WIRTSCHAFT
04/11/2015 09:16 CET | Aktualisiert 04/11/2015 09:58 CET

Russland steuert auf ein Drama zu - und Putin ist schuld daran

dpa

Russlands Wirtschaft ist am Boden. Der Staat gibt viel Geld für die Modernisierung seines Militärs, für die Kriege in der Ukraine und in Syrien aus, muss aber die Ausgaben für Bildung kürzen, Privatisierungen wegen der Krise verschieben, die Finanzreserven angreifen. Und die Russen, überwiegend ohnehin nicht mit Reichtum gesegnet, kämpfen mit der Inflation, die auf 15 Prozent zu steigen droht.

Kurz: Russland steht am wirtschaftlichen Abgrund.

Jetzt gibt es eine weitere Hiobsbotschaft für die russischen Bürger: Im kommenden Jahr könnten Fleisch und Milch knapp werden. Und Präsident Wladimir Putin ist schuld daran (den Hintergrund seht ihr im Video, der Text geht darunter weiter).

Das Problem zeichnet sich schon länger ab. Jetzt berichtet allerdings die russische Zeitung „Kommersant“ unter Berufung auf ein Behördenpapier, dass die Nachfrage insbesondere nach hochwertigen Produkten nicht gestillt werden könne.

Schlag gegen die eigene Bevölkerung

Wegen Russlands Rolle im Ukraine-Konflikt hatten die USA und die EU 2014 Sanktionen gegen Russland erlassen. Putin revanchierte sich im August 2014 mit einem Importverbot für Fleisch, Milchprodukte und Gemüse aus den USA, Kanada, Australien der EU und Norwegen, das noch mindestens bis Juni 2016 gelten soll.

Das Importverbot sollte die Produzenten treffen, die zuvor viele Milliarden Euro mit Lieferungen nach Russland umgesetzt hatten.

Empfindlicher aber traf es die Russen. Spezialitäten wie italienischer Käse sind kaum mehr zu bekommen. Sollten im kommenden Jahr auch einfache Grundnahrungsmittel wie Milch knapp werden, wird das vor allem die ärmere Bevölkerung, die in Russland einen großen Teil der Gesamtbevölkerung stellt, vor massive Probleme stellen.

Falscher Käse

Deswegen versuchen sich die Russen sich nun in der Eigenproduktion der ausländischen Spezialitäten, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Das Ergebnis sei Käse, der wie Plastik aussehe und auch so schmecke. Denn wegen des Mangels an Milch werde Käse mit Öl und Wasser heimlich gestreckt.

Nach Angaben der russischen Überwachungsbehörde für Veterinärwesen sollen 78 Prozent des Käses in Russland "gefälscht" sein, schreibt „Kommersant“.

Milchproduzenten können Output nicht steigern

Die Zeitung zitiert den Chef der Vereinigung der Milchproduzenten, Artem Belov. Er sagt, die Produzenten seien nicht auf das Embargo vorbereitet gewesen, hätten die Produktion nicht steigern können und das würde sich so bald auch nicht ändern. Erst in drei oder vier Jahren, würde sich die Situation wieder entspannen.

Ein Mitglied des Agrarausschusses, Kirill Cherkasov, geht davon aus, dass es nur gelingen wird, die Importe zu ersetzen, wenn die russischen Produzenten unterstützt werden. Fraglich ist nur, ob Putin dafür Geld ausgeben will. Jetzt, da der Staat ohnehin so klamm ist.

Erst einmal bemüht sich Russland, die Lebensmittel aus anderen Ländern zu beziehen. Wie die regierungsnahe Seite „Sputniknews“ berichtet, ist auch Tauschhandel mit China, dem Iran und der Türkei im Gespräch.

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