POLITIK
06/11/2015 05:49 CET | Aktualisiert 18/01/2016 12:05 CET

Besorgniserregender Trend: Deutsche decken sich mit Pfefferspray ein

Es war eine schaurige Meldung, die da kürzlich in Österreich die Runde machte: Immer mehr Menschen rennen Waffengeschäften die Bude ein. Der Grund? Die Flüchtlingskrise. Laut Medienberichten sollen in diesem Jahr schon 70.000 Waffen mehr in Deutschlands Nachbarland verkauft worden sein als 2014.

Waffen-Hamstern als Antwort auf eine der größten humanitären Katastrophen der jüngsten Geschichte? Eine Willkommens-Kultur sieht jedenfalls anders aus. Jetzt gibt es aktuelle Zahlen, die belegen, dass auch die Deutschen vermutlich vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise privat aufrüsten.

"Die Angst geht um"

So kommt es nach Angaben des "Focus" derzeit bundesweit zu erheblichen Lieferschwierigkeiten von Pfeffersprays. „Die Angst geht um“, zitiert das Nachrichtenmagazin Kai Prase, Geschäftsführer der Firma DEF-TEC Defense Technology GmbH in Frankfurt, einem der großen Produzenten von Abwehr­mitteln.

„Wir sind seit etwa sechs bis sieben Wochen praktisch ausver­kauft.“ Im Vergleich zum Vorjahr seien die Bestellungen in den vergangenen zwei Monaten um mehr als 600 Prozent gestiegen. Nur noch Teillieferungen, so Prase, seien möglich. Die Wartezeit liege inzwischen bei etwa fünf Wochen.

Ein Großteil der Deutschen haben Angst vor der Flüchtlingskrise

Als Grund geben Hersteller und Händler an, der enorme Zuzug von Flüchtlingen in den vergangenen Wochen verunsichere offenbar viele Menschen. Eine Theorie, die durchaus stimmen kann. Zuletzt hatte eine Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag der ARD-"Tagesthemen" ergeben, dass die Flüchtlingskrise viele Ängste bei den Deutschen weckt.

Doch wer sich jetzt mit Waffen eindeckt, der hat nicht verstanden, was Deutschland 2015 braucht: offene Arme statt Zäune, Integrationswille statt Hass. Um es kurz zu machen: Wer jetzt meint, er brauche Pfefferspray, der irrt. Gewaltig.

VDB führt Anstieg der Verkäufe auf Wölfe in Deutschland zurück

Ein Sprecher des Verbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB) bestätigte auf Anfrage der Huffington Post die Zunahme an Verkäufen von Pfeffersprays. Er sieht allerdings keinen Zusammenhang mit der Angst der Deutschen vor der Flüchtlingskrise.

"Dass die Kunden aus Angst vor Flüchtlingen Pfeffersprays kaufen, können wir nicht bestätigen", sagte der Sprecher. Das habe eine Telefonumfrage bei den Kunden von Waffenhändlern in den vergangenen vier Wochen ergeben. Vielmehr führt er den Anstieg der Verkäufe auf die vermehrte Berichterstattung über das Aufkommen von Wölfen in Deutschland zurück. "Die Menschen haben Angst, dass Wölfe in ihre Nachbarschaft kommen und wollen sich im Notfall schützen können", sagte er der Huffington Post.

Außerdem gibt er als Grund die "gute Beratung der Waffenhändler" an, die dazu führe, dass immer mehr Menschen sich mit einem Pfefferspray sicherer fühlten.

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