POLITIK
12/11/2015 05:21 CET | Aktualisiert 13/11/2015 06:32 CET

Vier gefährliche Wahrheiten über die AfD, die viele nicht wahrhaben wollen

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Die Alternative für Deutschland (AfD) war schon mal so gut wie abgeschrieben. Das war, als der Gründer und frühere Chef Bernd Lucke von Bord ging, weil die "rechten Demagogen" die Kontrollen übernommen hatten, wie er selbst sagt. Aber diese rechte Riege um Luckes Nachfolgerin Frauke Petry machte nicht den Eindruck, dass sie an frühere Erfolge der Partei anknüpfen könne, als der AfD der Einzug in einige Landesparlamente gelang.

Dann kam die Flüchtlingskrise. Und alles änderte sich. Die Geschichte der AfD begann noch einmal von vorn. Und sie wird viel schlimmer als die der früheren AfD-Version, die zwar durch Populismus und die Aktionen fehlgeleiteter Einzelpersonen auffiel – aber auch nicht mehr. Das wird diesmal anders – dafür sprechen diese Gründe:

1. Rekordzahlen in Umfragen

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AfD-Demo am 7. November in Berlin. Foto: dpa

Erstmals ist die AfD in bundesweiten Umfragen mit zehn Prozent zweistellig. "Wir erleben wegen der Flüchtlingskrise einen gravierenden Stimmungsumschwung", sagt Insa-Chef Hermann Binkert. Und die neue Stimmung ist wie gemacht für die AfD.

Sie ist die einzige Partei, die die Sorgen vieler Wutbürger und besorgter Deutscher wirklich ernst nimmt, wenn man so will. Die die Stimmung aufnimmt und befeuert. Die nicht sagt, was vernünftig ist. Sondern was viele Deutsche hören wollen.

Wie die AfD die Gunst der Stunde nutzt, zeigt die Demonstration am Samstag in Berlin. 5000 Menschen kamen - es war die bislang größte Demo in der Hauptstadt. Das Motto: "Asyl braucht Grenzen - Rote Karte für Merkel".

2. Personal mit Potenzial

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AfD-NRW-Landeschef Marcus Pretzell. Foto: dpa

Es sind nicht mehr einzelne Mitglieder irgendwelcher Ortsverbände, die für Negativschlagzeilen sorgen. Früher distanzierte sich das Führungspersonal immer wieder von den Entgleisungen einzelner, die angeblich nicht die Partei repräsentierten. Jetzt sorgt es aber selbst dafür.

Marcus Pretzell etwa, Mitglied des europäischen Parlaments und AfD-Chef in Nordrhein-Westfalen, forderte kürzlich im Fall eines gewaltsamen Grenzübertritts von Flüchtlingen den Einsatz von Schusswaffen. Das sei doch "eine Selbstverständlichkeit".

Oder Björn Höcke, Vorsitzender der Thüringer Fraktion, der von "1000 Jahren Deutschland" spricht, wie es schon die Nazis taten. Und mit einer Notbremse droht, die das Volk in der Flüchtlingsfrage irgendwann ziehen würde.

Solche Sprüche kommen an. Auf Facebook etwa haben die Hardliner mittlerweile mehr Fans als Parteichefin Frauke Petry.

Petry, die den Machtkampf gegen Lucke vor einigen Monaten gewann, weil sie sich auf die Seite der Radikalen stellte, scheint plötzlich in der Position zu sein, in der Lucke damals war: außen vor. Und Gefahr zu laufen, von Höcke & Co. ausgebootet zu werden, weil sie zu moderat für den neuen Kurs ist. Aber dieser sich anbahnende neue Führungsstreit ist keiner – und das ist keine gute Nachricht.

3. Die Zeit arbeitet für die Partei

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Mobiltelefone leuchten auf der AfD-Demo am 4. November in Erfurt. Foto: dpa

Petry und Höcke kannibalisieren sich nicht. "Sie spielen nur ein Spiel in verteilten Rollen", sagte der frühere Parteichef Lucke der Huffington Post. "Höcke appelliert an die ganz Harten, Petry an die letzten Bürgerlichen in der AfD." In der Sache aber seien sich die Beiden einig. Sie bräuchten einander.

"Höcke weiß zudem, dass die Zeit für ihn arbeitet, weil der bürgerliche Teil der AfD immer weiter ausdünnt, während die Wut- und Protestwähler zulaufen." Die Partei wird also noch viel radikaler werden, prognostiziert Lucke, aber durch Petry wird sie immer noch etwas von ihrer bürgerlichen Tarnung bewahren. Gerade diese Mischung ist so gefährlich, weil die AfD nicht ist, was sie vorgibt zu sein. Sie verkauft sich offiziell als Alternative zur Union, ist in Wahrheit aber längst Alternative zur NPD.

Ein anderer, der eng mit der früheren AfD verbunden war, aber wie Lucke später die Reißleine zog, war Hans-Olaf Henkel. Der frühere Vize-Vorsitzende sagte dem WDR-Magazin "Westpol": "Es macht mir Kummer, dass ich mitgeholfen habe, ein richtiges Monster zu erschaffen."

4. Sie distanziert sich nicht einmal von Gewalt

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Aus dem Stück "Fear". Foto: dpa

Der Theaterregisseur Falk Richter führt derzeit das Anti-AfD-Stück "Fear" an der Berliner Schaubühne auf - und erhielt dafür Morddrohungen. Was tat die Partei? AfD-Sprecher Christian Lüth filmte unerlaubterweise in einer Aufführung und nannte es im Anschluss "beleidigend und geschmacklos". Zu den Drohungen - kein Kommentar, keine Distanzierung.

Politiker von SPD und Grünen forderten die Partei auf, sich endlich von den kriminellen Entgleisungen zu distanzieren. Schließlich kann eine auch nur annähernd demokratische Partei solche Mittel nicht gutheißen oder dulden. Die AfD sieht das offenbar anders und schweigt.

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