WIRTSCHAFT
04/11/2015 06:08 CET

Diese eine Wahrheit über Plastiktüten wird euch überraschen

Wer wirklich umweltbewusst leben will, verzichtet künftig besser auf Papiertüten. Deren Ökobilanz ist genauso schlecht wie die von Plastiktüten.
dpa
Wer wirklich umweltbewusst leben will, verzichtet künftig besser auf Papiertüten. Deren Ökobilanz ist genauso schlecht wie die von Plastiktüten.

Ihr kennt das: Die Zeit ist wieder mal knapp, man fährt schnell mit dem Auto zum Supermarkt um die Ecke, kauft abgepacktes Obst und verschweißtes Gemüse. Der ökologische Fußabdruck des Tages wächst damit auf Elefantengröße.

Oft holt einen an der Kasse dann das schlechte Gewissen wieder ein und man greift nicht zur billigen Plastiktüte, sondern ein Fach tiefer. Zu den Papiertüten. Die sind zwar ein bisschen teurer, sehen aber oft schöner aus und sind vor allen Dingen eins: umweltfreundlicher. Ein besseres Gefühl für ein paar Cent mehr.

„Diese Annahme ist ein Trugschluss“, sagt Katharina Istel, Expertin vom Deutschen Naturschutzbund für nachhaltigen Konsum. „Eine Papiertüte hat genau genaugenommen sogar eine noch schlechtere Öko-Bilanz als eine Plastiktüte.“

Papiertüten brauchen Wasser und Energie

Für die Herstellung von Papiertüten wird fast doppelt so viel Energie verbraucht wie für Plastiktüten. Grund: Bevor die Naturfasern bearbeitet werden können, müssen sie mit Chemikalien behandelt werden.

Dieses Procedere belastet vor allen Dingen Wasser und Luft. Hinzukommt, dass eine Papiertüte zwar ökologisch abbaubar ist, schlussendlich aber eine viel geringere Lebensdauer als eine Plastiktüte hat. Bei zu viel Gewicht reißen die dünnen Behälter aus Papier schnell und werden in einem durchschnittlichen Haushalt daher oft nur noch ein oder zwei Mal wiederverwendet.

Plastiktüten dagegen halten oft mehr aus und können öfter benutzt werden. Problematisch wird es einzig, wenn sie in die Natur geraten. Während eine Papiertüte im Meer sich binnen weniger Stunden auflöst, sind die Beutel aus Erdöl nicht ökologisch abbaubar. Sie können bis zu 500 Jahren unverarbeitet im Wasser schwimmen.

Das falsche Image der Papiertüte

"Das grundsätzliche Problem ist, dass die Papiertüte im Vergleich zur 'bösen Plastiktüte' ein gutes Öko-Image hat", so Istel im Gespräch mit der Huffington Post. "Das stimm aber so nicht. Die braunen Tüten aus Frischfaser, die man gemeinhin im Supermarkt kaufen kann, haben eine ähnlich schlechte Ökobilanz wie die Erdöl-Tüten."

Im internationalen Vergleich liegen die Deutschen mit ihrem Plastik-Tütenverbrauch übrigens weit unter dem Durchschnitt. Während europaweit im Jahr etwa 200 Plastiktüten pro Person verwendet werden, sind es in Deutschland nur 70. Eine EU-Richtlinie gibt sogar vor, dass der Verbrauch bis 2025 auf 40 Tüten pro Kopf sinken soll.

Baumwollbeutel ein Leben lang

Wie verhält man sich als umweltbewusster Kunde also am besten?

Die Lösung für alle, die wirklich umweltbewusst leben und ihren ökologischen Fußabdruck klein halten wollen, ist also der Griff zum eigenen Trage-Beutel unvermeidbar. Umweltexpertin Istel: "Langfristig müssen wir dahin kommen, dass die Kunden ihre Einkäufe in selbst mitgebrachten Tragetaschen transportieren. Völlig egal ob es ein Stoffbeutel, eine Leinen-Tasche oder eine Kunststoff-Behälter ist. Hauptsache die Sachen werden so oft wie möglich verwendet."

Die weit verbreitete Ansicht, dass Stoffbeutel die ökologisch vertretbarste Variante sind, ist im Übrigen ebenso verkehrt wie das Öko-Image der Papiertüten. Für die Herstellung eines Baumwollbeutels wird extrem viel Wasser verwendet und CO2 produziert, was der Umwelt langfristig schadet. Besser sind Tragetaschen ausBio-Baumwolle, Hanf oder Leinen. Doch auch diese Produkte haben erst nach der hundertsten Benutzung eine positive Umwelt-Bilanz.

(mit Material von dpa)

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