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11/11/2015 10:19 CET | Aktualisiert 11/11/2015 11:35 CET

Teresa Enke fordert einen offenen Umgang mit Depressionen, ähnlich wie mit der Krebserkrankung von Guido Westerwelle

Klubovy via Getty Images
Diese Wahrheit solltest du kennen, wenn du Menschen mit Depressionen ernst nehmen willst

Vor genau sechs Jahren nahm sich Nationaltorwart Robert Enke das Leben. Er litt an schweren Depressionen.

An seinem Todestag fordert nun seine Witwe Teresa in einem emotionalen Blog-Post, den gesellschaftlichen Umgang mit der Krankheit zu ändern.

Denn viele Betroffene fühlten sich nach wie vor mit ihrer seelischen Krankheit in eine Tabuzone gedrängt. So ging es auch ihrem Mann Robert.

Als positives Beispiel verweist Enke in ihrem Statement auf Guido Westerwelle, der offen mit seiner Leukämie-Erkrankung umgeht.

Lasst uns über Depressionen so offen reden, wie Westerwelle über Krebs

“Die beeindruckenden Auftritte des ehemaligen Außenministers Guido Westerwelle in den Medien dieser Tage haben demonstriert, wie selbstverständlich wir heute über Krebserkrankungen reden können.

Meine Eltern haben mir erzählt, dass vor 30, 40 Jahren über Krebs noch genauso verdruckst geschwiegen wurde wie bis zu Roberts Tod über seelische Krankheiten.“

enke

Nationaltorhüter Robert Enke nahm sich 2009 das Leben.

Die deutsche Gesellschaft müsse es endlich schaffen, mit Depressionen genauso offen und kompetent umzugehen, wie mit Krebserkrankungen. Denn ebenso wie der Krebs könnten Depressionen jeden treffen, so Teresa Enke weiter. “Der Betroffene kann nichts dafür, unter Depressionen zu leiden.“

"Der Fußball hat Robert nicht umgebracht"

In ihrem Text geht sie außerdem auf den Freitod ihres Mannes ein und räumt mit einem Missverständnis diesbezüglich auf. Die immer wieder kursierende Behauptung, der Fußball sei Schuld am Tod ihres Mannes, sei falsch. Wahrscheinlich hätte er auch in einem anderen Beruf unter seinen Depressionen gelitten.

Richtig sei aber, dass der Profi-Fußball Robert Enke zeitlebens das Gefühl gegeben habe, seine Krankheit geheim halten zu müssen, wodurch seine professionelle Behandlung extrem erschwert wurde.

Sportpsychologen allein reichen nicht aus

Des Weiteren betont Teresa Enke die Wichtigkeit von Sportpsychologen. “Praktisch jeder Profiklub beschäftigt heute einen Sportpsychologen, und ich habe den Eindruck, viele Leute in den Vereinen glauben: Damit haben wir unsere Sportler doch in allen psychischen Fragen gut versorgt. Das ist aber nicht der Fall.“

depression

Sportpsychologen seien dazu da, die mentale Leistungsfähigkeit eines Sportlers zu fördern. Für seelische Probleme seien sie aber nicht zuständig und oft auch nicht ausgebildet. Dazu bedürfe es einer besseren Zusammenarbeit der Vereine mit Psychotherapeuten und Sportpsychiatern.

Genauso normal wie ein Kreuzbandriss

“Es ist wichtig, dass der Profifußball versteht, dass Depressionen unter Fußballern genauso vorkommen wie Kreuzbandrisse. (...) Und dass sie eine ebenso erstklassige Behandlung verdienen.“

Die Robert-Enke-Stiftung, die nach dem Tod des Nationaltorwarts gegründet wurde, widmet sich der Aufklärung über Depressionen und Kinder-Herz-Krankheiten sowie deren Behandlung. Die Stiftung hat ein breites Netz an professionellen Helfern, an die sich Betroffene und Vereine wenden können.

Über eine Telefon-Hotline können Sportler, die unter Depressionen leiden, Hilfe in ihrer Nähe bekommen.

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