POLITIK
10/11/2015 05:15 CET | Aktualisiert 18/01/2016 12:01 CET

WM-Vergabe 2006: Franz Beckenbauer soll das Skandal-Dokument unterschrieben haben

dpa

Heftige Vorwürfe gegen Franz Beckenbauer:Wie die "Bild" berichtet, hat der 70-Jährige den Vertragsentwurf zu einer möglichen Bestechung rund um die WM-Vergabe selbst unterschrieben.

Beckenbauer soll das Papier vier Tage vor der WM-Vergabe im Juli 2000 unterschrieben haben. Der Vertragsentwurf sah einen Deal mit dem damaligen Präsidenten des Concacaf-Verbandes, Jack Warner, vor.

Nicht nur die "Bild" hat die brisanten Informationen. Auch die "Süddeutsche Zeitung" veröffentlichte am Dienstagmittag einen Bericht, nach dem die "Spur in der WM-Affäre" zu Beckenbauer führt. "An dem offenkundigen Versuch, mit fragwürdigen Mitteln die Stimme des Fifa-Skandalfunktionärs Jack Warner für die WM 2006 zu besorgen, waren Franz Beckenbauer und dessen Vertrauter Fedor Radmann beteiligt", schreibt das Blatt.

Für Beckenbauer dürfte es jetzt eng werden. Die "SZ" berichtet, dass es im Mai 2000, wenige Tage vor der Vergabe der WM 2006 an Deutschland, einen Vertragsentwurf gegeben habe, der "eine umfangreiche Kooperation mit der Concacaf vorsah, der Fußball-Organisation für die Karibik, Nord- und Mittelamerika gegeben habe. Der Concacaf sollten umfangreiche Leistungen zugute kommen, schreibt die "SZ".

Die Spur führt in die Dunstkreise des Weltfußballs. Chef der Concacaf war damals Fifa-Vizepräsident Jack Warner, einer der seit langem umstrittensten Funktionäre im Weltfußball. Warner ist erst vor wenigen Wochen von der Ethikkommission der Fifa wegen zahlreicher Vergehen und "Bereicherung" lebenslang für alle Fußball-Ämter gesperrt worden.

Jetzt die umfassenden Vorwürfe gegen Deutschlands Fußball-Idol: Auf deutscher Seite waren laut Vertragsentwurf mindestens zwei Leute an dem Vorgang von Mitte 2000 beteiligt: Franz Beckenbauer, Chef des Bewerbungskomitees für die WM, und dessen Vertrauter Fedor Radmann. Während Beckenbauer damals auf offener Bühne für die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland warb, wirkte Radmann im Hintergrund.

Der Vertragsentwurf sorgt für blankes Entsetzen im Verband. Beim DFB heiße es, der Entwurf beschreibe sehr genau das damalige Geschäftsmodell von Jack Warner, berichtet die "SZ". Der Concacaf-Chef sicherte sich immer wieder günstig TV-Übertragungsrechte für Fußballereet-Kontingente, die er dann teuer verkaufte und so Millionenbeträge verdiente.

Genau dieses Modell könnte auch in dem jetzt gefundenen Vertragsentwurf angelegt gewesen sein. Nach Angaben aus DFB-Kreisen soll es unter anderem um Freundschaftsspiele und Tickets gegangen sein. Im DFB hofft man nun, dass Beckenbauer und Radmann sich zu diesem dubiosen Vorgang erklären. Ohne die Mithilfe der beiden, heißt es, könne man diese Sache nicht aufklären. "Wir können die beiden aber nicht zwingen."

Lesenswert:

Video: Diese 23 Sekunden belegen die ganze Scheinheiligkeit der Fifa-Welt

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite