POLITIK
12/11/2015 11:26 CET | Aktualisiert 12/11/2015 11:26 CET

Gedemütigt, gequält, missbraucht: Teenager leiden für die Lust

Tekkal

Kinder, die kurz vor dem Hungertod stehen. Eine schwangere Frau, die verdurstet. Eine Frau, die als Sexsklavin gehalten wird – es sind dramatische Bilder, die Filmemacherin Düzen Tekkal im Sommer 2014 im Nordirak aufgenommen hat. Kurz zuvor hatte die Terrormiliz IS im Eiltempo weite Teile des Zweistrom-Landes und des benachbarten Syriens erobert.

Es waren vor allem die Jesiden, die rasch ins Visier der Terrorgruppe geraten waren. Sie sind aus Sicht der Radikal-Islamisten Ungläubige, sogar noch weniger wert als Christen. Die IS-Kämpfer sollen bereits tausende Angehörige der Volksgruppe ermordet haben. Eine halbe Millionen Jesiden sind bis heute auf der Flucht.

Für ihren jüngsten Dokumentarfilm „Hawar – Meine Reise in den Genozid“ (Ausschnitte sind im Video oben zu sehen), hat Tekkal mit unzähligen Opfern der Islamisten gesprochen. Sie traf Kinder, die mitansehen mussten, wie ihre Eltern vom IS massakriert wurden.

„Viele der Schicksale haben mich extrem mitgenommen“, sagt die Journalistin und Filmemacherin. So sprach sie mit einem Vater, kurz nachdem er und Teile seiner Familie aus der IS-Gefangenschaft befreit worden waren. Seine fünf- und sieben Jahre alte Tochter befanden sich zum Zeitpunkt des Gesprächs noch immer in der Hand der IS-Schergen. „Sie werden von ihnen als Sex- und Haushaltssklavinnen gehalten“, berichtet Tekkal, die selbst Jesidin ist. Der verzweifelte Vater sagt in die Kamera: "Mir wäre lieber, meine Töchter wären tot als in den Händen dieser Bestien."

„Perversionen, die wir uns gar nicht vorstellen können“

Die Recherchen Tekkals bringen eine Vielzahl schrecklicher Anklagen zutage. Überprüfen lassen sich die Aussagen der Betroffenen zwar nicht. Doch auch Menschenrechtsaktivisten berichten schon länger, dass der IS für seine Soldaten minderjährige Sexsklavinnen gefangen halte.

„Da werden Perversionen ausgelebt, die wir uns gar nicht vorstellen können“, sagt Tekkal. Auch werde die Sexsklaverei als Kriegsmittel eingesetzt. Kleine jesidische Kinder würden in reizvoller Kleidung abgelichtet. „Dann werden die Fotos an deren jesidische Eltern geschickt“. Mit solcher psychologischer Kriegsführung sollten die Feinde des IS zermürbt werden, glaubt die Filmemacherin.

„Nehmt mich, sie ist doch noch kein Kind“

Auch eine andere Szene habe sie „sehr betroffen gemacht“. Tekkal sprach mit einem 15-jährigen Mädchen, das sich nach eigener Aussage zuvor in IS-Gefangenschaft befand. „Die Kämpfer haben sie und ihre neunjährige Schwester regelmäßig vergewaltigt“, sagt Tekkal. Die 15-Jährige habe sich sogar selbst angeboten, um das Kind zu retten. „Nehmt mich, sie ist doch noch kein Kind“, habe sie den bärtigen Männern gesagt. Aber sie holten die Schwester dennoch.

Während des Gesprächs hatte die 15-Jährige einen Anfall bekommen. Tekkal resümiert: „Es ist oft nicht der Schmerz, der den Mädchen selbst angetan wurde, sondern das Leid derer, die ihnen nahestehen, das sie am Ende zerstört.“

"Dem Horror des Völkermords ein Gesicht geben“

Die Filmemacherin will dem „Horror des Völkermords ein Gesicht geben“. Sie weiß deshalb selbst, dass ihre Dokumentation „kein Popcorn-Kino ist“. Hawar soll deshalb nur in ausgewählten Kinos, Festivals und Schulen laufen.

Das Schicksal vieler Sexsklavinnen scheint derweil besiegelt. „Nicht wenige wurden in den Jemen oder Saudi-Arabien verkauft“, behauptet Tekkal. Um den Jesiden im Irak zu helfen, hält sie den Einsatz von Bodentruppen für unerlässlich. „Und ich möchte den Menschen hier zeigen, warum.“

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