WIRTSCHAFT
11/11/2015 14:56 CET | Aktualisiert 13/11/2015 06:36 CET

Reporter schleusten sich in Aldi-Filiale ein - was sie filmten, ist erschreckend

Bloomberg via Getty Images
A customer leaves an Aldi supermarket store in London, U.K., on Monday, June 29, 2015. The growth of Aldi and fellow German-owned discounter Lidl has changed the British grocery landscape over the last five years. Photographer: Jason Alden/Bloomberg via Getty Images

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Aldi steht immer wieder in der Kritik: Fleisch, das mit Keimen belastet ist, alte Brötchen und Mitarbeiter, die vom Chef gemobbt werden.

Doch der Discounter scheint derzeit ein noch viel gravierenderes Problem zu haben: vergammelte Lebensmittel, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und überarbeitete Arbeitnehmer – das will zumindest das Team einer Fernsehsendung aus Großbritannien herausgefunden haben.

Die Macher der Dokureihe "Dispatches“ von Channel 4 hatten es sich in der Sendung "Aldi Supermarket Secrets“ zum Ziel gemacht herausfinden, wer den eigentlichen Preis für die Schnäppchen aus dem Discounter-Regal zahlt.

Undercover-Reporter in Aldi-Filialen

Dafür schleusten sich Undercover-Reporter in zwei Filialen in Großbritannien ein und arbeiteten dort als Hilfskräfte. Mit dabei: Eine versteckte Kamera, mit der die Journalisten ihren Arbeitsalltag auf Video festhielten.

Was die beiden Reporter dort erlebten, wirft ein schlechtes Licht auf den Discounter.

Der erste Vorwurf: Die Mitarbeiter sollen unter sehr hohem Druck stehen. Aldi erwartet, dass jeder Mitarbeiter pro Stunde 1200 Produkte über das Kassenband zieht. Das steht im Mitarbeiterbuch, das die Reporter während ihres Undercover-Einsatzes ausgehändigt bekamen.

Hohe Sicherheitsmängel

Außerdem: Die Mitarbeiter stehen so unter Zeitdruck, dass sie die Ware nicht ins Regal legen, sondern regelrecht werfen. Auch das zeigen die Aufnahmen mit der versteckten Kamera.

Zum anderen soll es in den britischen Filialen erhebliche Sicherheitsmängel geben. Ein Reporter beobachtete laut der Sendung, wie eine Kollegin auf ungesicherte Regale klettert. Denn meistens fehlt der Belegschaft die Zeit, eine Leiter aufzustellen.

Notausgänge sind mit Paletten und Kisten versperrt. Der Grund: Die Ladenflächen werden zwar vergrößert, aber nicht die Lagerräume. Das berichtet ein Filialleiter in der TV-Dokumentation.

Vergammelte Lebensmittel

Neben den fragwürdigen Arbeitsbedingungen und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen kritisiert das Team von Channel 4 auch den Zustand der Lebensmittel.

Die Reporter berichten, dass einige der Nahrungsmittel im Discounter nicht nur zerquetscht und beschädigt, sondern auch verschimmelt waren. Und zwar auch die, die Aldi im Laden an die Kunden verkaufte – wie zum Beispiel eingefrorener Schinken, der seit drei Monaten abgelaufen war.

Was ist dran den Vorwürfen der Undercover-Reporter?

Aldi Großbritannien hat sich bereits zu den Ergebnissen der Dokumentation geäußert. "Die Sendung stellt Aldi falsch dar und basiert auf selektiven Informationen. Unsere Kunden kommen zu Aldi, weil wir ihnen die besten Produkte zum besten Preis anbieten.“

Auf Anfrage der Huffington Post verwies Aldi Süd auf die Pressemitteilung aus Großbritannien.

Die TV-Dokumentation bezieht sich nur auf zwei Filialen, in denen die Bedingungen offensichtlich mies waren. Daraus lässt sich demnach nicht ableiten, dass Aldi in Großbritannien grundsätzlich nicht auf seine Mitarbeiter achtet oder per se schlechte Ware anbietet.

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