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10/11/2015 11:39 CET | Aktualisiert 10/11/2015 17:18 CET

Weil seine Schüler schlechte Noten hatten, wagte dieser Lehrer einen radikalen Schritt

Schuldirektor Greg Green hatte eine Idee, wie er die Schüler der Clintondale High School neu motivieren konnte.
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Schuldirektor Greg Green hatte eine Idee, wie er die Schüler der Clintondale High School neu motivieren konnte.

2010 gehörte die Clintondale High School zu den schlechtesten Schulen im US-Bundesstaat Michigan.

In den USA wird die Qualität einer Schule an der Anzahl ihrer Absolventen und anhand ihrer Übergangs-Quoten von der High School zur Universität bemessen. Die Zahlen werden am Ende eines Schuljahres veröffentlicht und sind ausschlaggebend für die Popularität und damit auch für den Zulauf einer Schule.

Damals gingen bloß 63 Prozent der Absolventen nach der High School auf die Uni, 35 Prozent eines Jahrgangs schafften den Abschluss gar nicht erst.

Zusehen, wie die Schüler scheitern

Der Schuldirektor Greg Green war damals bereits 12 Jahre im Amt und wollte nicht länger mit ansehen, wie seine Schüler scheiterten. Er entwickelte eine Idee, die den Alltag von Schülern und Lehrern komplett umkrempeln sollte.

Green ist nicht nur Direktor, sondern auch Baseball-Trainer an seiner Schule. Aus dem Training wusste er, dass Spieler besser lernen, wenn sie ihr eigenes Spiel im Video beobachten können.

Diese Methode wollte Green zunächst exemplarisch in einer Klasse auch auf den Unterricht anwenden.

Videos zu Hause gucken

Die Schüler der Versuchs-Klasse bereiteten sich also fortan zu Hause mithilfe von Videos auf den Unterricht vor. Die Zeit, die sie zum Anschauen der Videos benötigten, wurde von der regulären Unterrichtszeit abgezogen. In der Schule erledigten die Schüler dann nur noch ihre Hausaufgaben im Beisein der Lehrer.

Und tatsächlich: Binnen weniger Wochen verbesserte sich das Niveau der Klasse beträchtlich.

Grund für den Erfolg ist unter anderem die neugewonnene Flexibilität der Schüler. Ein Schultag an einer amerikanischen High School ist im Schnitt 6,7 Stunden lang. Hinzu kommen 3,5 Stunden Hausaufgaben pro Abend. Und dazu kommen noch Freizeitaktivitäten wie Sport- oder Musikgruppen.

10-Stunden-Tage für Schüler sind normal

Ein durchschnittlicher Schüler hat unter der Woche also einen 10-Stunden-Tag. Dass die geistigen Aufnahmekapazitäten dann irgendwann erschöpft sind, klingt logisch.

Mit der neuen Unterrichts-Methode via Video können die Jugendlichen sich ihre Zeit freier einteilen und den Stoff in ihrem eigenen Tempo lernen.

Ein Erfolg, der sich an der Clintondale High School auch in Zahlen widerspiegelt: Bereits nach zwei Jahren gingen 80 Prozent der Absolventen im Anschluss an die Schule auf eine Universität. Die Abbruch-Quote sank von 35 auf 10 Prozent.

Von Fünfen und Sechsen auf Eins

“Nachdem ich auf die Clintondale High School gewechselt habe, haben sich meine Noten enorm verbessert. Früher hatte ich viele Fünfen und Sechsen. Inzwischen habe ich in fast allen Fächern eine Eins,“ sagt eine Schülerin.

Inzwischen haben diverse andere Schulen das Konzept von Direktor Green übernommen. Während 2012 nur 48 Prozent ihren Unterricht mithilfe von Videos durchführen, waren es 2014 bereits 78 Prozent.

„Manchmal muss man etwas Neues wagen, um seine Situation zu ändern. Auch wenn es hart ist, der erste mit einer verrückten Idee zu sein“, sagt Direktor Green.

Einen TV-Beitrag zu dem Thema sehen Sie hier:

Video: „Erkläre den Begriff Vakuum“: Clever oder Gaga? 11 wirklich unglaubliche Schülerantworten

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