POLITIK
10/11/2015 13:54 CET | Aktualisiert 10/11/2015 13:57 CET

Grüner Dieter Janecek fordert Belohnungen für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Getty

Vor ein paar Tagen machte ein Video die Runde. Das Video einer jungen Frau aus Hamburg, die sich selbst aufgenommen hatte. Weil sie eine Botschaft ins Land senden wollte: "Ich kann einfach nicht mehr."

Die junge Frau ist Flüchtlingshelferin, ehrenamtlich. Sie berichtete von der Überforderung aller Menschen, die sich "totarbeiten", um Flüchtlingen in Deutschland einen menschenwürdigen Empfang zu bereiten. "30-, 40-Stunden-Schichten. Neben der Arbeit. Neben der Uni."

Und anders gehe es auch nicht, denn "wenn wir nicht wären: Ich weiß nicht, was dann los wäre." Deutschland ist in der Flüchtlingshilfe von den ehrenamtlichen Helfern abhängig. Ohne sie würde das gesamte System vermutlich einstürzen. Das sagen zumindest viele Ehrenamtliche. Und den Eindrücken von verschiedenen Flüchtlingsunterkünften zufolge stimmt das auch. Zugleich geraten ehrenamtliche Flüchtlingshelfer genauso wie Kommunalpolitiker und viele andere, die für eine Willkommenskultur werben, immer stärker ins Visier von rechten Extremisten.

Deshalb sollte man diese Menschen für ihren Einsatz belohnen, fordern nun Politiker. Und gleichzeitig neue Helfer für ein Engagement motivieren. "Wir müssen ehrenamtliche Flüchtlingshelfer belohnen, indem wir Erleichterungen für sie schaffen", sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Dieter Janecek.

Eine Vergütung erhält man für eine ehrenamtliche Tätigkeit zwar nicht. Denn die Tatsache, dass man ohne Entgelt arbeitet, ist ja gerade das Kennzeichen des Ehrenamtes. Aber eine Aufwandsentschädigung wäre nach offizieller Definition in Ordnung.

"Vergünstigte ÖPNV-Tickets oder freier Eintritt in Kultureinrichtungen und Bäder wären ein starkes Zeichen der Wertschätzung an die vielen Flüchtlingshelferinnen und -helfer", sagt Janecek. "Zudem sollten die Helfer Arbeitszeugnisse erhalten, damit ihr Engagement zum Beispiel für künftige Jobbewerbungen dokumentiert ist."

Mancherorts gibt es schon Ansätze. In Sachsen etwa können Menschen, die Flüchtlingshilfe leisten, eine pauschale Aufwandsentschädigung beantragen. Für monatlich mindestens 20 Stunden Einsatz von August bis Dezember zahlt der Freistaat bis zu 40 Euro.

Natürlich muss sich der Staat fragen, warum es überhaupt so viele Ehrenamtliche braucht, um der Lage im Moment Herr zu werden. Aber solange er die Herausforderung nicht aus eigener Kraft in den Griff bekommt, sollte er sich dankbar zeigen bei denjenigen, die ihm die Arbeit abnehmen.

Janecek hatte das vor einigen Monaten schon in einem anderen Zusammenhang gefordert. Damals sprach er sich dafür aus, Menschen zu belohnen, wenn sie privat Flüchtlinge aufnehmen. "Ich bin dafür, dass Menschen motiviert werden, Gutes zu tun", sagt er.

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