LIFESTYLE
04/11/2015 14:51 CET | Aktualisiert 06/11/2015 06:46 CET

Eltern flippen aus, nachdem eine Lehrerin dieses Kündigungsschreiben einreicht

Wendy Bradshaw hat ihren Beruf als Lehrerin voller Leidenschaft ausgeführt. Sie spezialisierte sich auf die Erziehung der jüngsten Kinder, machte mehre Abschlüsse und erwarb sogar einen Doktortitel. Sie verbrachte ihre Abende und Wochenenden damit, sich über wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren, die ihr helfen könnten, eine noch bessere Lehrerin zu werden.

Wie so viele ihrer Kollegen war Bradshaw unzufrieden mit den Schulreformen, die der US-Bundesstaat Florida einführte. Doch erst als ihr Leben sich plötzlich änderte, konnte die Lehrerin einen endgültigen Entschluss fassen: Sie kündigte. Auf Facebook beschreibt sie, wie es dazu kam:

"Am 8. Juni 2015 änderte sich mein Leben, als ich meine Tochter zu Welt brachte. Ich erinnere mich, wie ich ich sie in unserer ersten gemeinsamen Nacht im Krankenhausbett wiegte und dachte: 'In fünf Jahren wirst du im Kindergarten sein und mit mir zur Schule gehen.' Der Gedanke hätte mir Freude bereiten sollen, doch stattdessen machte er mir Angst. Ich möchte mein Kind nicht diesem gestörten System aussetzen und ich kann nicht länger guten Gewissens selbst ein Teil davon sein."

Das Kündigungsschreiben, das sie schließlich beim Schulvorstand einreichte, veröffentlichte sie auch auf ihrer Facebook-Seite. Mehr als 60.000 Menschen teilten ihre Worte, Eltern in ganz Amerika fühlen sich in ihren Sorgen bestätigt.

Eine Kritik, die auch in Deutschland gilt

Aber lest am besten selbst - denn was Bradshaw zu sagen hat, lässt sich zum Teil auch auf das deutsche Schulsystem anwenden:

"Ich liebe es, zu unterrichten. Ich liebe es, das Leuchten in den Augen meine Schüler zu sehen, wenn sie ein neues Konzept begreifen, zu sehen, wie ihre kleinen Körper sich vor Stolz und Genugtuung gerade machen, wenn sie ein persönliches Ziel erreichen. Ich liebe es, dabei zuzusehen, wie sie gute Bürger werden, weil sie sich mit ihren Altersgenossen auseinandersetzen, Probleme lösen, ihre Erfahrungen und ihr Verständnis von der Welt teilen. Ich wollte nichts mehr als den Schülern dieses Landes, meines Heimatlandes, zu dienen, indem ich sie unterrichte und jungen Lehrern beibringe, sie gut zu unterrichten.

(...)

"Methoden, die der Kindesentwicklung schaden"

Doch wie viele andere Lehrer in diesem Land hat es mich mehr und mehr verstört, was für fehlgeleitete Reformen hier durchgeführt werden. Diese Reformen berauben meine Schüler einer ihrer Entwicklung angemessenen Bildung. Altersgerechte Ausbildung ist der Grundstein, auf dem sich eine bewährte frühkindliche Erziehung gründet. Forschungsergebnisse mehrerer Jahrzehnte unterstützen diese These. Doch diese Reformen missachten die Forschung nicht nur, sie zwingen Lehrer dazu, Methoden anzuwenden, die nicht nur ineffektiv sind, sondern auch noch der Kindesentwicklung und dem Lernprozess schaden. Ich bin absolut bereit, meine Aussagen mit wissenschaftlicher Literatur zu untermauern, aber ich glaube nicht, dass das erwünscht ist.

(...)

Ich kann nicht länger vor mir rechtfertigen, dass ich Schüler zum Weinen bringe. Sie weinen aus Frust, weil sie Aufgaben lösen sollen, die über den Stand ihrer proximalen Entwicklung hinaus gehen. (...) Sie lassen geschlagen ihre Schultern hängen, während sie vor schlecht geschriebenen Tests sitzen, die sie nicht lesen können, aber an denen sie teilnehmen müssen.

(...)

Die Kinder weinen nicht nur. Einige benehmen sich schlecht, damit sie "das böse Kind" sein können und nicht "das dumme Kind" sein müssen, oder weil ihre kleinen Körper einfach nicht mehr still sitzen können, oder weil sie die sozialen Regeln der Schule nicht kennen, weil niemand Zeit hat, sie ihnen beizubringen. Der Fokus meiner Masterarbeit lag auf Verhaltensstörungen, deshalb kann ich voller Selbstbewusstsein behaupten, dass es nicht die Kinder sind, die gestört sind.

Das System ist die Störung, denn es verlangt von ihnen, einem Lehrplan zu folgen und Verhaltensweisen zu zeigen, die weit über das hinausgehen, was für ihr Alter angemessen wäre. Das System ist die Störung, denn es nimmt Lehrern die Möglichkeit, auf sinnvolle Art zu differenzieren. (...) Das System ist die Störung, denn es legt mehr Wert die Punktzahl von unangemessenen Prüfungen als darauf, Schüler auf bedeutsame und wissenschaftsbasierte Weise zu unterrichten."

Die Kommentarspalten unter Bradshaws Betrag sind voll mit zustimmenden Worten zahlreicher Eltern. Die Lehrerin hat ganz offensichtlich einen Nerv getroffen.

Hier der Originalpost von Wendy Bradshaw:

Today I resigned from the school district. I would like to share with you what I gave them. Feel free to share it if it...

Posted by Wendy Bradshaw on Friday, October 23, 2015

Video: Lehrer geben Vorurteile weiter: Darum haben Mädchen Angst vor Mathe

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite