WIRTSCHAFT
10/11/2015 12:31 CET | Aktualisiert 10/11/2015 17:00 CET

Otto steigert Umsatz mit Onlinemöbeln: Ikea kann nicht wollen, dass ihr von diesen Möbeln wisst

WDR/Thomas Brill
Ikea

Billy, Pax und Co.: Fast jeder von uns hat mindestens ein Ikea-Möbelstück in seiner Wohnung stehen, oder? Schließlich gibt es in kaum einem anderen Einrichtungshaus so preiswerte Möbel wie bei Ikea.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn es gibt ein Unternehmen, welches das schwedische Möbelhaus gerade mächtig in den Schatten stellt: der Versandhändler Otto.

Dort gibt es schon lange nicht mehr nur Kleidung aus dem Katalog zu kaufen. Inzwischen kann der Kunde im Onlineshop auch Tische, Schränke und Betten erwerben. Und Ikea kann nicht wollen, dass ihr davon wisst. Schließlich muss das schwedische Möbelhaus Angst haben, noch mehr Kunden an Otto zu verlieren. Schon jetzt ist der Versandhändler der größte Konkurrent des schwedischen Möbelhauses.

Wie Otto mit seinem Onlineshop zur Erfolgsgeschichte wurde, seht ihr im Video. (Der Text geht unter dem Video weiter.)

Nicht nur mit Kleidung ist Otto erfolgreich. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren zum größten deutschen Internethändler auf dem Möbelmarkt entwickelt. Das beweist auch eine beeindruckende Zahl: Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr rund 600 Millionen Euro Umsatz nur mit Möbeln aus dem Internet gemacht.

Zum direkten Vergleich: Das ist viermal mehr als bei Ikea. Das berichtet die „Welt“.

Möbel aus dem Internet sind eine Marktlücke

Wie hat Otto das geschafft? Die Antwort ist simpel: Der Versandhändler hat früh erkannt, dass Möbel aus dem Internet derzeit eine Marktlücke sind. Selbst Amazon – der größte Versandhändler in Deutschland – setzt noch nicht darauf, Möbel im großen Stil an den Kunden zu bringen.

„Bei Onlinemöbeln gibt es in Deutschland eine Nische. Kein anderes Unternehmen in Deutschland hat sich bislang um diesen Markt gekümmert. Und wir nutzen sie“, sagt Otto-Pressesprecher Frank Surholt im Gespräch mit der „Huffington Post“.

Dass Verbraucher zunehmend Möbel im Internet kaufen wollen, bestätigt auch das Kölner Forschungsinstitut IFH. Die Kunden bestellen statt Mode und Accessoires verstärkt Möbel – auch sperrige Möbelstücke wie Sofas und Betten.

Möbelmarkt im Internet wächst stetig

„Seit 2009 ist der Online-Markt für Möbel kontinuierlich gewachsen. Der noch unterdurchschnittliche Online-Anteil in der Branche weist darauf hin, dass das Ende des Wachstums noch lange nicht erreicht ist“, sagt Hansjürgen Heinick, Senior Consultant am IFH Köln.

Aber Otto ruht sich nicht nur darauf aus, eine Marktlücke zu besetzen. Der Konzern optimiert auch sein Angebot, um Kunden nicht an Konkurrenten wie Ikea oder Amazon zu verlieren.

Zum einen werden die Kunden über Google in den Shop gelockt. “Vielen Kunden suchen etwas bei Google und landen so bei uns. Wir setzen stark auf Online-Marketing“, sagt Pressesprecher Surholt der „Huffington Post“.

Otto optimiert den Möbelversand

Zum anderen optimiert Otto sein Liefersystem. Ab 2016 können die Kunden deutschlandweit selbst entscheiden, wann die Ware zu ihnen kommen soll – dafür bietet Otto ein Zeitfenster von vier Stunden an. Das ist neu: Denn normalerweise bekommt der Kunde einen festen Termin zugeteilt, wann das Speditionsunternehmen das neue Möbelstück liefert. Beim Konkurrenten Ikea muss der Kunde bis zu neun Stunden auf die Lieferung warten.

Fest steht: Der Onlinemöbelmarkt wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Denn der Kunde möchte schnell und unkompliziert die neuen Möbel ins neue Zuhause bekommen. Dabei ist es noch völlig offen, welches Unternehmen letztlich den Markt für sich entscheidet.

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