POLITIK
12/11/2015 22:47 CET | Aktualisiert 13/11/2015 07:04 CET

Wolfgang Schäuble geht auf immer mehr Distanz zu Angela Merkel

DPA
Wolfgang Schäuble bei der Verleihung des Bambi in Berlin

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Und wieder so doppelbödiges Zitat. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat bei seiner Dankesrede nach der Verleihung des Millennium-Bambi davor gewarnt, das Maß aus den Augen zu verlieren - und offensichtlich sprach er dabei von der Flüchtlingskrise - auch wenn er das Wort nicht in den Mund nahm.

Dies gelte gerade in Zeiten, in denen es gut laufe. Und Deutschland stehe momentan sehr gut da, sagte der CDU-Politiker gestern Abend in Berlin.

Verklausuliert warnte er vor einem Erstarken der Rechten. "Wir sind ein tolles Land mit tollen Menschen. (...) Wir sind ungeheuer offen und hilfsbereit und wir haben wahnsinnig viel erreicht. (...) Und wenn man denkt, woher wir kommen, in 70 Jahren. Wenn man 70 Jahre zurückdenkt. Dann sollten wir vielleicht, wenn es so großartig ist, nicht vergessen, dass wir’s durch Übermaß alles aufs Spiel setzen können."

Was meinte er mit "Übermaß"? War es eine Warnung an Merkel, dass sie das Land mit ihrer Haltung in der Flüchtlingskrise überfordert? Seine Worte waren sehr vorsichtig gewählt. Er wusste, dass das Publikum mit Spannung erwartete, ob er etwas zur Flüchtlingsfrage sagen werde. Zuvor hatte sein Hinweis, die Flüchtlingsbewegung könne sich zu einer Lawine ausweiten, im politischen Berlin für Wirbel gesorgt.

Seine Lawinen-Zitat hatte einen kleinen Skandal ausgelöst. "Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt", hatte er im Blick auf die Flüchtlingskrise gesagt. Ob die Lawine schon im Tal angekommen sei oder im oberen Drittel des Hanges, wisse er nicht, sagte er weiter. Der unvorsichtige Skifahrer - das war natürlich Angela Merkel.

Schäuble treibt Merkel mehr und mehr vor sich her. Nicht nur in der Union erfreut er sich großen Rückhalts. Auch in Umfragen gilt er regelmäßig als der beliebteste Politiker Deutschlands. Er wird nach und nach zur Identifikationsfigur der Merkel-Kritiker in der CDU.

Heute werden wir sicherlich wieder starke Worte von ihm zu hören bekommen. Zum Auftakt der Bundesdelegiertenversammlung der Mittelstandsvereinigung der Union (MIT) wird er erwartet. Gleichzeitig wird auch der Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU), auftreten. Die MIT gilt als besonders kritisch gegenüber Merkels Flüchtlingspolitik.

Man fragt sich, was Schäuble beabsichtigt? Will er die Kanzlerin auf einen neuen Kurs bringen, in dem er sich hinter ihre Gegner stellt? Oder will er in Zusammenarbeit mit Merkel die Politik der Regierung nach der Salami-Taktik verrücken - Stück für Stück, damit Merkel nicht eine Niederlage ihrer Politik eingestehen muss? Viele in Berlin sind anderer Meinung. Er wolle sich rechtzeitig von ihr distanzieren.

Um nicht zusammen mit ihr unterzugehen.

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