten. Doch das sei überhaupt nicht mehr möglich: "Die Argumentationen sind so fest gemauert, man dringt überhaupt nicht mehr durch. Viele verweigern sich Fakten, sie wollen sich gar nicht auseinandersetzen, sondern nur ihre Meinung loswerden." Anders als bei sonstigen Themen sei ein Dialog beim Thema Flüchtlingskrise überhaupt nicht möglich.

Ein Problem sei sicherlich, dass viele sich mit ihren Sorgen in den Medien nicht ernstgenommen fühlten, da statt Folgen des Zustroms für Deutschlands eher über das Leid der Flüchtlinge selbst berichtet werde: "Die 'Mitte' bei den Bürgern oder auch der Politik, die sich vielleicht noch nicht positioniert hat, kommt medial nicht vor. Ich habe aber das Gefühl, es fängt gerade an, sich zu sortieren." Zudem gebe es gerade in Zeitungen und Zeitschriften "inzwischen viele Artikel mit kritischen Fragen nach den Konsequenzen der 'Willkommenskultur'".

Bloß keine Tabus aus Angst vor den Rechten

Von Tabus bei der Berichterstattung, etwa, wenn es um Angriffe auf Flüchtlingsheime geht, hält Reschke ihren Angaben zufolge nichts. Andernfalls würden Themen schnell von Rechten besetzt - Menschen wie jene, die sich in Hasskommentaren auslassen.

Reschkes Äußerungen im "Medium Magazin" haben wir der Medienseite "Meedia.de" entnommen. Auf dieser ist unter dem Text der Hinweis angebracht: "Die Kommentarfunkion wurde für diesen Artikel wegen zahlreicher beleidigender Kommentare deaktiviert."

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