POLITIK
09/11/2015 03:05 CET

Diese Veränderung des IS könnte zur Bedrohung für uns werden

Der Ägypter Abu Osama al-Masri soll hinter dem Anschlag auf den Metrojet-Airbus stecken
Twitter
Der Ägypter Abu Osama al-Masri soll hinter dem Anschlag auf den Metrojet-Airbus stecken

Inzwischen glaubt kaum noch jemand an einen Unfall. Selbst Russland und Ägypten scheinen inzwischen davon auszugehen, dass der Absturz des russischen Metrojet-Flugzeugs ein Terroranschlag war.

"Wir sind zu 90 Prozent sicher, dass es eine Bombe war", sagte ein Mitglied des ägyptischen Ermittlerteams am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Das habe die Auswertung des Flugschreibers ergeben. Auch die US-Geheimdienste sind sich zu "99.9 Prozent sicher", dass es ein Terroranschlag war.

Der "Islamische Staat" scheint dafür verantwortlich zu sein. Der britische Geheimdienst hält den Ägypter Abu Osama al-Masri für den Urheber. Al-Masri führt einen Ableger der Terrororganisation "Islamischer Staat" auf der Sinai-Halbinsel, auf der der russische Passagierjet abstürzte. Er hatte sich in einem Video am 4. November zu dem Anschlag bekannt. Wenn tatsächlich der IS hinter dem Anschlag steckt, würde diese eine krasse Wende in den Taktiken der Terrormiliz bedeuten - und die sollte uns Sorgen bereiten.

Bisher hat der IS Terror als Mittel zur Durchsetzung seiner Ziele nicht eingesetzt. Sicher, seine Kämpfer haben schreckliche Dinge in den eroberten Gebieten getan. Auch hat er immer wieder Anhänger dazu aufgefordert, Anschläge auf westliche Länder zu verüben. Aber es blieb nur bei Worten. Terroranschläge außerhalb des IS-Gebietes wurden meist von dilettantischen Einzeltätern verübt, die bereits in den Ländern lebten. Nie hat der IS ausgebildete Kämpfer geschickt, um Attentate zu verüben.

Daran hat die Miliz kein Interesse. Und das liegt an ihren Kriegszielen. Bei der Sicht auf den Islamischen Staat gibt es ein großes Missverständnis: Das der IS wie Al-Kaida einen Krieg gegen den Westen, das Christentum und seine Kultur führen würde. Tatsächlich ist der Krieg in Syrien und dem Irak ein Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten, indem es um die Sicherung von Gebieten und Ölquellen geht.

Die Geschichte vom Religionskrieg ist ein Märchen. Es dient dazu, sich die Unterstützung ausländischer Kämpfer und arabischer Spender zu sichern und um die vielen Stämme und Clans, welche sich dem IS angeschlossen haben, zusammenzuhalten. Damit unterschied sich das Vorgehen des IS bisher grundlegend von dem von Al-Kaida. Osama bin Ladens Kämpfer planten spektakuläre Selbstmordanschläge, um "Kreuzzügler" zu töten - die IS nutzte seine Kämpfer lieber, um Ölquellen zu erobern.

Dieses Attentat bedeutet daher eine Wende. Der Anschlag auf den russischen Metro-Jet zielt darauf ab, die russische Öffentlichkeit gegen Putins Syrien-Einsatz aufzubringen - um den russischen Präsidenten zur Einstellung seiner Luftangriffe zu bewegen. Terror wird vom IS erstmals als Waffe in einem Krieg um Territorien eingesetzt.

Dabei nutzt der IS die Unterstützung lokaler Kämpfer - ein Franchise des Terrors. Die Gruppe, die aller Wahrscheinlichkeit nach den Anschlag verübt hat, trat 2011 als Ansar Beit al-Makdis ("Unterstützer Jerusalems") in Erscheinung, leistete aber vor einem Jahr dem IS seinen Treueschwur. Auch in anderen ägyptischen Regionen ist sie aktiv. So bekannten sich die Dschihadisten sich zu mehreren Attentaten in Kairo. Die Verbindungen reichen bis in den Sudan.

In Ägypten nimmt der Terror damit ganz neue Formen an. Bislang konzentrierte sich Ägyptens IS auf den Kampf im eigenen Land und nahm vor allem die Sicherheitskräfte ins Visier. Von einem Attentat auf den russischen Jet gingen zwei Botschaften aus: Ägyptens Extremisten nehmen die Bindung an den IS in Syrien und im Irak sehr ernst. Und sie sind bereit, die so wichtige Tourismusbranche zu attackieren, um dem Land zu schaden.

Der IS ist bereit, Terror-Anschläge auf die Bürger Russlands und westlicher Staaten zu verüben. Und er kann dabei auf sein Terror-Netzwerk zurückgreifen. Für die 62 an Staaten, die an der Koalition gegen den IS beteiligt sind, heißt dies: Die Miliz kann ihrer Bürger überall im Nahen Osten angreifen.

Und das sollte uns große Sorgen bereiten.

Comic dient zur Aufklärung: Hier greift ein kleines Mädchen öffentlich die ISIS-Propaganda-Methoden an

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite