POLITIK
05/11/2015 06:06 CET | Aktualisiert 01/02/2016 12:50 CET

Ein schwules Paar nahm 24 Flüchtlinge auf - das ist ihr Fazit

HuffPost/Wochit

Deutschland debattiert gerade über eine Obergrenze für Flüchtlinge - Deutschland sei überfordert, hört man immer wieder. Das mag für manche Kommunen durchaus zutreffen. Ein schwules Pärchen aus Berlin sieht das jedoch anders.

Die beiden Männer haben seit Juli bereits 24 Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen. Eine Obergrenze scheint es für sie nicht geben, zumindest nicht in ihrer eigenen Wohnung. Ihre Gäste kamen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Bei Facebook hat einer der beiden jetzt Bilanz gezogen - und seinen Facebook-Freunden mitgeteilt, wie sich das Leben des Paares verändert hat.

Dabei räumt er mit Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen auf. Kein Muslim sei bislang in ihrer Wohnung gewesen, der sie "abmurksen" wollte, schreibt er. Niemand, "der die Scharia dem deutschen Grundgesetz vorziehen würde".

Und weiter: "Die Messer stecken noch da, und zwar genau dort, wo ich sie an meinem WMF-Brett installiert habe. Bevor Gäste aus Syrien oder dem Irak zu uns kamen." Und der Schlüssel zum Schlafzimmer sei nie zum Abschließen benötigt worden - sei "aber gerne als Katzen-Spielzeug von einem sehr lieben Menschen aus Afghanistan missbraucht" worden, heißt es in dem Facebook-Post.

Erst dann schreibt der Facebook-Nutzer über die "wahre Enttäuschung", die er und sein Partner seit Juli erlebt haben. Er berichtet von "gemeinen SMS", "Morddrohungen auf der Straße" und "beleidigende Briefe an der Haustür", die die beiden erreicht hätten, seitdem sie sich als Flüchtlingshelfer engagieren.

Er kritisiert "Schulfreunde, die lieber die AfD zitieren, jammern und sich selbst bedauern" und fügt hinzu: "Anstatt mit anzupacken wird rum geheult, als gäbe es kein Morgen mehr. Wacht endlich auf!"

Und dann richtet er einen flammenden Appell an alle Asylgegner: "Ganz sicher weiß ich, dass dieser Sommer und dass dieser Herbst unser Leben verändern werden. Ihr könnt dabei sein. Oder aber ihr habt einfach nur Angst. Und dann tut es mir leid."

Die Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen in Privatwohnungen hatte unter anderem Grünen-Politiker Dieter Janecek vor einigen Monaten vorangetrieben. Sein Vorschlag: Jeder, der Asylbewerber bei sich zu Hause aufnimmt, sollte "20 Euro am Tag" erhalten, forderte Janecek in der HuffPost.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite