POLITIK
04/11/2015 02:16 CET | Aktualisiert 04/11/2015 07:36 CET

"Tote Kinder sind Folge von Merkels Politik": Slowakischer Politiker sorgt für Eklat bei Maischberger

Pavol Frešo - Flickr.com
Der slowakische Abgeordnete Richard Sulik

Eine Auswirkung der Flüchtlingskrise: Man gewöhnt sich daran, seltsame Charaktere in deutschen Talkshows zu sehen. So wie den slowakischen Abgeordneten Richard Sulik bei der "Menschen bei Maischberger"-Sendung zur Flüchtlingskrise gestern.

Er provozierte, wo es ging. Indirekt machte Sulik Angela Merkel für die Toten in der Ägäis verantwortlich. "Hundert tote Kinder sind eine Folge der humanistischen Politik", sagte er. Dabei bezichtigte er nicht nur Merkel des Verfassungsbruchs. Er sagte auch, Staaten hätten ihre Bürger zu schützen, aber nicht Flüchtlinge. Im Gegenteil, sie hätten die Pflicht, ihre Bevölkerung vor Migranten zu schützen - zumal, wenn es sich bei ihnen vor allem um junge Muslime handele.

Dem SPD-Politiker Ralf Stegner warf er "Populistengelaber" vor. Der entgegnete völlig kalt: "Ihr Urteil ist mir völlig schnurz, wenn es um Menschen geht." Der Ex-CDU-Politiker Norbert Blüm schnaubte "Unverschämtheit". Gemeinsam mit Stegner warf er Sulik vor, für das "Egoisten-Europa" zu stehen.

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Die "taz"-Journalistin Bettina Gaus sprach sogar von Demagogie. "Ich verachte das", sagte sie. Sulik hätte die "Grenzen der Meinungsfreiheit" überschritten.

Stegner und der CSU-Politiker Stephan Mayer zeigten, wie schwierig die rot-schwarze Zweckehe ist. Die beiden beharkten sich beim Thema der Transitzonen. Stegner wiederholte die Position der SPD: "Wird es mit uns nicht geben". Doch Mayer erinnerte ihn: "Wir sind näher beieinander, als vielen lieb ist."

Mayer signalisierte hin und wieder vorsichtig Unterstützung für Suliks Aussagen. Als er dann von "selektiver Zurückweisung" an der Grenze sprach, und Gaus irritiert nachhakte, schien er zu merken, dass er sich auf dünnes Eis begibt, wenn er das belastete Wort "Selektion" in den Mund nimmt. Mühsam versuchte er, seine eigenen Worte zu entschärfen.

Michael Räber sorgte dafür, dass die Situation der Flüchtlinge nicht vergessen wird. Er ist ein freiwilliger Helfer aus der Schweiz auf der griechischen Insel Lesbos. Räber berichtete von den Toten, die beinahe täglich an die Küste geschwemmt würden.

Um das zu verhindern, müsse man Fähren einsetzen. Die müssten die Flüchtlinge aus der Türkei abholen. Damit setzte er Stegner unter Druck - der sich selbst ja als größter Humanist in der Runde inszeniert hatte.

Der hielt den Tod der Flüchtlinge für einen humanitären Skandal. Aber das Versprechen, dass sich die SPD für Flüchtlings-Fähren einsetzen werde, kam nicht über seine Lippen. Stattdessen will er lieber Schlepper bekämpfen die "Weltgemeinschaft" an ihre "Verantwortung" erinnern. Vor allem die Türkei könnte diese Überfahrten unterbinden - wenn sie ihre Grenzen schützen würde.

Ob Deutschland in der EU isoliert sei, wollte die Moderatorin wissen. "Ich fürchte, das ist so", war seine trockene Antwort. Deutsche Politiker fordern seit langem eine "europäische Lösung" - aber die kommt nicht.

Das beste Zitat brachte Lothar Venus. Er ist zweiter Bürgermeister von Wegscheid, einem Ort an der Grenze zu Österreich. Venus wurde durch eine Live-Übertragung in die Sendung geschaltet. Schlicht, aber überzeugend schilderte er, was jetzt das Wichtigste sei: den Flüchtlingen über den Winter zu helfen.

"Wenn ich die Streitereien höre, wird mir ganz schlecht", sagte er.

Bild von Pavol Frešo, Flickr, CC 2.0

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