POLITIK
06/11/2015 14:38 CET | Aktualisiert 07/11/2015 09:36 CET

"Moskau ist alarmiert": Warum es jetzt eng wird für Putin

"Moskau ist alarmiert": Warum es jetzt eng wird für Putin
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"Moskau ist alarmiert": Warum es jetzt eng wird für Putin

Hartnäckig hält Russlands Präsident Wladimir Putin daran fest: Von einem Terroranschlag auf die russische Passagiermaschine in Ägypten könne nicht die Rede sein. Kein Wunder: Es wäre eine bitteres Eingeständnis für den Machthaber. Denn damit hätte die Intervention in Syrien das erste Mal auch schwere Folgen für die Russen.

Doch die Hinweise verdichten sich, dass es eine Bombe im inneren des Flugzeugs gewesen ist, die die Maschine zum Absturz gebracht hat. Hier sind sechs Gründe, warum es für Putin eng wird.

1. Der Flugstopp offenbart, dass auch der Kreml die Anschlagsgefahr nicht ignorieren kann

Der von Putin verhängte Flugstopp ist ein mindestens indirektes Eingeständnis Moskaus. „Der späte Stopp der Ägyptenflüge zeigt: Moskau sträubt sich gegen die wachsende Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlages, kann aber die Gefahr eines weiteren Anschlags nicht länger ignorieren“, sagt der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, der Huffington Post.

2. Der Geheimdienst ist alarmiert

Der Flugstopp erfolgte nur kurze Zeit, nachdem der russische Geheimdienst eine alarmierende Warnung herausbrachte. „Bis die wirklichen Gründe für die Vorgänge geklärt sind, halte ich es für nützlich, die russischen Flüge nach Ägypten einzustellen“, sagte Alexander Bortnikow, der Chef von Russlands Geheimdienst FSB. „Wir brauchen absolut objektive und bestätigte Daten über die Ursache der Katastrophe“, betonte er.

3. Die Blackbox stützt den Anschlags-Verdacht

Es gibt zahlreiche Hinweise, die den Terrorverdacht stützen. Der aktuellste: Auf der Blackbox ist laut französischen Medien eine Explosion zu hören.

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Das berichtete der Fernsehsender "France 2" unter Verweis auf einen Ermittler. Dieser habe erklärt, die Explosion sei nicht die Folge einer Triebwerkspanne.

Die Nachrichtenagentur AFP meldete unter Berufung auf eine anonyme Quelle, der Flugdatenrekorder bestätige einen plötzlichen Absturz: "Alles ist normal, völlig normal während des Flugs, und dann plötzlich nichts mehr."

4. Ein Anschlag wäre eine Kriegserklärung an Moskau

Seit Wochen werfen russische Jets Bomben auf IS-Stellungen. „Präsident Putin hat mit seiner Militärpräsenz in Latakia und seinen Luftangriffen ein klares Signal an alle Rebellen gesendet: Wer Damaskus erobern will, hat es mit der militärischen Weltmacht Russland zu tun“, sagte Erler der HuffPost.

Bestätigt sich der Anfangsverdacht, kann das durchaus als Kriegserklärung an Russland gesehen werden. „Steht der IS tatsächlich hinter dem Absturz auf dem Sinai, lautet seine an Moskau gerichtete Antwort: Wir nehmen es mit euch auf und werden euch treffen, egal wo auf der Welt. Das muss die russische Politik alarmieren“, sagt Erler.

5. ... und würde Putin in Erklärungsnot bringen

Bestätigt sich der Terrorverdacht, muss sich Putin die Frage auch aus seiner eigenen Bevölkerung gefallen lassen: Warum hat der Kreml die Flüge erst zweit Tage später als andere Airlines die Flüge gestoppt – und damit leichtfertig Leben aufs Spiel gesetzt?

6. ... und wäre eine schwere Niederlage für Putin

Die Russen sehen die Intervention in Syrien mit gemischten Gefühlen. Solange sich die Angriffe auf die Luft beschränken, werten sie den Kampf gegen Rebellen als Stärke. Dieses Verständnis könnte aber aufhören, wenn sich der Anschlagsverdacht bestätigt.

Russland-Experte Erler sagt: „Die russische Regierung ist über die Wirkung eines solchen Terroranschlags außerordentlich besorgt. Sollte es tatsächlich ein Terroranschlag gewesen sein, wird es schwer für Putin. Obwohl er gerade den Zenit seiner Zustimmung erreicht hat, könnte das Interesse an der Syrien-Intervention abnehmen. Viele russische Bürger wissen nicht, was Russland in Syrien verloren hat. Sie fragen sich: Was machen wir da?“

Seine Hoffnung ist, dass sich Putin durch den Anschlag bestärkt fühlt, gemeinsam mit dem Westen eine politische Verhandlungslösung für den Stellvertreterkrieg in Syrien zu suchen.

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