POLITIK
05/11/2015 08:38 CET

Linken-Chefin Katja Kipping rechnet mit Deutschlands Versagen in der Flüchtlingskrise ab

Linken-Chefin Katja Kipping
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Linken-Chefin Katja Kipping

Sie wollte selbst erfahren, was diese engagierten Helfer in der Berliner Flüchtlings-Aufnahmestelle Lageso leisten. Einen Tag lang half Linken-Chefin Katja Kipping in dem Registrierungszentrum mit, in dem die Neuankömmlinge auch Essen und Kleidung bekommen. Doch Respekt für die Freiwilligen ist nicht das einzige Gefühl, mit dem Kipping nach Hause ging.

Es blieb ihr vor allem: Wut.

Denn vor Ort stellte Kipping fest, dass die Helfer nicht nur eine nützliche Ergänzung sind - sondern für die Flüchtlingshilfe in Deutschland unentbehrlich. Menschen, die für nichts anderes als ein Dankeschön arbeiten, sind die tragende Säule des Asylsystems.

Mit anderen Worten: Der Staat hat in der Flüchtlingskrise völlig versagt. Und mit Angela Merkels "Wir schaffen das" ist eigentlich ein "Ihr schafft das" gemeint.

Kipping, die in der Anlaufstelle Kleider sortierte und ausgab, stellte fest, dass "die Freiwilligen derartig alleingelassen werden und Arbeiten übernehmen, die sonst Menschen ausüben, die dafür jahrelang ausgebildet wurden und bezahlt werden müssten", wie sie in einem Gastbeitrag für die "taz" schreibt. Kein Personal, das die Arbeit mit den Neuankömmlingen koordiniert. "Das Staatsversagen ist nicht erkennbar, denn die Freiwilligen gleichen es aus."

Die allerdings bezahlen ihr Engagement mit einer extremen Belastung. Sie seien "mit Schicksalen von Menschen konfrontiert, die einen selbst dann überfordern können, wenn man sie nicht selbst erlebt hat, sondern sie eben nur aus Erzählungen erfährt". Es geht um "Menschen, die Kinder, Partner und Freund*innen im Mittelmeer ertrinken sahen".

Die Flüchtlinge haben Schreckliches erlebt. Sie brauchen eigentlich psychologische Hilfe. Doch zum Reden bleiben nur die Helfer. Und wer hilft denen, all die traumatischen Schilderungen zu verarbeiten? "Diese Fluchtschicksale und das Ausgeliefertsein beschäftigen und belasten auch die Unterstützenden", schreibt Kipping.

Es ist ein Skandal: ein Staat, der sich selbst gefällt mit der Willkommenskultur, die seine Bürger demonstrieren - aber selbst nicht die notwendigen Mittel zur Hilfe bereitstellen kann. Kipping findet dafür nur ein Wort: "verantwortungslos".

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